Forschungsprojekte
Der Arbeitskreis möchte Forschungsvorhaben, die sich im deutschsprachigen Raum mit der mittelalterlichen Geschichte Italiens beschäftigen, ein Forum bieten, um den Projekten selbst mehr Sichtbarkeit zu verleihen und Interessierten die Möglichkeit zu geben, sich möglichst umfassend über die aktuelle Italien-Forschung im deutschsprachigen Raum zu informieren. Die entstehende Datenbank umfasst dabei alle Arten von Projekten: Laufende Dissertationen und Post-Doc-Projekte sollen ebenso erfasst werden wie bestehende Forschungszentren oder institutionell geförderte Forschungsvorhaben, die alleine oder im Verbund durchgeführt werden. Wenn Sie ein Forschungsvorhaben melden möchten, bitten wir Sie darum, dass folgende Formular auszufüllen. Die Veröffentlichung erfolgt zeitnah. Bei Rückfragen oder technischen Problemen bitten wir um eine E-Mail an: ag-agim(at)uni-saarland.de
Papst Lucius III.
Ingo Treder (Bergische Universität Wuppertal)
Auf der Basis der jüngst abgeschlossenen Regesten seiner Urkunden und Briefe soll der Versuch unternommen werden, Papst Lucius III. eine moderne Würdigung zuteil werden zu lassen, in deren Mittelpunkt sein Wirken im Hinblick auf die Zentralisierung der lateinischen Kirche stehen soll. Welche Linien lassen sich aus seiner Tätigkeit als päpstlicher Legat in sein Pontifikat hinein ziehen? Inwiefern setzte er die Politik seines Vorgängers Alexanders III. fort? Gab es regionale bzw. inhaltliche Schwerpunkte/Unterschiede seines Handelns? Welche Mittel der Zentralisierung benutzte er und wie wirkten diese zusammen?
Kontakt
zum Projekt
Des Kaisers neue Schriften – Schriftlichkeit und Schriftkulturen am Hof Heinrichs VII. (1308-1313)
Christina Abel (Universität des Saarlandes)
Heinrich VII. wurde im November 1308 als erster Luxemburger zum römisch-deutschen König gewählt, im Januar 1309 erfolgte die Krönung. Bereits im August 1313 verstarb Heinrich VII., der in der Zwischenzeit auch die Kaiserkrone trug, in Italien. In diesen fünf Jahren allerdings produzierte Heinrichs Hof – sprich: die Personen im Umfeld des reisenden Herrschers – einen einmaligen Bestand an Schriftgut. Neben den klassischen Königs- und Kaiserurkunden verfügen wir für die Zeit Heinrichs VII. über eine Vielzahl an Verwaltungsschriften: Register, Imbreviaturbücher, thematische Dossiers, Ratsprotokolle, Rechnungen, verschiedenste Listen und Verzeichnisse, Inventare, Konzepte, Erinnerungen und Notizzettel. Solche Zeugnisse pragmatischer Schriftlichkeit lassen sich unter Heinrichs Vorgängern und Nachfolgern entweder gar nicht oder nur vereinzelt nachweisen. Dieser außergewöhnliche Quellenbestand, der primär in Italien entstanden und überliefert ist, stellt die Grundlage des Forschungsprojekts dar: Die überlieferten Urkunden und andere Schriftstücke, die nachweislich im Umfeld Heinrichs VII. entstanden sind oder dort aufbewahrt wurden, sollen als zusammenhängendes Korpus auf die Frage hin untersucht werden, wie man mit Schriftlichkeit und Schriftstücken am Hof des ersten Luxemburger Kaisers umging. Dies umfasst den Aspekt der Erstellung der Dokumente ebenso wie die Frage nach dem spezifischen Gebrauch, nach der Aufbewahrung und Archivierung und nach der zeitgenössischen Wahrnehmung von Schriftlichkeit als Herrschafts- und Verwaltungsinstrument wie auch als kulturellem Kapital. Besondere Bedeutung kommt hierbei den Personen zu, die durch ihre Entscheidungsgewalt, durch ihr Expertenwissen oder ihre Schreibtätigkeit Einfluss auf den Umgang mit Schriftlichkeit und die Gestaltung der Schriftstücke nahmen. Die verschiedenen regionalen Gewohnheiten, Ausbildungswege und persönlichen Fähigkeiten – und damit die verschiedenen Schriftkulturen – die in Form dieser Personen zusammentrafen, waren mitverantwortlich, so die Hypothese, für den besonderen Umgang mit Schriftlichkeit, der Heinrichs Hof auszeichnete.
