19.08.2026

Neues Forschungsprojekt soll Datenschutz künftig einfacher machen

© Karin Distler
Der Rechtsinformatiker Professor Christoph Sorge

Die Verwaltung von Datenschutzeinstellungen zu erleichtern und die digitale Souveränität der Nutzerinnen und Nutzer im Web zu stärken, ist Ziel des Projekts ddpp (Decentralized Data Privacy Protocol). Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE (Konsortialführer) und Forscherinnen und Forscher der Universität des Saarlandes arbeiten an einem offenen Webprotokoll, das es ermöglicht, Datenschutzpräferenzen dienstübergreifend an einem selbst gewählten Ort zu verwalten.

Beteiligt von Seiten der Universität des Saarlandes ist Professor Christoph Sorge und sein Team am Lehrstuhl für Rechtsinformatik. 

Es folgt eine Pressemitteilung des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE) als Konsortialführer

Ein Protokoll für mehr digitale Souveränität

Der Umgang mit Datenschutzeinstellungen stellt viele Menschen vor große Herausforderungen. Einwilligungen und Präferenzen sind heute auf eine Vielzahl digitaler Dienste verteilt, während bestehende Lösungen häufig wenig benutzerfreundlich sind. Im Zentrum des Projekts ddpp steht die Entwicklung eines dezentralen Webprotokolls für Datenschutzpräferenzen. Statt Datenschutzeinstellungen in jedem einzelnen Dienst separat verwalten zu müssen, sollen Nutzende ihre Präferenzen künftig über einen sogenannten »Personal Privacy Preferences Place« an zentraler Stelle steuern können. Die Präferenzen werden anschließend automatisiert mit den angebundenen Diensten synchronisiert. Ziel ist es, Datenschutzfreundlichkeit, Transparenz und digitale Souveränität zu stärken und gleichzeitig eine standardisierte, interoperable Lösung zu schaffen, die sich in bestehende digitale Dienste integrieren lässt.

Dabei setzt das Projekt auf das Prinzip »Privacy by Default«: Datenschutzfreundliche Einstellungen sollen von Anfang an technisch unterstützt werden, sodass Nutzerinnen und Nutzer ihre Privatsphäre wirksam schützen können, ohne sich durch komplexe Einstellungen oder zahlreiche Einwilligungsabfragen arbeiten zu müssen. Die Projektergebnisse sollen zudem die Grundlage für eine mögliche Standardisierung bilden und zentrale Konzepte in relevante Fach- und Standardisierungsgremien einbringen.

»Viele Menschen verlieren heute den Überblick darüber, wie ihre Daten von unterschiedlichen digitalen Diensten genutzt werden. Mit ddpp entwickeln wir einen Ansatz, der die Verwaltung entsprechender Einstellungen deutlich vereinfachen soll. Wenn es gelingt, das Protokoll breit zu etablieren, könnte daraus ein neuer Standard für den Umgang mit Datenschutzpräferenzen entstehen«, sagt Dr. Frank Elberzhager, Department Head Architecture-Centric Engineering und Projektleiter des Vorhabens am Fraunhofer IESE.

Konkreter Nutzen in wichtigen Anwendungsfeldern

Wie relevant ein standardisiertes Management von Datenschutzpräferenzen ist, zeigt sich insbesondere in zwei Anwendungsbereichen, die im Projekt untersucht werden. Im Bereich der personalisierten Werbung sollen Nutzerinnen und Nutzer nicht bei jedem digitalen Dienst erneut Entscheidungen zu Cookies und Datennutzung treffen müssen. Stattdessen könnten ihre Datenschutzpräferenzen einmalig festgelegt und automatisch dienstübergreifend berücksichtigt werden. Dadurch ließen sich wiederkehrende Einwilligungsabfragen reduzieren und die Kontrolle über die eigenen Daten stärken.

Ein zweiter Anwendungsfall sind Gesundheitsdaten. Hier verarbeitet eine Vielzahl digitaler Anwendungen und vernetzter Geräte besonders sensible Informationen. Das Projekt untersucht, wie Nutzende auch in solchen Ökosystemen selbst festlegen können, welche Gesundheitsdaten sie mit welchen Anwendungen teilen möchten und wie diese Entscheidungen umgesetzt werden können.

Technik und Recht gemeinsam gedacht

Das Fraunhofer IESE verantwortet die technische Konzeption, Entwicklung und Evaluation des Protokolls. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung der Protokollarchitektur, die prototypische Umsetzung zentraler Komponenten, nutzerzentrierte Interaktionskonzepte sowie die Analyse von Markt- und Einführungsstrategien. Die Universität des Saarlandes bringt ihre Expertise in den Bereichen Rechtsinformatik, Datenschutzrecht und regulatorische Rahmenbedingungen ein. Gemeinsam verfolgt das Konsortium einen interdisziplinären Ansatz, der technische, rechtliche und nutzerbezogene Perspektiven zusammenführt.

Über das Projekt ddpp

Das Forschungsprojekt ddpp (Decentralized Data Privacy Protocol) entwickelt ein offenes, dezentrales Webprotokoll zur dienstübergreifenden Verwaltung von Datenschutzpräferenzen. Ziel ist die Etablierung einer standardisierten und interoperablen Lösung, die Datenschutzentscheidungen für Nutzende vereinfacht und gleichzeitig Unternehmen bei der datenschutzkonformen Umsetzung regulatorischer Anforderungen unterstützt. Das Projekt läuft vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2029. Projektpartner sind das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE (Konsortialführung) und die Universität des Saarlandes.

Das Projekt wird im Rahmen der Fördermaßnahme »Plattform Privatheit – IT-Sicherheit schützt Privatheit und stützt Demokratie« vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Es leistet einen Beitrag zur Stärkung von Privatheit, informationeller Selbstbestimmung und vertrauenswürdigen digitalen Infrastrukturen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Professor Christoph Sorge (Universität des Saarlandes): E-Mail: christoph.sorge(at)uni-saarland.de, Tel.: +49 681 302 5120 
Fabienne Bäcker (Fraunhofer IESE), E-Mail: fabienne.baecker(at)iese.fraunhofer.de

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