Nachwuchsforschung

Saardine

Saarbrücker Digitale Interdisziplinäre Nachwuchsbeiträge zum Ecocriticism (SAAR.D.I.N.E.)

Anlässlich der DGAVL-Konferenz "Literatur und Ökologie", die im Juni 2014 am Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität des Saarlandes ausgerichtet wird, veröffentlicht die AVL-Fachschaft nachwuchswissenschaftliche Beiträge zum Forschungsbereich des "Ecocriticism".

 

Dabei sollen Aufsätze fortgeschrittener StudentInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen auf Deutsch oder Englisch einer interessierten Leserschaft frei zugänglich gemacht werden.

Ausgabe 1 — "Texte mit nachhaltiger Wirkung?"

Dr. Claudia Schmitt, Prof. Dr. Christiane Solte-Gresser: "Texte mit nachhaltiger Wirkung? Literatur, Nachhaltigkeit und Ökologie"

 

31 Seiten, PDF (ca. 1,2 MB)

 

Einführung in das wissenschaftliche Themenfeld des "Ecocriticism" und die literarische Beschäftigung mit Natur und Ökologie — exemplarisch aufgezeigt an vier verschiedenen Texten aus Prosa, Lyrik, Musik und Film: Ernst Callenbachs Roman Ecotopia (1975), Erich Frieds "Neue Naturdichtung" (1972), der Song "Cuyahoga" (1986) von R.E.M. und der Kurzfilm "Denmark" (2010).

 
Ausgabe 2 — "Stille Katastrophen"

Solange Landau: "Stille Katastrophen. Fotografie und Natur in W.G. Sebalds Die Ringe des Saturn"

 

23 Seiten, PDF (ca. 1,5 MB) - erscheint voraussichtlich Juli 2014

 
Ausgabe 3 — "Hanekes Tiere"

Julian Gärtner: "Hanekes Tiere. Meta-Tierethik anhand Michael Hanekes Ästhetik und Der siebente Kontinent"

 

19 Seiten, PDF (ca. 0,7 MB)

 

Der Aufsatz widmet sich der Darstellung von Tieren in Michael Hanekes filmischem Werk, besonders in Der siebente Kontinent (1989) — man denke nur an die zentrale Bedeutung des Aquariums. Gleichzeitig wird dabei exemplarisch untersucht, inwiefern Tierethiken auf das Medium des Films generell zu übertragen sind und welche Normen für das Mensch-Tier-Verhältnis im Film gelten.

 
Ausgabe 4 — "Die Welt erscheint im Anthropozän"

Jonas Nesselhauf: "Die Welt erscheint im Anthropozän"

 

19 Seiten, PDF (ca. 1,0 MB) - erscheint voraussichtlich Frühjahr 2015

 
Ausgabe 5 — "Thomas Hardy's 'Tess of the D'Urbervilles'"

Anna Schoon: "Thomas Hardy's Tess of the D'Urbervilles. An Ecocritical Perspective on Tess' Relationship with her Two Suitors Angel Clare and Alec D'Urberville"

 

18 Seiten, PDF (ca. 0,5 MB)

 

Tess of the D'Urbervilles, der 1891 erschienene Roman des britischen Schriftstellers Thomas Hardy, gehört zu den Klassikern der englischen Literatur. Dieser Aufsatz untersucht sowohl Tess' Verhältnis zu den zwei prägenden Männerfiguren in ihrem Leben (Angel Clare und Alec Stoke-d'Urberville), als auch die Figurendarstellung vor dem Hintergrund der Natur und des Landlebens.

 

Poetiken der Migration

Ein Glossar

Wie erzählt Literatur von Flucht und Vertreibung? Wie vom Leben im Exil oder als illegaler Einwanderer in Europa? Wie verarbeiten einzelne Texte die Themen Kulturkonflikt, Fremdheit, Gewalterfahrung und Sprachproblematik?

Anlässlich des Seminars 'Poetiken der Migration' unter der Leitung von Prof. Dr. Christiane Solte-Gresser im Wintersemester 2012/13 haben Master-Studierende der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft ein Glossar mit methodologischen Begriffen und Kategorien zu diesem Forschungsfeld entwickelt.

Herausgegeben von Kristina Höfer.

 
Alterität / Fremdheit

Das Fremde ist das, was nicht der eigenen Identität zugeordnet wird und ungewöhnliche und befremdliche Erfahrungen weckt. Was als 'fremd' definiert wird, hängt von subjektiven Erlebnissen und Kriterien ab, die relativ, perspektivisch und standortgebunden, d.h. stark von der eigenen Kultur geprägt sind. Das Verhältnis zwischen Identität und Alterität ist fast immer ein hierarchisches, in dem das Fremde abgewertet oder ausgegrenzt wird, um auf diese Weise die eigene Identität zu festigen.
Laut Julia Kristeva liegt das Fremde in der eigenen Identität verborgen. Ein wichtiges Moment bei der Begegnung mit dem Fremden ist daher die ambivalente Gleichzeitigkeit von Ablehnung und Faszination.
In Literatur, aber auch anderen Kunstwerken, können nicht nur Stoffe und Motive, sondern auch Formen und Ausdrucksweisen als 'fremd' empfunden werden, sodass sich bei der Rezeption eine Vielzahl von Interpretationsspielräumen und -möglichkeiten auftun. Darüber hinaus thematisieren literarische Texte häufig Alteritätserfahrungen, indem Fremdheit in Erzähltexten, Theaterstücken, Gedichten oder anderen Gattungen ästhetisch inszeniert wird. Die (eigenen) Wahrnehmungen, Erfahrungen und Stereotypenbildungen lassen sich durch literarisches Schreiben und Lesen über Alterität hervorbringen, illustrieren, reflektieren, überprüfen und in Frage stellen.

 

Literatur:

Bossinade, Johanna: Die Stimme des Anderen. Zur Theorie der Alterität. Würzburg 2011.

Kristeva, Julia: Fremde sind wir uns selbst. Frankfurt am Main 2001.

Guthke, Karl: Der Blick in die Fremde. Das Ich und das andere in der Literatur. Tübingen 2000.

(Qianqian Zhong)

Autorschaft

In der Literaturwissenschaft generell die Theorie der Urheberschaft eines literarischen Textes. In Verbindung mit Migration als literarischem Thema ein teilweise strittiger Begriff, der vor allem zwei Hauptfragen aufwirft:
(a) Problem, inwieweit die Biographie des/der Autors/in selbst mit den fiktionalen Themen der Migration übereinstimmt. Während manche Schriftsteller/innen ihre eigenen Fluchterlebnisse und damit aus 'erster Hand' berichten (etwa Natalia Ginzburg in autobiographischen Essays über ihre Verbannung innerhalb Italiens während des Faschismus), haben andere Autor/innen keinen direkten Migrationshintergrund, müssen sich also zum größten Teil auf Augenzeugenberichte oder Dokumentationen verlassen (etwa Marie NDiaye: Trois femmes puissantes).
(b) Verwendung von Pseudonymen, da expatriierte, verfolgte oder illegal immigrierte Personen 'ohne Stimme' anonym bleiben wollen oder müssen (vgl. etwa die Comic-Sammlung 'Paroles sans Papiers'). Unter Pseudonym schrieb auch der Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890–1935), 1933 aus Deutschland ausgebürgert, der Texte unter den Namen 'Theobald Tiger', 'Ignaz Wrobel', 'Peter Panter' und 'Kaspar Hauser' verfasste. Auch noch heute wählen Autoren Pseudonyme, zum Beispiel der algerische Schriftsteller Mohammed Moulessehoul, der im Exilin Frankreich als 'Yasmina Khadra' publiziert.

 

Literatur:

Detering, Heinrich: Autorschaft. Positionen und Revisionen. Stuttgart/Weimar 2002.

Jannidis, Fotis u.a. (Hrsg.): Texte zur Theorie der Autorschaft. Stuttgart 2000.

(Jonas Nesselhauf)

Die Andere Literatur

Der Begriff der Anderen Literatur hebt die Stellung der Migrantenliteratur innerhalb der Nationalliteratur hervor. Die Zuordnung zu dieser Literatur erfolgt nicht mehr über die Person des/der Autors/in, sondern vor allem über die Andersartigkeit der Texte innerhalb der jeweiligen Nationalliteratur. 'Anders' ist die Migrantenliteratur insofern, als dass die Einwohner/innen des Empfangslandes aus der Perspektive des/der Migranten/in als Fremde dargestellt werden. Dies ermöglicht es Ersteren, sich mit diesem für sie ungewohnten Fremdbild auseinanderzusetzen und anhand dessen ein Bild von sich selbst zu entwerfen. Der Begriff der Anderen Literatur ist jedoch immer auch problematisch, da er explizit den Aspekt der 'Andersartigkeit' betont und daher zu einer besonderen Rezeptionshaltung herausfordert, die von den Autor/innen nicht immer intendiert ist. Er ist somit weniger neutral als bspw. der Terminus der Migrationsliteratur.

 

Literatur:

Ackermann, Irmgard: "Deutsche verfremdet gesehen – Die Darstellung des 'Anderen' in der 'Ausländerliteratur'". In: Amirsedghi, Nasrin / Bleicher, Thomas (Hrsg.): Literatur der Migration. Mainz 1997, S. 60–73.
Nell, Werner: "Zur Begriffsbestimmung und Funktion einer Literatur von Migranten". In: Amirsedghi, Nasrin / Bleicher, Thomas (Hrsg.): Literatur der Migration. Mainz 1997, S. 34–48.