Kontakt
zum Projekt
ID-NET: Ideal, Diskurse, Netzwerke. Kaisertum und Reichsitalien im 14. Jahrhundert (1308–1378)
Caterina Cappuccio (DHI Rom)
Laufzeit: 2023-2028
Anhand von drei konzeptionellen Kategorien – Ideal, Diskurse, Netzwerke – zielt das Habilitationssprojekt darauf, die Verflechtungen zwischen Kaisertum und Reichsitalien 1308–1378 zu untersuchen. Ausgehend von der geschichtswissenschaftlichen Konstruktion des Bildes vom Kaisertum im 14. Jahrhundert in der italienischen und deutschen Forschungsdebatte wird erstens ein neuer Forschungsweg durch den Dialog zwischen beiden Forschungstraditionen entwickelt (Ideal). Zweitens kommt die Verbreitung und Wahrnehmung des kaiserlichen Diskurses in den italienischen Städten auf der Basis vornehmlich von historiographischen Quellen und gelehrten Werken in den Blick, um die Selbstdarstellung und Performativität des Kaisertums in den italienischen Gebieten detailliert herauszuarbeiten (Diskurse). Schließlich untersucht das Forschungsprojekt anhand unedierter Quellen die italienischen Netzwerke der Kaiser und leistet somit einen Beitrag zur Erforschung der partes imperiales im Italien des 14. Jahrhunderts (Netzwerke).
Kontakt
zum Projekt
Christen und Muslime im nördlichen Apulien (Capitanata) im 13. Jahrhundert
Johannes Gutenberg-Universität Mainz / Universität Trier / DHI Rom
Michael Matheus (Mainz) / Lukas Clemens (Trier)
Im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsverbundes werden seit 2006 unter der Federführung des Deutschen Historischen Instituts (DHI) in Rom Bedingungen und Formen des christlich-muslimischen Zusammenlebens im nördlichen Apulien (Capitanata) im 13. Jahrhundert erforscht. Damit knüpft das Institut an die Tradition der von ihm betriebenen Süditalienforschung unter veränderten Fragestellungen an. Seit den 20er Jahren des 13. Jahrhunderts veranlasste der staufische Kaiser Friedrich II. die Deportation tausender auf Sizilien lebender Muslime in die Capitanata, wo in Lucera eine muslimische Stadt entstand. Damit begann ein bis ins 14. Jahrhundert reichendes Kapitel muslimisch-arabischer Kultur in Europa, das im Vergleich zur muslimischen Präsenz in Südspanien und Sizilien bisher wenig beachtet wurde. Unter den Anjou wurden zudem im nördlichen Apulien Provençalen angesiedelt, sodass in der Region eine spezifische Mischung verschiedener Ethnien, Sprachen, Religionsgemeinschaften und Kulturen zu konstatieren ist. Diese Situation fordert zur Diskussion verschiedener kulturgeschichtlicher Fragestellungen geradezu heraus. Zugleich wird die Konstellation in der Capitanata mit jener in anderen Kontaktzonen zwischen Christen und Muslimen (Sizilien, Andalusien, Levante) verglichen. Schon jetzt zeichnen sich interessante und auch partiell unerwartete Ergebnisse ab. So ist die lange Zeit dominierende Vorstellung, die muslimische Bevölkerung habe wie in einer Enklave die Stadt Lucera besiedelt, nicht mehr zu halten. Muslimische Gruppen haben vielmehr auch außerhalb von Lucera zuvor von Christen bewohnte Siedlungen übernommen. Zu diesen zählt mit Tertiveri eine kleine Bischofsstadt, die im ausgehenden 13. Jahrhundert als Lehen an einen muslimischen Adeligen vergeben wurde. Die Geschichte der muslimischen Besiedlung endete zudem nicht im Jahr 1300, sondern erfuhr wenig später eine bisher kaum beachtete Fortsetzung. Die Federführung des Projektes lag von 2006 bis 2012 beim Direktor des DHI, Michael Matheus. Als Kooperationspartner waren bzw. sind beteiligt: Das Dipartimento di Scienze Umane der Universität Foggia, das CNR – Centro di Studi Federiciani di Lagopesole, das Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrecht-Universität Kiel sowie das Forschungscluster „Gesellschaftliche Abhängigkeiten und soziale Netzwerke“ der Universität Trier und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Prof. Dr. Michael Matheus (Mainz) und Prof. Dr. Lukas Clemens (Trier) führen das Projekt seit 2013 in Kooperation mit dem DHI in Rom fort.
