Seminar Sommersemester 2026
Frauenchiemsee-Seminar beleuchtet aktuelle Entwicklungen im internationalen und europäischen Rohstoffrecht
Auch in diesem Jahr fand das Seminar im Sommersemester auf der Insel Frauenchiemsee statt. Unter dem Titel „Raw Materials in International Economic Law“ wurden unter der Leitung von Prof. Bungenberg aktuelle Herausforderungen des internationalen und europäischen Wirtschaftsrechts mit besonderem Fokus auf Rohstoffe, Investitionsschutz und globale Ressourcenpolitik diskutiert.
Vor der Kulisse des Chiemsees setzten sich die Teilnehmenden mit zentralen rechtlichen Fragestellungen des Rohstoffsektors auseinander. Ein Schwerpunkt lag auf dem Prinzip der permanenten Souveränität über natürliche Ressourcen und dessen aktueller Entwicklung. Diskutiert wurde, wie Staaten ihre Verfügungsgewalt über natürliche Ressourcen heute ausüben und welchen völkerrechtlichen Grenzen sie dabei unterliegen. Auch Fragen nachhaltiger Entwicklung im Rohstoffsektor wurden vertieft behandelt. Am Beispiel von Kaffee und den International Coffee Agreements analysierten die Studierenden, welche Rolle internationale Rohstoffabkommen für nachhaltige Lieferketten, wirtschaftliche Stabilität und entwicklungspolitische Zielsetzungen spielen können.Weitere Beiträge widmeten sich aktuellen handelspolitischen Konflikten. So wurde die quasi-monopolartige Stellung Chinas bei Seltenen Erden aus Perspektive des WTO-Rechts untersucht. Ebenso diskutierten die Teilnehmenden den Palmölstreit der Europäischen Union und die Vereinbarkeit entwaldungsfreier Lieferkettenregelungen mit den Vorgaben des WTO-Rechts. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Investitionen im Rohstoffsektor. Die Studierenden befassten sich mit den Kernelementen staatlicher Investorenverträge sowie mit Fragen des Investitionsschutzes bei Rohstoffprojekten. Historische Perspektiven bot dabei insbesondere die Analyse der libyschen Enteignungsfälle, deren Bedeutung für das moderne Investitionsschutzrecht und die Investor-Staat-Streitbeilegung herausgearbeitet wurde. Auf europäischer Ebene standen der EU Critical Raw Materials Act und seine internationale Dimension im Fokus. Diskutiert wurde, inwiefern dieses Regelwerk nicht nur der Sicherung kritischer Rohstoffe dient, sondern auch als Ausgangspunkt für ein eigenständiges europäisches Rohstoffrecht verstanden werden kann.
Daneben richtete das Seminar den Blick auf neue und geopolitisch besonders sensible Rohstoffräume. Behandelt wurden die Bewirtschaftung von Meeresbodenressourcen im Rahmen des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen sowie die unterschiedlichen Regulierungsregime für Rohstoffe in den Polarregionen.
Neben dem fachlichen Programm erhielten die Studierenden auch Einblicke in die deutsche Verfassungsgeschichte. Das Seminarprogramm wurde durch einen Besuch der benachbarten Insel Herrenchiemsee ergänzt. Im Museum des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts, dem historischen Ort des Verfassungskonvents von 1948, erkundeten die Teilnehmenden die Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes und die demokratischen Grundlagen der Nachkriegszeit.
Abgerundet wurde das Seminar durch eine Führung durch Schloss Herrenchiemsee. Das von König Ludwig II. errichtete Schloss, das häufig als „bayerisches Versailles“ bezeichnet wird, bot einen eindrucksvollen kulturellen Rahmen für den Abschluss des Aufenthalts.
Die Verbindung aus anspruchsvollen fachlichen Diskussionen, historischer Reflexion und gemeinschaftlichem Austausch machte das Frauenchiemsee-Seminar erneut zu einer bereichernden Erfahrung für alle Beteiligten.