(Carolin Marie Buchheit)

Exilliteratur

Exilliteratur (auch Emigratenliteratur) bezeichnet Werke, die im Exil entstehen oder nach der Rückkehr aus dem Exil Exilerfahrungen thematisieren. Ein Aufenthalt im Exil erfolgt meist aus politischen oder religiösen Gründen und wird vom Staat erzwungen oder vom Einzelnen freiwillig realisiert. Waren vor Ende des 18. Jahrhunderts häufig Religionskonflikte, z.B. zwischen Protestanten und Katholiken, Auslöser für das Exil, rückte ab Ende des 18. Jahrhunderts die Verfolgung und Vertreibung politischer oder auch 'rassischer' Gegner, z.B. während des Nationalsozialismus, in den Vordergrund.
Themen der Exilliteratur sind z.B. Reflexion des politischen Engagements, Überprüfung der Identität oder auch Anpassungsprobleme der Exilant/innen. Interessant ist außerdem die Aufnahme und Verbreitung von Exilliteratur im jeweiligen Heimatland der Autor/innen.
Wichtige Exilschriftsteller/innen sind u.a. Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Nelly Sachs und Vladimir Nabokov.

 

Literatur:

Krohn, Claus-Dieter u.a. (Hrsg.): Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933–1945. Darmstadt 1998.

(Qianqian Zhong)

Expatriierung / Repatriierung

Expatriierung
Lat. Verbannung, Ausweisung; konkret auf den Entzug der Staatsangehörigkeit und die damit verbundene Ausbürgerung bezogen und oft ein politischer Akt und unter Zwang. Im Dritten Reich wurden etwa Thomas Mann (1875–1955), Erich Maria Remarque (1898–1970) oder Kurt Tucholsky (1890–1935) die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen; in der DDR wurde der Liedermacher Wolf Biermann (1936–) während eines Gastspiels in der Bundesrepublik 1976 vom SED-Regime ausgebürgert. Möglich ist auch die durch die Auflösung eines Staates notwendig gewordene Migration (etwa Auflösung des Staates Jugoslawien im Jahre 1991). Interessanterweise bezeichneten sich in Europa lebende amerikanische Schriftsteller/innen in den 1920er Jahren selbst als 'expatriates' (etwa Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald, Gertrude Stein und Ezra Pound). Im Gegensatz dazu die  Repatriierung.


Repatriierung
Im Gegensatz zur Expatriierung die Wiederaufnahme und Rückkehr, verbunden mit der Erlangung der Staatsbürgerschaft.

(Jonas Nesselhauf)

Gastarbeiterliteratur

Die Gastarbeiterliteratur ist eine für Deutschland spezifische Unterkategorie der Migrantenliteratur. Sie wurde von Autor/innen verfasst, die zwischen 1950 und 1970 von der deutschen Regierung als Gastarbeiter/innen aus dem europäischen Ausland angeworben wurden und umfasst sowohl lyrische als auch prosaische Texte in deutscher Sprache zum Thema Migration. Dargestellt werden u.a. (persönliche) Erfahrungen mit Fremdheit sowie die Problematik des Fremdsprachenerwerbs. Trifft der Begriff des Gastarbeiters auf die erste Generation dieser Autor/innen noch zu, ist er für Autor/innen, die aus einer Gastarbeiterfamilie stammen, selbst aber Akademiker/innen sind oder für Schriftsteller/innen, die sich mit Migration befassen, aber nicht im Zuge der Gastarbeiterbewegung nach Deutschland kamen, nicht mehr gültig. Daher wurden der Begriff der Gastarbeiterliteratur und der mit ihm verwandte, ähnlich restriktive Begriff der Ausländerliteratur durch den allgemeineren Terminus der Migrationsliteratur abgelöst.

 

Literatur:

Aktürk, Aysegül: Interkulturelles Lernen im Deutschunterricht: Vorschläge zur Didaktisierung. Hamburg 2009.

Rösch, Heidi: "Migrationsliteratur im interkulturellen Diskurs". (Der Text basiert auf dem Vortrag zu der Tagung Wanderer – Auswanderer – Flüchtlinge 1998 an der TU Dresden) <http://www.fulbright.de/fileadmin/files/togermany/information/2004-05/gss/Roesch_Migrationsliteratur.pdf >, 07.02.2013.

(Carolin Marie Buchheit)

Globalität / Globalismus

Globalität ist ein Begriff aus der Wirtschaft, der die durch Globalisierung herbeigeführte Vernetzung von Konzernen usw. beschreibt und ein Gegenkonzept zur Regionalität darstellt. Im Bereich der Kultur findet Kulturkontakt und -transfer statt, sodass eurozentristische Vorstellungen und bestehende kulturelle Grenzen überschritten werden können.
In einer solch vernetzten und auf interkulturellen Austausch ausgerichteten Welt kann eine 'neue Weltliteratur' und -kultur entstehen. Allerdings setzt die globale Verbreitung einer Kultur voraus, dass ihre Ausdrucksform weltweit verständlich und von Traditionen unabhängig ist. Medien, die auf Bilder und Klänge zurückgreifen, sind dazu besser geeignet als Medien, die mit Sprache und Schrift arbeiten.
Globalisierungsgegner/innen weisen auf die Gefahr einer 'Einheitskultur' hin und befürworten daher die Förderung kultureller Partikularitäten, z.B. durch die Produktion globalisierungskritischer Kunst.
Der Globalisierungsansatz von Elke Sturm-Trigonakis, der sich gegen tradierte Vorstellungen von National- oder Migrationsliteratur richtet, liefert auf einer systemtheoretischen Grundlage ein Konzept der 'neuen Weltliteratur', das davon ausgeht, dass solche oftmals mehrsprachig organisierten Texte Globalisierungsphänomene besonders gut repräsentieren.

 

Literatur:

Rehbein, Boike / Schwengel, Hermann: Theorien der Globalisierung. Konstanz 2008.

Reichardt, Ulfried: Globalisierung. Literaturen und Kulturen des Globalen. Berlin 2010.

Schmeling, Manfred / Schmitz-Emans, Monika / Walstra, Kerst (Hrsg.): Literatur im Zeitalter der Globalisierung. Würzburg 2000.

Sturm-Trigonakis, Elke: Global playing in der Literatur. Ein Versuch über die neue Weltliteratur. Würzburg 2007.

(Qianqian Zhong)

Hybridität

Lat. hibrida: Mischling. Ursprünglich im biologischen Bereich gebraucht: von zweierlei Herkunft, Zwitter, Mischling,
Sprachwissenschaft: Hybride Sprachformen entstehen aus zwei oder mehreren Sprachen oder Vermischung von Elementen zweier Sprachen (z.B. Endungen aus einer anderen Sprache).


Hybridität bezeichnet das Zusammenfließen mehrerer unterschiedlicher Kulturen, Künste, Medien, Genres zu neuen Einheiten. Hybride Formen entstehen in einem offenen Kulturbereich, in dem verschiedene Traditionen, Nationen, Sprachen, Stile und Gattungen gleichberechtigt existieren.
In der postkolonialen Literatur- und Kulturtheorie ist Hybridität eine transkulturelle Denkfigur und wird von Homi K. Bhabha und Néstor García Canclini verwendet, um Dichotomien wie Selbst/Anderer, Zentrum/Peripherie oder Kolonisator/Kolonisierter zu überwinden.
Nach Bhabha sind Kulturkontakte nicht mehr essenzialistisch bzw. dualistisch, sondern spielen sich als unlösbare und wechselseitige Durchdringung von Identität und Alterität in einem 'dritten Raum' ab ('third space', 'in-between'). Bhabha sieht Autoren wie V.S. Naipaul oder Salman Rushdie als beispielhaft für Künstler des ‚in-between‘.

 

Literatur:

Bhabha, Homi K.: The Location of Culture. London/New York 2000.

García Canclini, Néstor: Culturas híbridas. Mexico 1990.

(Dietlinde Conrad)

Identität (kulturelle)

Die kulturelle Identität eines Menschen setzt sich aus (persönlichen) Erfahrungen mit Alterität zusammen und bildet sich in Abgrenzung zum kulturell Anderen. Charakteristisch für die Herausbildung der kulturellen Identität eines Individuums ist mit Stuart Hall ihre Prozesshaftigkeit. In sich abgeschlossene, nationale Kulturen werden im Zeitalter von Globalisierung und Migration aufgesprengt. Kulturelle Identitäten bestehen somit nicht mehr als gesicherte Einheiten, sondern befinden sich in einem permanenten Prozess des 'Gebildet-Werdens', d.h. sie sind transitorisch und immer unvollständig.
Amin Maalouf betont, dass jeder Mensch mehrere, teilweise sich widersprechende Identitätsmerkmale in sich vereint, die seine individuelle Identität ausmachen. Muss sich ein Individuum, z.B. aus religiösen Gründen, für eine Zugehörigkeit entscheiden, entstehen sogenannte 'identités meurtrières', die oftmals auch verleugnete Bestandteile der eigenen Identität bekämpfen.
Da kulturelle Identität zunächst entwickelt werden muss und meist durch Konflikte entsteht, ist sie immer auch problematisch; gleichzeitig ist sie produktiv für das Schreiben von Literatur, indem sie das Hervorbringen von Identität illustriert, reflektiert und kritisiert. Der Prozess der Identifikation mit oder der Abgrenzung von einer Identität kann sowohl bei der Produktion als auch bei der Rezeption eines literarischen Textes bewusst gemacht und hinterfragt werden.