zum Projekt
Ninfa: Das „Pompeji des Mittelalters“
Michael Matheus (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Etwa eine Autostunde südlich von Rom liegt in der pontinischen Ebene, zu Füßen der Monti Lepini, Ninfa, ein singulärer, ein suggestiver Ort. Das sensible Ensemble aus Ruinen, Pflanzen und Tieren ist nur an bestimmten Tagen im Jahr der Öffentlichkeit zugänglich und erst seit einigen Jahren Gegenstand systematischer kulturgeschichtlicher Untersuchungen. Im Jahr 2000 wurde Ninfa zum Naturdenkmal (Monumento Naturale) der Region Latium. Mit dem Renaissancegarten, dem seit den 1920er Jahren geschaffenen Giardino di Ninfa sowie dem Naturpark Pantanello existieren in Ninfa drei Gartenmodelle, die zur Einzigartigkeit des Gesamtkunstwerks beitragen und Gegenstand der kulturwissenschaftlichen Untersuchungen sind.Im Rahmen des Projektes wurden und werden mehrere Vorhaben verfolgt: 1) Erhaltene Schriftquellen zur Geschichte der pontinischen Sümpfe und Ninfas im Mittelalter erschließt Rudolf Hüls in einschlägigen Archiven, vor allem im Archivio di Stato di Latina. Die Forschungsergebnisse wurden und werden in einzelnen Studien publiziert, und die ermittelten Quellen sollen langfristig in einer Datenbank zugänglich gemacht werden. 2) Auf der Basis einer systematischen Auswertung der erhaltenen Schriftquellen sowie auf der Grundlage von terrestrischem und luftgestütztem 3-D-Laserscanning der erhaltenen Ruinen (durch ArcTron3D) erfolgt eine virtuelle Rekonstruktion von Teilen der mittelalterlichen Stadt bzw. einzelner Gebäude. 3) Bisher dominiert die Ansicht, die Ruinenstadt sei – von wenigen Ausnahmen wie Edward Lear und Ferdinand Gregorovius abgesehen – erst nach der Bonifizierung der Sümpfe und der Umwandlung in den heutigen Giardino seit den 1920er Jahren wahrgenommen worden. Das Gegenteil trifft nach den bisherigen Recherchen zu. Ninfa wurde im Verlauf des langen 19. Jahrhunderts zu einem ausgesprochen international wahrgenommenen Sehnsuchtsort und mit Metaphern wie Pompeji des Mittelalters, Dornröschenschloss und Zauberstadt angesprochen.
Kontakt
zum Projekt
Roma docta. Studieren im Rom der Renaissance
Michael Matheus (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Obgleich in Rom mit dem Studium Urbis (heute Universität La Sapienza) sowie der Kurienuniversität seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts zwei Hohen Schulen existierten (jedenfalls wenn Papst und Kurie präsent waren), spielten die Stadt und ihre Universitäten in der vergleichenden europäischen Bildungs- und Universitätsgeschichte lange Zeit keine nennenswerte Rolle. Seit einigen Jahren werden verstärkt Anstrengungen unternommen, eine Neubewertung dieser Hohen Schulen sowie des „Studienorts Rom“ insgesamt vorzunehmen. Dass Rom als attraktiver Studienort für Studierende aus dem nordalpinen Reichsgebiet, aus Frankreich Spanien und anderen europäischen Ländern lange Zeit nicht ernsthaft in den Blick genommen wurde, ist zunächst einmal der Quellenarmut vor Ort geschuldet, denn nahezu alle Universitätsakten und insbesondere Personenlisten sind bis zum Sacco di Roma verloren. Angesichts dieser Überlieferungssituation stellt sich die Frage, ob und inwieweit das lange Zeit festgeschriebene Urteil über die geringe überregionale Bedeutung der römischen studia nicht in hohem Maße durch diese Quellenverluste konditioniert wurde. Ferner dürfte die Rom vielfach immer noch zugeschrieben Dekadenz in vorreformatorischer Zeit das Interesse an universitätsgeschichtlichen Forschungen zum 15. und beginnenden 16. Jahrhundert behindert haben. Unterdessen wird immer deutlicher, dass Rom nach der Rückkehr von Papst und Kurie sich zu einer immer kosmopolitischer werdenden Stadt und einem interessanten Studienort entwickelte. Zu dieser Einsicht trägen die Auswertung bisher wenig beachteter für die römischen Universitäten aber einschlägiger Quellegattungen bei, wie die römischen Notariatsregister und die päpstliche Registerüberlieferung sowie ferner die Sichtung von in zahlreichen europäischen Archiven erhaltenen Zeugnissen zu den römischen Hohen Schulen. Im Frühjahr 2012 wurde am DHI in Rom die unterdessen in Gang gekommene internationale Forschung bilanziert. Zugleich wurde deutlich, welche enormen Chancen sich bei diesem Thema über engere institutsgeschichtliche Aspekte hinaus für Studien zu Phänomenen des kulturellen Transfers zwischen dem Norden und Süden Europas bieten.