 

Literatur:

Hall, Stuart: "Die Frage der kulturellen Identität". In: Ders.: Rassismus und kulturelle Identität. Ausgewählte Schriften 2. Hamburg 1994, S. 180–222.

Maalouf, Amin: Les Identités meurtrières. Paris 2001.

(Qianqian Zhong) 

Imagologie

Die Imagologie ist ein wichtiger komparatistischer Forschungszweig, der sich mit nationalen Selbst- und Fremdbildern (Auto- und Heteroimages) auseinandersetzt. Die frühe Imagologie war v.a. in der französischen Komparatistik eine positivistisch ausgerichtete Völkerpsychologie, die von der Existenz beschreibbarer Nationalcharaktere ausging. In den 1960-er bzw. 1980-er Jahren orientierte sich die Imagologie mit Hugo Dyserinck neu. Ihre Aufgabe besteht nun nicht mehr darin, Nationalstereotype zu bestimmen und zu beschreiben, sondern Genese und Wirkung solcher 'images' herauszuarbeiten mit dem (auch außerliterarischen) Ziel, ideologisierende Kategorien bzw. Vorstellungen, wie Volkscharakter oder nationales Denken, aufzubrechen und für ungültig zu erklären.

 

Literatur:

Dyserinck, Hugo: "Komparatistische Imagologie. Zur politischen Tragweite einer europäischen Wissenschaft von der Literatur". In: Dyserinck, Hugo / Syndram, Karl Ulrich (Hrsg.): Europa und das nationale Selbstverständnis. Imagologische Probleme in Literatur, Kunst und Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts. Bonn 1988, S. 13–38.

Fischer, Manfred S.: Nationale Images als Gegenstand Vergleichender Literaturgeschichte. Untersuchungen zur Entstehung der komparatistischen Imagologie. Bonn 1981.

Florack, Ruth: Bekannte Fremde. Zur Herkunft und Funktion nationaler Stereotype in der Literatur. Tübingen 2007.

(Kristina Höfer)

Interkulturalität

Als Oberbegriff umfasst Interkulturalität Phänomene wie Multi- und Transkulturalität und bezeichnet als solcher die Interaktion zwischen Kulturen. Der Umgang mit anderen Kulturen, z.B. durch die Beschäftigung mit fremdsprachiger Literatur, ist ein wesentlicher Bestandteil der Komparatistik. Eine interkulturell oder auch fremdhermeneutisch ausgerichtete Literaturwissenschaft beschäftigt sich u.a. mit Fragen von Identität und Alteritätkultureller DifferenzNationalstereotypen und Mehrsprachigkeit.
Wolfgang Welsch grenzt Interkulturalität von Transkulturalität ab, indem er kritisch betont, dass das Konzept der Interkulturalität auf Herders 'Kugelmodell' zurückgreift, dem eine essenzialistische Vorstellung von kulturellen Entitäten zugrunde liegt, d.h. Kulturen bestehen als stabile, voneinander abgegrenzte Einheiten. Zwischen ihnen findet ein Dialog statt, der zwar gegenseitiges Verstehen unterstützt, nicht aber zur Überschreitung bzw. Auflösung kultureller Grenzen führt.

 

Literatur:

Hofmann, Michael: Interkulturelle Literaturwissenschaft. Eine Einführung. Paderborn 2006.

Schmeling, Manfred: "Literarischer Vergleich und interkulturelle Hermeneutik. Die literarischen Avantgarden als komparatistisches Forschungsparadigma". In: Zima, Peter V. (Hrsg.): Vergleichende Wissenschaft. Interdisziplinarität und Interkulturalität in den Komparatistiken. Tübingen 2000, S. 187–199.

Welsch, Wolfgang: "Was ist eigentlich Transkulturalität?". In: Lucynda Darowska und Claudia Machold (Hrsg.): Hochschule als transkultureller Raum? Beiträge zu Kultur, Bildung und Differenz. Bielefeld 2009, S. 39–65.

(Kristina Höfer)

Kulturelle Differenz

Kulturelle Differenz bezeichnet generell Unterschiede und Grenzziehungen zwischen Kulturen und Individuen, die in einer multikulturellen Gesellschaft als abgeschlossene, voneinander abgegrenzte Einheiten mit stabilen Rändern bestehen. In einer transkulturellen Gesellschaft lösen sich diese Trennlinien auf, Grenzen werden brüchig und durchlässig, sodass Differenz mit Homi K. Bhabha nicht mehr nur zwischen Kulturen und Individuen, sondern auch in deren Inneren besteht. Bhabha versteht Differenz als Trennlinie und Bindeglied in einem. Sie ist daher ambivalent und muss durch Hybridisierungsprozesse, z.B. Mimikry, permanent erzeugt werden, um (kulturelle) Identität neu auszuhandeln.
Für eine Fokussierung von kultureller Differenz auf Literatur und Kultur vgl. 'Third Sprace'/'Dritter Raum'.

 

Literatur:

Bonz, Jochen / Struve, Karen: "Homi K. Bhabha: Auf der Innenseite kultureller Differenz: 'in the middle of differences'". In: Moebius, Stephan / Quadflieg, Dirk (Hrsg.): Kultur. Theorien der Gegenwart. Wiesbaden 2006, S. 140–153.

Moosmüller, Alois: "Kulturelle Differenz: Diskurse und Kontexte". In: Ders. (Hrsg.): Konzepte kultureller Differenz. Münster u.a. 2009, S. 13–45.

Wieviorka, Michel: Kulturelle Differenzen und kollektive Identitäten. Hamburg 2003.

(Kristina Höfer)

Kulturkontakt

Kulturkontakt meint das Miteinander-in-Berührung-kommen zweier oder mehrerer Kulturformen, z.B. durch Reisen, literarische Übersetzung oder Themen und Formen von Kunstwerken. Im Kontext der Migration kann Kulturkontakt sowohl zu einer Akkulturation, einem veränderten bzw. angepassten Verhalten von Individuen und Gruppen, als auch zu Abgrenzung führen. Kulturkontakt ist zudem ein essentieller Bestandteil der interkulturellen Literatur, die danach strebt, einen Kontakt bzw. Diskurs zwischen den Kulturen herzustellen, z.B. indem dem/der Leser/in mit Hilfe eines literarischen Textes eine andere Kultur näher gebracht wird. Durch den Vergleich postkolonialer Werke aus der Perspektive der ehemals kolonisierten Völker oder der Kolonisatoren kann die gegenseitige Beeinflussung von zwei oder mehr Kulturen nachvollzogen und das notwendigerweise vorhandene Machtgefälle zwischen diesen ausgemacht werden.

 

Literatur:

Knatz, Lothar / Caspar, Norbert / Otabe, Tanehisa (Hrsg.): Kulturelle Identität und Selbstbild: Aufklärung und Moderne in Japan und in Deutschland. Berlin/Münster 2011.

Lüsebrink, Hans-Jürgen: Interkulturelle Kommunikation. Interaktion, Fremdwahrnehmung, Kulturtransfer. Stuttgart/Weimar 2005.

Rösch, Heidi: "Migrationsliteratur im interkulturellen Diskurs". (Der Text basiert auf dem Vortrag zu der Tagung Wanderer – Auswanderer – Flüchtlinge 1998 an der TU Dresden) <http://www.fulbright.de/fileadmin/files/togermany/information/2004-05/gss/Roesch_Migrationsliteratur.pdf >, 07.02.2013.

Thomas, Alexander / Kammenhuber, Stefan / Schroll-Machl, Sylvia (Hrsg.): Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Band 2: Länder, Kulturen und interkulturelle Berufstätigkeit. Göttingen 2003.

(Carolin Marie Buchheit)

Kulturtransfer

Kulturwissenschaftliche Bezeichnung für Prozesse, in denen Kulturgüter, kulturelle Muster und Strömungen sowie die dazugehörigen Verhaltensweisen aus einem kulturellen Zusammenhang in einen anderen übernommen bzw. übertragen werden, wobei nicht nur die Übernahme, sondern auch die produktive Aneignung, Um- und Neudefinition eine Rolle spielen. Die Wechselwirkungen zwischen Kulturen können bestehen in: Übertragung, Aneignung, Annäherung, Austausch, Abwehr, Vermittlung, Rezeption.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kulturtransfer begann Mitte der 1980er Jahre am Beispiel der kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich (Hans-Jürgen Lüsebrink, Michel Espagne und Michael Werner). Das Phänomen des Kulturtransfers ist auch ein wichtiger Bestandteil der interkulturellen Literaturwissenschaft.
Große Unterschiede zwischen den Kulturen sowie eine Kluft zwischen der Vorstellung und der Wirklichkeit einer anderen Kultur können zum 'Clash of Cultures' führen (Samuel P. Huntington).

 

Literatur:

Espagne, Michel / Werner, Michael (Hrsg.): Transferts. Les relations interculturelles dans l'espace franco-allemand (XVIIIe et XIXe siècle). Paris 1988.

Espagne, Michel / Greiling, Werner (Hrsg.): Frankreichfreunde. Mittler des französisch-deutschen Kulturtransfers (1750-1850). Leipzig 1996.

Lüsebrink, Hans-Jürgen: Interkulturelle Kommunikation, Interaktion, Fremdwahrnehmung, Kulturtransfer. Stuttgart/Weimar 2005.

Lüsebrink, Hans-Jürgen / Schmeling, Manfred / Solte-Gresser, Christiane (Hrsg.): Zwischen Transfer und Vergleich. Theorien und Methoden der Literatur- und Kulturbeziehungen aus deutsch-französischer Perspektive. Stuttgart 2013 (im Druck).

(Dietlinde Conrad)

Literaturen ohne festen Wohnsitz

Das Konzept des Romanisten Ottmar Ette setzt sich kritisch mit Entwürfen wie National-, Migrations- und Weltliteratur auseinander, da es die Oppositionen, die diesen Begriffen zu Grunde liegen, aufbrechen will. Die 'Literaturen ohne festen Wohnsitz' rücken Bewegungen zwischen Orten, Zeiten, Räumen, Gesellschaften und Kulturen in den Vordergrund. Als Reaktion auf die Wechselwirkungen zwischen lebensweltlichen Veränderungen und literarischen Entwicklungen macht Ette Grenzen und Grenzziehungen sichtbar und hinterfragt so das homogenisierende Konzept der Weltliteratur.

 

Literatur:

Ette, Ottmar: ÜberLebensWissen: 2: ZwischenWeltenSchreiben, Literaturen ohne festen Wohnsitz. Berlin 2005.

(Hanna Matthies)

Métissage

Lat. misceremixtus.
Wortfamilie: métismétisse, im Bereich der Biologie: gekreuzt, Kreuzung. Mestize
Métissage: Kreuzen

 

Während unter dem Begriff 'Métissage' die Verbindung von zwei Kulturen zu verstehen ist, wird in Gegenkonzepten wie der 'Négritude' die eigene Kultur von anderen abgegrenzt. Léopold Sédar Senghor setzt sich mit diesem Begriff auseinander und plädiert für einen 'métissage culturel'.

 

Literatur:

Senghor, Léopold Sédar: Liberté, Bd. 1: Négritude et humanism. Paris 1964.

(Dietlinde Conrad)

Migrantenliteratur

Migrantenliteratur ist ein Sammelbegriff für deutschsprachige Literatur von Migrant/innen und beschäftigt sich thematisch mit Migrationund persönlichen Erfahrungen des/der Autors/in im jeweiligen Einwanderungsland. Der Begriff "läuft [allerdings] als Genrebezeichnung Gefahr, alles, was immigrierte oder minderheitenangehörige AutorInnen produzieren, Migrantenliteratur zu nennen" (Rösch 1998). So ergibt sich ein enger, sich nicht auf die Literarizität oder Ästhetik des Textes beziehender Literaturbegriff, welcher die soziale Stellung der Autor/innen betont, da die Zuordnung zur Migrantenliteratur über den Migrationshintergrund des/der Autors/in erfolgt. Zudem lenkt der Begriff eine Rezeptionshaltung, mit der der jeweilige Text allein als Ausdruck von Migrationserfahrungen verstanden wird.
In der Migrantenliteraturforschung stellt das Herkunftsland der Autor/innen ein wichtiges Analysekriterium dar. Ein zentrales Arbeitsgebiet ist hier die 'Literatur türkischer Migrant/innen in der Bundesrepublik Deutschland'. Ein komparatistischer Zugang wird unterstützt, indem vermehrt Wissenschaftler/innen mit türkischen Wurzeln und turkologischen Kompetenzen über Literatur türkischer Migrant/innen forschen (z.B. Göktürk 1994, Kurayazici 1997, Yesilada 1997).
Weitere wichtige Thesen stammen u.a. von Frederking ("Schreiben gegen Vorurteile", 1985) und Wierschke ("Schreiben als Selbstbehauptung", 1994).

 

Literatur:

Rösch, Heidi: "Migrationsliteratur im interkulturellen Diskurs". (Der Text basiert auf dem Vortrag zu der Tagung Wanderer – Auswanderer – Flüchtlinge 1998 an der TU Dresden) <http://www.fulbright.de/fileadmin/files/togermany/information/2004-05/gss/Roesch_Migrationsliteratur.pdf>, 07.02.2013.

(Sarah Maurer)

Migration

Migration bezeichnet den dauerhaften Wechsel des Wohnortes meist von einem Land in ein anderes. Gründe für Migration sind u.a. Flucht aus Krisen- oder Kriegsgebieten, Hoffnung auf bessere Arbeits- und Bildungschancen, Verbesserung der Lebensqualität, politische oder religiöse Verfolgung. Spezifische Unterformen der Migration sind Emigration (Auswanderung aus dem eigenen Land), Immigration (Einwanderung in ein fremdes Land) und Remigration (Rückwanderung aus einem fremden Land in das Heimatland).
Das durch Migration verursachte Aufeinandertreffen mehrerer unterschiedlicher Kulturen führt sowohl zu Kulturkontakt und Vermischung von z.B. Nationalitäten, Rassen, Sprachen, als auch zu Konflikten und Abgrenzung.
Durch die literarische Darstellung von Migration und damit verbundenen Themen wie Grenzerfahrung, Identitätkulturelle DifferenzFremdheitSprache oder Mobilität werden Migrationsproblematiken vergegenwärtigt.

 

Literatur:

Chambers, Iain: Migration. Kultur. Identität. Tübingen 1996.

Matzner, Michael (Hrsg.): Handbuch: Migration und Bildung. Weinheim/Basel 2012.

Oltmer, Jochen: Globale Migration. Geschichte und Gegenwart. München 2012.

(Qianqian Zhong)

Migrationsliteratur

Der Begriff Migrationsliteratur ist eine Sammelbezeichnung für alle Texte, die sich mit Migration auseinandersetzen. Im Mittelpunkt steht das durch Migration bedingte Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen und die damit verbundenen Integrations- und Verständnisprobleme innerhalb einer multikulturellen Gesellschaft. Während bei der Migrantenliteratur die Herkunft des/der Autors/in ausschlaggebend ist, gilt bei der Migrationsliteratur die thematische Konzeption des Werkes als entscheidendes Zuordnungskriterium. Da Literatur zum Thema Migration jedoch nicht ausschließlich von Einwanderern verfasst wird, sollte der enge Begriff der Migrantenliteratur durch den Begriff der Migrationsliteratur ersetzt werden.

 

Literatur:

Büker, Peter / Kammler, Clemens (Hrsg.): Das Fremde und das Andere: Interpretationen und didaktische Analysen zeitgenössischer Jugend- und Kinderbücher. Weinheim/München 2003.
Declerq, Elien: "'Écriture migrante', 'littérature (im)migrante', 'migration literature' : réflexions sur un concept aux contours imprécis". In: Revue de littérature comparée 399 (2011/3), S. 301–310.
Rösch, Heidi: "Migrationsliteratur im interkulturellen Diskurs". (Der Text basiert auf dem Vortrag zu der Tagung Wanderer – Auswanderer – Flüchtlinge 1998 an der TU Dresden) <http://www.fulbright.de/fileadmin/files/togermany/information/2004-05/gss/Roesch_Migrationsliteratur.pdf >, 07.02.2013.

 (Carolin Marie Buchheit)

Mimikry

Homi K. Bhabhas Konzept der kolonialen Mimikry bezeichnet eine subversive Strategie der Kolonialisierten, die koloniale Macht nachzuahmen. Charakteristisch für die Mimikry ist nicht die vollständige Assimilation, sondern die ironische Ambivalenz von Ähnlichkeit und Differenz ("almost the same, but not quite" Bhabha 2000, S. 86). Da die Nachahmung nur teilweise vollzogen wird und der Kolonialherr nicht vollständig durch den Kolonialisierten repräsentiert, d.h. widergespiegelt, werden kann, haftet der Mimikry ein bedrohliches Moment an, das den kolonialen Machtdiskurs unterläuft und seine Instabilität aufzeigt.
Für die Fokussierung der Mimikry auf Literatur und Kultur vgl. den Beitrag zu 'Third Space'/'Dritter Raum'.

 

Literatur:

Bhabha, Homi K.: The Location of Culture. London/New York 2000.

Strohmaier, Alexandra: "Zu Homi K. Bhabhas Theorem der kolonialen mimikry". In: Babka, Anna / Malle, Julia (Hrsg.): Dritte Räume. Homi K. Bhabhas Kulturtheorie. Kritik. Anwendung. Reflexion. Wien/Berlin 2012, S. 69–85.

Struve, Karen: Zur Aktualität von Homi K. Bhabha. Einleitung in sein Werk. Wiesbaden 2013.

(Kristina Höfer)

Mobilität

Mobilität meint die allg. Fähigkeit, sich zu bewegen, wobei der Begriff Unterkategorien wie 'soziale', 'geistige‘ und ‚passive Mobilität‘ aufweist: 'soziale Mobilität' bezeichnet den sozialen Auf- oder Abstieg einer Person in einer Gruppe, 'geistige Mobilität' die Denkfähigkeit einer Person und ‚passive Mobilität‘ die Bewegung von Waren und Kulturgut. Ist mit Mobilität eine Bewegung oder ein Ortswechsel gemeint, kann diese unterschiedliche Gründe haben: Es könnte sich um eine Bildungs- oder Urlaubsreise handeln, aber auch um eine Reise aus politischen oder religiösen Gründen, welche auch unfreiwillig (Verfolgung) geschehen kann. Mobilität wird durch neue Verkehrsmittel und daraus resultierenden neuen Reisemöglichkeiten gefördert. 