Kontakt
zum Projekt
Burchards Dekret Digital
Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz / Arbeitsstelle TU Darmstadt (ab 1. Januar 2026)
Ingrid Baumgärtner (Darmstadt), Klaus Herbers (Erlangen), Ludger Körntgen (Mainz)
Laufzeit: 2020-2037
Das Projekt Burchards Dekret Digital (BDD) beschäftigt sich mit der einflussreichen Kirchenrechtssammlung des Bischofs Burchard von Worms (1000-1025), die im hohen Mittelalter als das kirchliche Rechtsbuch par excellence galt. Die Sammlung entstand Anfang des 11. Jahrhunderts und enthält detaillierte Regeln und Verhaltensanweisungen für Kleriker und Laien. Burchard sammelte, sortierte und vereinheitlichte das bestehende kirchliche Recht in richtungsweisender Art. BDD erschließt die bedeutende handschriftliche Überlieferung, erarbeitet erstmals eine belastbare, kritische Edition und sichtet die weite Verbreitung sowie Rezeption des Decretum Burchardi. Innovativ ist BDD hinsichtlich der digitalen Erschließung ebenso wie bei der rezeptionsgeschichtlichen Ausrichtung, die einen Eindruck von der gewaltigen Dynamik europäischer Rechtskulturen vermittelt. Die Arbeitsstelle an der TU Darmstadt (bis 31.12.2025 an der Universität Kassel) ist v.a. für die Verbreitung des Dekrets in Italien zuständig.
Kontakt
zum Projekt
Italienprojekt (Regesta Imperii)
Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz
Lotte Kosthorst (Mainz, Koordination)
Laufzeit: 2016-2033
Auch im Spätmittelalter war Italien ein zentraler Aktionsraum für das römisch-deutsche König- und Kaisertum. Für zahlreiche italienische Herrschaftsträger stellten die Kaiser zudem oberste Lehnsherren und höchste Legitimationsinstanz dar, als welche sie im Zuge der agonalen Kommunikationsverdichtung immer auch politische Partei auf der Halbinsel waren oder als solche instrumentalisiert wurden. Trotz dieser seit langer Zeit bekannten Beziehungen und Interdependenzen zwischen den Kaisern und den italienischen Herrschaftsträgern bleiben die Archive der Apenninenhalbinsel für die spätmittelalterliche Reichsgeschichte eine im Weiten noch zu erschließende Quelle historischer Dokumente. Im Rahmen des breit angelegten europäischen Zugriffs der Regesta Imperii, der das gesamte mittelalterliche Imperium mit seinen Verbindungen zu benachbarten Territorien in den Blick nimmt, wird die italienische Überlieferung in Kooperation mit den MGH für die laufenden Teilprojekte zu Heinrich VII., Ludwig IV. und Friedrich III. (RI) sowie Karl IV. (MGH) gemeinsam gesichtet und aufgearbeitet. Angestrebt ist die Ermittlung der kaiserlichen Urkunden und Briefe einschließlich der Kopiale in der vielfältigen italienischen Überlieferungslandschaft, zu der staatliche, kommunale, kirchliche und private Archive sowie Bibliotheken gehören.
Kontakt
zum Projekt