Mobilität führt zu interkulturellem Austausch, Kulturtransfer, Perspektivenwechsel und einer anderen Wahrnehmung des eigenen Landes bzw. der eigenen Kultur, was sich sowohl auf die Produktion als auch auf die Rezeption literarischer Texte auswirkt. Diese Erfahrungen können in literarischen Texten, z.B. in Reise- und Erfahrungsberichten, festgehalten werden, indem sowohl das Geschehen als auch die Emotionen während der Reise geschildert und Eindrücke über die fremde Kultur sowie ihre Einflüsse auf die eigene thematisiert werden.
Durch die Mobilität können nicht nur Texte über Reisen und Kulturkontakt entstehen, sondern auch für mehrere Menschen zugänglich gemacht und verbreitet werden.

 

Literatur:

Taddei, Elena / Müller, Michael / Rebitsch, Robert (Hrsg.): Migration und Reisen. Mobilität in der Neuzeit. Innsbruck 2012.

Kaelble, Hartmunt: Historische Mobilitätsforschung. Darmstadt 1978.

(Antonella Ziewacz)

Multikulturalität

Multikulturalität oder auch Multikulturalismus bezeichnet das Nebeneinander-Bestehen von Kulturen in einer Gesellschaft, die zwar anerkannt und hierarchisch gleichranging, aber immer noch voneinander abgegrenzt existieren. Im Gegensatz zur Transkulturalität findet hier kaum Austausch und Überschreitung der eigenen Kulturgrenzen statt.
Die eigene, aus der Heimat mitgebrachte Kultur stellt somit einen problematischen Unterschied zur Kultur des Landes dar; es besteht die Gefahr von zu starker Abgrenzung und im Extremfall Ghettoisierung, der Aufbau einer Parallelgesellschaft. Gleichzeitig können Stereotypeund Vorurteile zwischen den verschiedenen Kulturen nicht abgebaut werden, vgl. dazu etwa die stereotype Darstellungen von Türken in der deutschen Comedy (z.B. Erkan und Stefan) oder den Roman Russendisko von Wladimir Kaminer.
Dieses Multikulturalitäts-Konzept wird von Vertretern der Interkulturalität und der Transkulturalität stark kritisiert, etwa von Welsch: "Der Multikulturalismus sieht die Partialkulturen innerhalb einer Gesellschaft noch immer wie Kugeln oder Inseln an und befördert dadurch tendenziell Ghettoisierung." (Welsch 2009).

 

Literatur:

Bronfen, Elisabeth / Marius, Benjamin / Steffen, Therese (Hrsg.): Hybride Kulturen. Beiträge zur angloamerikanischen Multikulturalismusdebatte. Tübingen 1997.

Huntington, Samuel P.: Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. Wien 1996.

Welsch, Wolfgang: "Was ist eigentlich Transkulturalität?". In: Lucynda Darowska und Claudia Machold (Hrsg.): Hochschule als transkultureller Raum? Beiträge zu Kultur, Bildung und Differenz. Bielefeld 2009, S. 39–65.

(Jonas Nesselhauf)

Nomadismus

Nomadismus bezeichnet die ständige Wanderung mit dem gesamten Hausrat von einer Station zur nächsten (in Bezug auf die Viehzucht: von einer Weidefläche zur nächsten). Ein fester Wohnsitz existiert nicht, sodass die dauerhafte Eingliederung in Institutionen und Normen der Gesellschaft schwierig ist. Somit ist Nomadismus eine Wanderung ohne endgültige Ankunft. Es existieren unterschiedliche Arten von Nomadismus, bspw. der 'Fernwanderer Nomadismus', bei dem im Laufe eines Jahres mehrere 100 Kilometer zurückgelegt werden. Dementsprechend gibt es auch den 'Nahwanderer Nomadismus'. Hier pendelt man zwischen Sommer- und Wintergebiet. Nomadismus ist in Asien und Afrika verbreitet, er kommt aber auch in Skandinavien vor.
Die für den westlichen Kulturkreis zugleich befremdliche und faszinierende Lebensweise ganzer Nomadenvölker wurde in der Literatur vielfach von Außenstehenden beschrieben und in Bezug zur eigenen Lebensweise gesetzt. Zudem können 'Nomaden' durch das Medium Text die eigene Lebensweise aus ihrer Sicht darstellen und auf diese Weise ein Bild ihrer Kultur vermitteln.

 

Literatur:

Scholz, Fred: Nomadismus. Theorie und Wandel einer sozio-ökologischen Kulturweise. Stuttgart 1995.

Vajda, Laszlo: Untersuchungen zur Geschichte der Hirtenkulturen. Wiesbaden 1968.

(Antonella Ziewacz)

Orientalismus

Orientalismus als eine Form des Exotismus ist ein vom Westen geführter Diskurs über den Orient, der mit Oppositionspaaren wie Zentrum/Peripherie, Überlegene/Unterlegene, Eigenes/Fremdes arbeitet und auf diese Weise die westliche Dominanz über den Orient beschreibt. In Orientalism (1978) stellt Edward Said die These auf, der Orient sei eine westliche Erfindung des 19. Jahrhunderts, entstanden v.a. durch abwertende oder romantisierende franz. und brit. Darstellungen des Orients in Literatur, Kunst und Wissenschaft, um in Abgrenzung dazu die eigene Identität herauszubilden und zu stärken.
Sein Konzept von Orientalismus überträgt Said in Culture and Imperialism (1993) auf andere vom Kolonialismus geprägte Kulturen und kommt zu dem Ergebnis, dass diese erst durch den imperialistischen Einfluss dominanterer Kulturen 'geschaffen' wurden.
Für literatur- und kulturwissenschaftliches Arbeiten ist Saids Verständnis von Orientalismus dort hilfreich, wo das 'Andere' als Gegenbild zum 'Eigenen' konstruiert wird und stereotype Selbst- und Fremdzuordnungen stattfinden.

 

Literatur:

Said, Edward: Culture and Imperialism. New York 1993.

Said, Edward: Orientalism. New York 1978.

(Kristina Höfer)

Postkolonialismus

Einerseits beinhaltet der Begriff Postkolonialismus eine rein zeitliche Komponente, die sich auf die geschichtlichen Abläufe nach der Unabhängigkeit der (ehemaligen) Kolonien bezieht. Andererseits bezeichnet Postkolonialismus einen Theorieansatz, der im Bereich der Literatur vorrangig bei der Analyse solcher Texte Anwendung findet, die sich mit Kolonialismus bzw. Postkolonialismus auseinandersetzen. Der Schwerpunkt des postkolonialen Interpretationsansatzes liegt in der thematischen Betrachtung von gesellschaftlichen Hierarchien und der konkreten Darstellung der ehemaligen Kolonialmächte, der ehemaligen Kolonien oder der dort lebenden Menschen. Zeitpunkt der Textproduktion, Sprache des Textes sowie Herkunft des/der Autors/in sind in der postkolonialen Betrachtungsweise von Texten zwar relevant, thematische und strukturelle Aspekte stehen allerdings im Vordergrund.
Das Hauptziel postkolonialer Theorien ist es, eurozentrische Denkansätze zu relativieren und in Frage zu stellen.
Stuart Hall oder Homi K. Bhabha gehören zu den wichtigsten Vertretern des Postkolonialismus.

 

Literatur:

Hall, Stuart: "Wann war 'der Postkolonialismus'? Denken an der Grenze". In: Bronfen, Elisabeth / Marius, Benjamin / Steffen, Therese (Hrsg.): Hybride Kulturen. Beiträge zur anglo-amerikanischen Multikulturalismusdebatte. Tübingen 1997, S. 219–246.

Loomba, Ania: Colonialism, Postcolonialism. London u.a. 2009.

Meyer, Michael: The Compact Introduction to Literature. Reading, Thinking, Writing. Boston u.a. 2009.

Castro Varela, María do Mar / Dhawan, Nikita: Postkoloniale Theorie: Eine kritische Einführung. Bielefeld 2005.

Young, Robert J.C.: Postcolonialism: A Very Short Introduction. Oxford u.a. 2003.

(Anna Schoon)

Reiseliteratur

Die Reiseliteratur umfasst Texte, die den Ablauf bzw. Verlauf, die Beschreibung und Eindrücke einer Reise festhalten. Es existieren keine formale Verbindlichkeiten (z.B. Tagebucheintrag, Brief); ein wichtiges, durchgängiges Moment ist aber die Thematisierung des Schreibprozesses. Als eine der ältesten Literaturgattungen blickt sie auf eine lange Entwicklung zurück (z.B. Homers Odyssee, die zeigt, dass Reiseliteratur nicht mit Erfahrungsbericht gleichzusetzen ist.). In der Antike verfasste man zudem die 'itinera', einfache, zur Orientierung dienende Marschkarten mit nicht näher beschriebenen Wegstationen (z.B. die Tabula Peutingeria aus dem 4. Jhd.). Durch Pilgerreisen im Mittelalter entstanden objektive Berichte über fremde Länder. Eine subjektive Meinung wurde vermieden, da die Neugier als Sünde galt. Im 16. Jahrhundert forderte Giovanni Batista Romusio in seiner 'Anleitung zum Beobachten' Reisende zur präzisen Wahrnehmung auf. Mit Laurence Sternes Sentimental Journey through France and Italy rückten subjektive, die Emotionen der Reisenden fokussierende Beschreibungen in den Vordergrund. Im Biedermeier wurden neben den Reiseeindrücken auch die Fortbewegungsmittel thematisiert. Ab der Jahrhundertwende entstand eine neue Unterkategorie der Reiseliteratur, nämlich der Auswandererbrief. Somit ist eine Entwicklung von der objektiven Reisebeschreibung zu einer subjektiven, wertenden Beobachtung zu erkennen.

Eine Funktion der Reiseliteratur ist das stellvertretende Sehen. Weitere Funktionen sind, z.B. die sprachliche Gestaltung von Fremdheitserfahrung, Konfrontation mit dem Anderen und damit einhergehend mit dem Eigenen.
Aus der Reiseliteratur entstanden Arbeiten zu den unterschiedlichen Mentalitäten (Wuthenow) und es entwickelte sich auch eine Reisetheorie (Stewart).

 

Literatur:

Brenner, Peter: Der Reisebericht in der deutschen Literatur. Ein Forschungsüberblick als Vorstudie zu einer Gattungsgeschichte. Tübingen 1990.

Ecker, Gisela / Röhl, Susanne (Hrsg.): In Spuren Reisen. Vor-Bilder und Vor-Schriften in der Reiseliteratur. Berlin 2006.

(Antonella Ziewacz)

Stereotyp / Nationalstereotyp

Stereotyp ist ein weiter Begriff, der in zahlreichen Disziplinen verwendet wird (Psychologe, Soziologie oder Literaturwissenschaft). Walter Lippmann prägte in den 1960er Jahren den Begriff des Stereotyps als Produkt des notwendigen, kognitiven Vorgangs, die Komplexität der Welt zu reduzieren, um sie zu verstehen. Problematisch sind Stereotype, wenn sie zu Vorurteilen oder ideologisch aufgeladen werden und so gesellschaftliche Hierarchien etablieren und festigen.
Im Bereich der Selbst- und Fremdwahrnehmung von Nationalitäten spielen Stereotype ebenfalls eine wichtige Rolle. Komplexitätsreduktion ist auch hier Ursprung der vereinfachten Darstellung von Nationalitäten: Eine Nation wird auf die von außen am stärksten wahrgenommenen Eigenschaften reduziert; Realität und Fiktion vermischen sich hierbei meist. Nationalstereotype etablieren sich über persönliche, durch entsprechende Vorurteile geprägte Erfahrungen und über wiederholte Darstellungen in den Medien.
In der Literatur funktionieren Stereotype ähnlich wie in der Realität, auch wenn in literarischen Texten die sprachliche Verfasstheit solcher Bilder vom Anderen im Vordergrund steht. Einerseits sind insbesondere in der Erzählliteratur gerade bei Nebencharakteren Reduktionen und Anspielungen auf Eigenschaften unabdingbar. Ironischerweise verleiht eben dieses Anspielen auf dem/der Leser/in bekannte Vorannahmen dem Text eine gewisse Tiefe. Dennoch ist der übermäßige Gebrauch von Verallgemeinerungen sowohl in der Literatur als auch in Medien wie Film und Theater mit Vorsicht zu genießen, da Stereotype durch ständige Wiederholungen gefestigt werden, was wiederum zu Vorurteilen und Diskriminierung in der außertextlichen Wirklichkeit führen kann. Zahlreiche Texte erweisen sich daher auch als ein subtiles Spiel mit bekannten Stereotypen, durch das die vermeintlich bekannten Eigenschaften durchaus in Frage gestellt oder dekonstruiert werden können.

 

Literatur:

Florack, Ruth: Bekannte Fremde: Zu Herkunft und Funktion nationaler Stereotype in der Literatur. Tübingen 2007.

Florack, Ruth: Nation als Stereotyp: Fremdwahrnehmung und Identität in deutscher und französischer Literatur. Tübingen 2000.

Lippmann, Walter: Public Opinion. London 1961.

(Anna Schoon)

Subaltern Studies / Subaltern Speech

In ihrem programmatischen Essay "Can the subaltern speak?" setzt sich die Literaturtheoretikerin Gayatri Spivak kritisch mit den poststrukturalistischen Bestrebungen, das Subjekt als Inhaber von Autorität und Macht abzuschaffen, auseinander. Französische Intellektuelle gaben vor, mit Arbeiter/innen der 'dritten Welt' im Klassenkampf auf einer Ebene zu sein und nicht mehr für sie zu sprechen, sondern mit ihnen zu agieren. Spivak hingegen betont, dass das Ersetzen von Repräsentation durch revolutionäre Aktion ideologiefestigend wirkt und die Subjekte der 'dritten Welt' zu Objekten des westlichen Blicks degradiert. Der Versuch westlicher Intellektueller, sich als Subjekt transparent zu machen, festigt koloniale Machtstrukturen und unterstützt ökonomische Interessen des Westens. Der doppelbödige Begriff 'subaltern' (Untergebener) thematisiert gleichzeitig die Unterdrückung durch den Westen und den vereinfachenden westlichen Blick auf 'die armen Unterdrückten'. Zudem verweist der Begriff auf die Situation indischer Frauen, die durch das dortige Patriarchat und den Imperialismus doppelt unterdrückt werden.
In Bezug auf Literatur ermöglicht dieser Ansatz, Repräsentationslogiken offen zu legen und nach ihrer Funktion zu fragen. Im engeren Sinne eignet er sich zur Untersuchung von Texten, in denen westliche Autor/innen Figuren aus anderen Kulturen schaffen, sie sprechen lassen oder über sie sprechen.

 

Literatur:

Spivak, Gayatri Chakravorty: "Can the subaltern speak?". In: Morten, Stephen: Gayatri Chakravorty Spivak. London 2003, S. 66–111.

(Hanna Matthies)

Third Space / Dritter Raum

Der 'dritte Raum' ist ein imaginärer Zwischen- bzw. Schwellenraum, in dem Hierarchien und Dichotomien zwischen Kulturen aufgelöst sind. Kulturelle Identitäten und Differenzen werden im 'dritten Raum' immer wieder neu verhandelt und entstehen als Produkt kultureller Hybridisierung durch permanentes Oszillieren zwischen festen Identifikationsmöglichkeiten.
Das Konzept des 'dritten Raums' ist ein wichtiger Bestandteil der Kulturtheorie Homi K. Bhabhas und lässt sich dann anwenden, wenn mehrere (ambivalente) kulturelle Zugehörigkeiten aufeinandertreffen und zusammenwirken, sodass sowohl nationalphilologische als auch multi- oder interkulturelle Blickwinkel nicht mehr ausreichen, z.B. bei Texten, die zur neuen Weltliteratur zählen.

 

Literatur:

Babka, Anna / Malle, Julia (Hrsg.): Dritte Räume. Homi K. Bhabhas Kulturtheorie. Kritik. Anwendung. Reflexion. Wien/Berlin 2012.

Bhabha, Homi K.: The Location of Culture. London/New York 2000.

Struve, Karen: Zur Aktualität von Homi K. Bhabha. Einleitung in sein Werk. Wiesbaden 2013.

(Kristina Höfer)

Transkulturalität

Im Gegensatz zur Interkulturalität findet hier eine zunehmende Vernetzung und Vermischung der Kulturen infolge von Globalisierung und Migration statt. Die Kulturen innerhalb der Gesellschaft sind nicht mehr eindeutig fixiert, kaum noch voneinander zu trennen.

Nach Welsch ist in der Transkulturalität fremdes Element in der eigenen Person zu erkennen, die Gesellschaft ist damit — schematisch gesprochen — nicht nur aus eindeutig 'roten' und 'blauen' Personen gemischt, sondern auch jedes Individuum ist selbst wieder eine Mischung aus Einflüssen der 'roten' und 'blauen' Kultur. Diese Vermischung ist laut Welsch durch Globalisierung und Migration längst der Normalfall: "Für jedes Land sind die kulturellen Gehalte anderer Länder tendenziell zu Binnengehalten geworden." (Welsch 2009)
Eine solche Überschreitung von Kulturgrenzen findet sowohl auf der gesellschaftlichen Makroebene statt (etwa in der Konsumkultur oder der Medizin), wie aber auch auf der Mikroebene, wo sich unterschiedliche ethnische und kulturelle Hintergründe in einer Gesellschaft verstärken.

 

Literatur:

Welsch, Wolfgang: "Was ist eigentlich Transkulturalität?". In: Darowska, Lucynda / Machold, Claudia (Hrsg.): Hochschule als transkultureller Raum? Beiträge zu Kultur, Bildung und Differenz. Bielefeld 2009, S. 39–65.

(Jonas Nesselhauf)

Vielsprachigkeit / Multilinguale Literatur

Multilingualität beschreibt generell den/die in mehreren Sprachen schreibende/n Autor/in:
(a) Besonders Schriftsteller/innen mit Migrations- oder Fluchterfahrung schreiben mehrsprachig, sowohl in ihrer Heimatsprache, als auch in der zumeist 'neuen' Sprache, etwa Milan Kundera und Agota Kristof, die aus Tschechien bzw. Ungarn in den französischen Sprachraum geflohen sind.
(b) Gerade Autor/innen in (sprachlichen) Minderheiten können durch multilinguale Literatur ihr Lesepublikum erweitern, auch über die eigene Sprache hinaus. Beispiele dafür finden sich etwa bei hispanoamerikanischen Schriftsteller/innen der USA ('Spanglish') wie Rolando Hinojosa oder Gloria Anzaldúa, aber auch in Regionaldialekten wie dem Sächsischen oder dem Saarländischen.
(c) Einen besonderen Fall von (b) bilden multilingual aufgewachsene Schriftsteller/innen, z.B. Samuel Beckett (1906–1989), der in irischem Umfeld aufwächst und später in Frankreich und im französischsprachigen Afrika lebt. Ähnliche Beispiele lassen sich in Staaten mit mehreren offiziellen Landessprachen oder Amtssprachen feststellen, etwa in Kanada oder der Schweiz.
(d) Ein Sonderfall des/der multilingualen Schriftstellers/in ist der Selbstübersetzer. Dies ist dabei oft mehr als eine reine 'Übertragung' in eine andere Sprache, sondern eine (durch den/die Autor/in als Urheber mögliche) für den neuen Sprach- und Kulturraum angepasste 'Umschreibung' des Textes. So übersetzten etwa der deutsche Schriftsteller Stefan Heym (d.i. Helmut Flieg, 1913–2001) oder auch Samuel Beckett ihre Werke selbst.

 

Literatur:

Bhatia, Tej K. / Ritchie, William C. (Hrsg.): The Handbook of Bilingualism. Malden, MA 2012.

Hutchinson, Peter: Stefan Heym. Dissident auf Lebenszeit. Würzburg 1999.

Pittler, Andreas: Samuel Beckett. München 2006.

Schmeling, Manfred / Schmitz-Emans, Monika (Hrsg.): Multilinguale Literatur im 20. Jahrhundert. Würzburg 2002.

Venuti, Lawrence (Hrsg.): The Translation Studies Reader. London 2000.

(Jonas Nesselhauf)

Weltliteratur (neue)

Goethes Idee der Weltliteratur meint, dass die einzelnen Nationalliteraturen durch interkulturellen Austausch und Übersetzung gleichermaßen an einer Weltliteratur partizipieren. Neue Weltliteratur ist eine Bezeichnung für im Zeitalter von Migration und Globalisierung entstehende Texte, die aufgrund sprachlicher, inhaltlicher oder formaler Aspekte nicht mehr nur einer Nationalliteratur zugeordnet werden können, also transnational sind, z.B. von Emine Sevgi Özdamar, Salman Rushdie oder Michael Ondaatje.
Einer literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit solchen Texten sollten Theorien und Methoden zugrunde liegen, die diese Tendenzen berücksichtigen und methodische Grenzen der Nationalphilologien überschreiten, z.B. eine transareale Literaturwissenschaft, wie sie Ottmar Ette vorschlägt.


Literatur:

Bachmann-Medick, Doris: "Multikultur oder kulturelle Differenzen? Neue Konzepte von Weltliteratur und Übersetzung in postkolonialer Perspektive". In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 68/4 (1994), S. 585–612.

Lamping, Dieter: Die Idee der Weltliteratur. Ein Konzept Goethes und eine Karriere. Stuttgart 2010.

Sturm-Trigonakis, Elke: Global playing in der Literatur. Ein Versuch über die neue Weltliteratur. Würzburg 2007.

(Kristina Höfer)

Writing Back

Im Kontext der postkolonialen Literaturanalyse bezeichnet 'Writing Back' das 'Anschreiben' gegen einen europäischen Text aus einer postkolonialen Situation heraus. Das Hauptziel ist es, die Dominanz europäischer Literatur bzw. in europäischer Literatur ausgedrückter Werte und Weltansichten in Frage zu stellen, zu relativeren und aus dem Zentrum der Wahrnehmung zu drängen.
Der Begriff geht zurück auf den Literaturkritiker und Autor Salman Rushdie, der in den frühen 1980er Jahren den Zeitungsartikel "The Empire writes back with a vengeance" veröffentlichte (The Times, 3. July 1982).
Eines der prominentesten Beispiele ist Chinua Achebes Things Fall Apart (1958), ein Roman der ausdrücklich gegen Joseph Conrads Heart of Darkness (1899) gerichtet ist. Heart of Darkness wurde lange als ein frühes Werk gegen die brutalen Kolonialpraktiken Belgiens gefeiert, bis Achebe 1975 das Gegenteil behauptet und Conrad als Rassisten bezeichnet. Achebe bezieht sich insbesondere auf die Darstellung der Afrikaner (z.B. häufige Verwendung von Tiermetaphern) und deren Verwendung von Sprache.

 

Literatur:

Achebe, Chinua: "An Image of Africa: Racism in Conrad's Heart of Darkness". In: Conrad, Joseph: Heart of Darkness.Authoritative Text. Backgrounds and Contexts. Criticism. New York/London 42006, S. 336–349.

Ashcroft, Bill / Griffiths, Gareth / Tiffin Helen: The empire writes back. Theory and practice in post-colonial literature. London 1989.

Hawkins, Hunt: "Heart of Darkness and Racism". In: Conrad, Joseph: Heart of Darkness. Authoritative Text. Backgrounds and Contexts. Criticism. New York/London 42006, S. 365–375.

Thieme, John: Postcolonial contexts: Writing back to the Canon. London/New York 2001.

(Anna Schoon)

Zusammenlebenswissen

Ottmar Ette hebt mit diesem Begriff die dynamische Verschränkung und Interaktion von Literatur(wissenschaft) und außerliterarischer Welt hervor. Gegensätze zwischen Realität und Fiktion lösen sich in Wechselwirkungen auf. Dadurch entstehen Spielräume zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in denen Zusammenleben erprobt oder häufiger das Scheitern eines solchen beobachtet werden kann. 'Zusammenlebenswissen' beschreibt keinen Idealzustand, sondern konzentriert sich auf Bewegungsgeschichten von Menschen, die sowohl Zerstörung, als auch dynamischen Austausch oder einen kreativen Schaffensprozess anregen können. Im Gegensatz zu identitärenKonzepten, wird erfolgreiches Zusammenleben aus der kulturellen Differenz heraus verstanden.

 

Literatur:

Ette, Ottmar: ÜberLebensWissen: 3: ZusammenLebensWissen: List, Last und Lust literarischer Konvivenz im globalen Maßstab. Berlin 2010.

 (Hanna Matthies)

Living Handbook of Serial Narration

Einführung

In den letzten Jahren hat sich eine Flut komplexer Serienformate entwickelt — die Fernsehserie ist nicht mehr nur Entertainment, sondern erzählt auf vielfältige  Art und Weise. Hier finden sich Strukturen, die bisher eher im Roman verortet wurden und damit in den Untersuchungsbereich der literarischen Narratologie fallen.

Seit Herbst 2012 entsteht am Saarbrücker Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das sich eben diesem Sachverhalt widmet und systematisch ein 'Living Handbook of Serial Narration on Television' konzipiert.

 
Literary Approaches Towards Serial Narration on Television, Or: Is This Really Necessary?

Literary studies are faced with the fact that these are intermedial times. The fields of interest are no longer only located within the mere realms of literature but go far beyond the traditional concepts of wordily textuality.
For some literary scholars, the last two decades were a complicated period, because their traditional field of expertise was constantly challenged with falling behind further due to an increasing interest in more popular art-forms that are often perceived as the successors of literature within the broader public. The resulting defensive stance taken by many scholars was very comprehensible: to legitimate literature within the context of emerging new art forms like the graphic novel, film, popular music or video, these media have often been depreciated1, ignored and categorized as a threat to culture2

Especially television seemed to harbor the danger of pushing literary works of the edge:


“Literature‘s ability to coexist with television, which many take for granted, seems less likely when we consider that as readers turn into viewers, as the skill of reading diminishes, and as the world as seen through television screen feels and looks more pictorial and immediate, belief in a word-based literature will diminish.” (Kernan, 1992: 151)

 

Comparative Literature & TV-Series

A lot has changed during the last 20 years and most of the reservation and reticence are gone within literary studies. Especially Comparative Literature — a discipline that was always fond of inter-art relations due to it‘s constant pressure to accentuate itself next to the established national philologies — focuses on the relations of text to other medial forms with an impressive implicitness. Medial relations between text, film, music, visual & fine arts are now an integral part of the academic curricula3. No one would argue that literature cannot only coexist next to these artifacts, it can actually benefit greatly from them since there is a lot to be learned about forms and functions of literature in contrast to other media (cf. Simonis, 2009, 4).
So if these times are so open and intermedial, why is a study about the relation between literature — literary narratology to be precise — and television-series even necessary? Or put another way, why for instance have the film and the graphic novel entered university‘s literature-classrooms, while others are still waiting to gain entrance?
It is more than obvious that series such as The SopranosBreaking BadThe Wire, DamagesDexterTheSimpsonsFamilyGuy and many others have surpassed the widely assumed simplicity4 while remaining deeply rooted within popular culture5. There is an ever growing list of publications concerning various aspects of what is generally acclaimed as the brilliance of new US-American television-series, but there are few studies that systematically analyze the relationship between literature and television-series, whereas this debate is heavily featured in the feuilletons of various internationally renowned newspapers6. Here, the series is often pictured as the cineaste transcription of the novel for the small screen. The time to tell a story, develop characters and subplots experiment with different forms. Something similar cannot be found in literary criticism where the series is still perceived as a byproduct of cinema. There is not need to specifically mention TV-series in the all-absorbing field of intermediality:


“The problem is that intermediality has tended to be discussed without clarification of what a medium actually is. Without a more precise understanding of what a medium is, one cannot expect to comprehend what intermediality is.” (Ellestrøm, 2010: 13)


This citation is not meant to start a debate about mediality in general but to highlight the problem that television-series are seldom perceived as a medial entity in its own right.
To render this state more precisely, television-series are often treated as films since they use exactly the same semiotic codes within an identical medial framework. Often a single episode of a show is taken out of context and treated like a sequence of a movie7, a DVD-box-set is often compared to a long movie and so on.
This does ignore that there is more than one way of watching a show; unlike a movie that is usually consumed in one sitting8 a television show is perceived in a way that is dictated by its serial nature: from week to week. There are always cracks within the narrative, dictated by the gaps between the episodes and seasons9. A single episode is always framed by the previous and the next episode, so it is always contextualized and rarely demands to be seen autonomously by itself10.
It is specifically this aspect that creates a link to 19th century epic novels which were published chapter by chapter in newspapers and magazines. But this is a mere starting point for this project that intents to explore various relations between television series and literature with an emphasis of narratological11 aspects.
If we can overcome the dichotomy between the worthy, serious champion Literature on the good side and the cheap and entertaining contender television-series on the other we might get the best of both. We can use the corpus of research done on literature to apply it on television series, modify the devices and tools of analysis whenever necessary and eventually understand how these two art-forms work alike.
Some of these topics are: how do we really perceive the series, how many ways of reception are there, how does narration work within the series and in-between episodes, does the idea of a (cinematic) narrator apply to series and could the television-series be the 21st century novel that never found its place in cinema?

To be continued...

The ‘Living Handbook of Serial Narration in Television’ is intended to show how the genesis of literature and Television are connected, and will try to give a comparative view on narrative techniques and dramatic devices in TV serials. We also aim to come up with a provisional terminology, gather examples for miscellaneous narrative strategies that TV series and literature share. We do not claim that this project offers a complete portrait of all aspects, nor does it give the final word on these questions. What we hope the ‘Living Handbook’ will achieve is to lay the groundwork for a deeper, more complex and more versatile understanding of how serials tell a story. Therefore, we want to give scholars a platform where papers on various aspects concerning any of the above mentioned can be digitally published. This ‘Living Handbook of Serial Narration on Television’ is intended to bring together international scholars interested in this topic, to collect their research and make papers and essays available to a broader public.

 

Jonas Nesselhauf, Markus Schleich

January 2013

Footnotes

1) Two authors who should be mentioned in this context are Adorno and Horkheimer whose essay Dialectic of Enlightenment from 1947 brands popular art-forms like movies or pop-songs as a mass-addling product of the culture industry which are — put simplified — tools of state capitalism that is designed to manipulate mass society into docility and passivity. Opposed to this, true art is not commercially motivated and shall educate the mass towards actively questioning the status quo.
2) An example for this procedure can be witnessed in Alvin B. Kernal’s polemic pamphlet The Death of Literature that is concerned with all those medial outputs that pose a thread of annihilation towards literature: „The television spectacle is seen once in a flash and then [...] gone forever. Those who work in TV are quite aware that their medium does not favour complex meanings, and they adjust their material accordingly. Story and plot are minimal or nonexistent.“ (Kernan, 1992: 130)
3) One could argue that this development goes back to Lessing‘s Laokoon from 1776, but the rigid distinction between high and low arts dissolves with the raising of structuralism and the „anything goes“-paradigm of postmodernism. While relations of arts have been of interest for a few centuries a broadening of what is perceived as art and thus a broadening of possible relations is a rather young development.
4) Beginning with the 1990s, even expensive mainstream-productions within television and cinema were willing to take risks when it came to highly complex narratives (cf. Gymnich 2007, 128).
5) Carl Rhodes brilliantly exemplifies this process in his paper „The Simpsons, Popular Culture, and the Organizational Carnival“ from 2001. TV serials are even said to have a huge impact on Hollywood movies, and actually called the movies' archenemy (cf. Die Zeit 15 November 2012, p. 56 and online: www.zeit.de/2012/47/Film-Cloud-Atlas-Wachowski-Tom-Tykwer/seite-2). — Please note that we cannot take any responsibility for the content of external links.
6) For instance the New York Times (www.nytimes.com/2011/12/18/books/review/the-channeling-ofthenovel.html?pagewanted=all&_r=0),The Guardian (www.guardian.co.uk/books/2011/jun/12/salmanrushdie-write-tvdrama), FAZ (www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/the-wire-ein-balzac-fuer-unserezeit-1581949.html) and Die Zeit (www.zeit.de/2012/27/Fernsehen-Amerikanische-Serien) among many others. — Please not that we cannot take any responsibility for the content of external links.
7) Bakhtin encountered something similar when scholars were not used to novels and took out excerpts from the novel to compare them with poetry, an art form they felt more familiar with (cf. Bakhtin, 1981: 147).
8) Following Poe‘s idea in the Philosophy of Composition that a short-story must be readable in one sitting and Hitchcock's comment that the length of a film should „be directly related to the endurance of the human bladder“.
9) This serial frame is still remained on DVD since the single episodes are not compounded to one extremely long film.
10) This is also where series differ significantly from movie-series like James BondStar WarsIndiana JonesRocky etc because even though these movies are connected each of them has to have the potential to work as a standalone film.
11) This is not an attempt to apply Genette‘s concepts of narratology from literature to a medium it was not originally designed for, but to rethink and adjust existing models — not only Genette’s — like Markus Kuhn did with narratology and film (cf. Kuhn, 2010).

Bibliography

Adorno, Theodor W., Horkheimer, Max (1947). Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Amsterdam: Querido. 

Bakhtin, Mikhail (1981). The Dialogical Imagination. Four Essays. Austin: University Press Texas.

Ellestrøm, Lars (2010). "The Modalities of Media: A Model for Understanding Intermedial Relations". In Lars Ellestrøm (ed.) Media Borders, Multimodality and Intermediality, pp. 11 - 50. London: Routledge.

Gymnich, Marion (2007). "Meta-Film und Meta-TV: Möglichkeiten und Funktionen von Metaisierung in Filmen und Fernsehserien". In Hauthal, Janine et. al. (eds.) Metaisierung in Literatur und anderen Medien. Theoretische Grundlagen – Historische Perspektiven – Metagattungen – Funktionen. Berlin: De Gruyter.

Kernan, Alvin B. (1992). The Death of Literature. New York: Vail-Ballou Press.

Kuhn, Markus (2010). Filmnarratologie. Ein erzähltheoretisches Analysemodell. Berlin: De Gruyter.

Rhodes, Carl (2001). "D'Oh: The Simpsons, Popular Culture, and the Organizational Carnival." In Journal of Management Inquiry. Vol 10, Nr 4, December 2001, pp. 358 - 374.

Simonis, Annette (2009). "Einleitung". In Annette Simonis (ed.) Intermedialität und Kulturaustausch. Beobachtungen im Spannungsfeld der Künste, pp. 1 - 12. Bielefeld: Transcript.

 

Promotionen am Lehrstuhl

Am Lehrstuhl Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft wird eine intensive wissenschaftliche Nachwuchsförderung betrieben. So stellt seit dem WS 2009/10 die Abteilung AVL/Komparatistik einen Großteil aller abgeschlossenen Promotionen der gesamten Fachrichtung Germanistik. Die thematischen Schwerpunkte reichen von Fragestellungen zur vergleichenden Erzähl- und Filmforschung und der Intemedialität über Probleme des Kulturkontakts und des Kulturtransfers bis hin zu theoretisch-methodischen Forschungen im Bereich der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft.

Neben kontinuierlicher  Einzelbetreuung durch die Lehrstuhlinhaberin (und gegebenenfalls durch ihren emeritierten Vorgänger Prof. Manfred Schmeling) und der engen Kooperation mit der Ecole Doctorale Transfrontalière LOGOS der Universität der Großregion (deren wissenschaftlichem Beirat Prof. Christiane Solte-Gresser seit 2010 angehört) bietet ein während des Semesters im 14-tägigen Rhythmus stattfindendes Doktorandenkolloquium die Möglichkeit zur regelmäßigen Präsentation und Diskussion eigener Projekte in unterschiedlichen Stadien der Arbeit sowie zu einer umfassende Vernetzung der Doktorandinnen und Doktoranden untereinander.

Sollten Sie an einer Promotion am Lehrstuhl Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft interessiert sein, so senden Sie bitte ein 5 bis 10-seitiges Exposé mit Thema, Relevanz der Fragestellung, theoretischem Rahmen, vorläufiger Gliederung und zu untersuchendem Textkorpus unter Angabe einiger Stichworte zu Ihrer Person an solte(at)mx.uni-saarland.de.

Formalia

Verantwortlich für die bürokratischen Aspekte des Doktorandenstudiums an unserer Fachrichtung ist das Promotionssekretariat der Philosophischen Fakultäten. Dort finden Sie ebenfalls die für Sie gültige Studienordnung.

Betreute Dissertationen

Themen bisher am Lehrstuhl betreuter Promotionen finden Sie hier.