Studium

Hier finden Interessierte allgemeine und spezifische Informationen über die diversen Möglichkeiten eines Studiums der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.

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Studienmöglichkeiten

Master

Master AVL Hauptfach

Master AVL Nebenfach

Master HoK / AK

Fachbeschreibung

Der Begriff "Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (Komparatistik)" fasst folgende Aspekte unseres Faches zusammen: 

Die Komparatistik vergleicht Texte aus verschiedenen Sprachen. Während das tertium comparationis (das gemeinsame Dritte, also der Vergleichsgegenstand) in den Nationalphilologien die jeweilige Sprache ist, kann es in der Komparatistik jeder Aspekt eines Textes sein. Diese interkulturelle Herangehensweise an Texte erlaubt neben Aufschlüssen über die Texte auch Rückschlüsse über die jeweiligen Kulturen. Außerdem vergleicht sie Werke aus verschiedenen künstlerischen Formen (Intermedialität) sowie Übersetzungen und ihre Ursprungstexte. Die Einordnung von Texten in die Mediengeschichte und ihre soziokulturellen Entstehungsumstände gibt Auskunft über die Wechselwirkungen von Kunst und Gesellschaft in einzelnen Sprachräumen und Kulturen oder größeren geographischen Einheiten. 

Die Komparatistik versucht ebenfalls, zu allgemeinen Aussagen in Form von literatur- und kulturwissenschaftlichen Theorien zu gelangen. 

Traditionelle Arbeitsbereiche der Komparatistik sind: 

  • Allgemeine Literaturgeschichte (Epochen- und Periodisierungsproblematik)
  • Thematologie (Stoff- und Motivgeschichte und Mythosforschung) 
  • Rezeption 
  • Gattungsfragen 
  • Literaturtheorie 
  • Literarische Übersetzung 
  • Interkulturelle Hermeneutik 
  • Intermedialität 
  • Typen des Vergleichs 

 

Die besondere geographische Lage der Universität des Saarlandes bedingt, daß neben einer Grundausbildung, die alle angesprochenen Arbeitsbereiche abdeckt, die deutsch-französischen Literaturbeziehungen einen Forschungsschwerpunkt der Saarbrücker Komparatistik ausmachen.

Allgemeine Literaturgeschichte

Die Komparatistik baut in der Literaturgeschichte auf die Erkenntnisse der Nationalphilologien auf. Anstatt mit diesen im Hinblick auf nationale Epocheneinordnungen in Konkurrenz zu treten, konzentriert sie sich auf systematische Fragestellungen im internationalen Kontext, vor allem auf Periodisierungs- und Epochenfragen. 

Epochenbegriffe entstammen unterschiedlichen Quellen - Renaissance (umfassende kulturelle Entwicklung), Barock (Architektur und Bildende Kunst), Aufklärung (Philosophie) -, was Rückschlüsse auf die Besonderheiten der jeweiligen Epochen erlaubt. Auch die Frage, ob Epochen erst aus zeitlichem Abstand benannt worden sind oder sich selbst als solche bezeichnet haben, ist von belang. 

Im internationalen Vergleich erscheinen nationale Phänomene häufig in einem anderen Licht, so auch Epochenabgrenzungen. Sehr kurze Epochen sind oft nur innerhalb enger kultureller Grenzen von Bedeutung (z.B. Sturm und Drang in Deutschland, Restauration in England usw.), können aber interkulturell betrachtet neue Ansätze aufzeigen. 

Die zeitliche Abgrenzung von Epochen erfordert eine Untersuchung von zahlreichen auch nichtliterarischen Faktoren wie ökonomischen Veränderungen oder veränderten Weltanschauungen. Dabei läßt sich im internationalen Vergleich feststellen, daß solche Epochenübergänge praktisch nie zur gleichen Zeit in verschiedenen Sprachräumen erfolgen.

Thematologie: Stoff- und Motivgeschichte, Mythenforschung

Die Thematologie beschäftigt sich mit dem inhaltlichen Material der Dichtung und seinen spezifischen literarischen Umsetzungen. Dabei werden nicht nur historische Ausprägungen bestimmter Stoffe und Motive, sondern auch die Themen und Inhalte der Literatur, der Mythen, Symbole u.ä. untersucht. Damit ein bestimmter Stoff als solcher erkannt wird, muß er unverwechselbare Kernmotive aufweisen, die historisch unverändert (invariabel bzw. invariant) bleiben, weswegen die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten eines Dichters hauptsächlich in der ästhetischen, der formalen Umsetzung einer stofflichen Vorgabe bestehen. Dadurch treten bestimmte Stoffe in einer Epoche geballt auf, während sie in der restlichen Literaturgeschichte nur selten behandelt werden. Auffallend ist auch die Gattungsaffinität bestimmter Stoffe, weshalb ein Gattungswechsel besondere Aufmerksamkeit verlangt. So wird aus der Dramengestalt des Don Juan bei E. T. A. Hoffmann eine Figur in einer Erzählung - auch deshalb, weil das Drama in der deutschen Romantik eher eine untergeordnete Rolle spielt. 

Eng mit der Stoffgeschichte ist die Mythosforschung verbunden, zumal die im Mythos angelegten menschlichen Grundsituationen als Ur-Material aller Dichtung zu gelten haben, d.h. in vorliterarischer Zeit gründen. 

Im Gegensatz zum Stoff ist das Thema eines literarischen Werkes eher abstrakter Natur, z. B. eine zentrale Idee. Joseph Conrad schildert in Heart of Darkness nicht nur eine Reise in den afrikanischen Urwald, sondern eine Reise in die eigene Persönlichkeit, eine Hinterfragung des "zivilisierten" Menschen. 

Rezeption

Viele der in den einzelnen Arbeitsbereichen der Komparatistik angesprochenen Aspekte sind auf einer anderen Ebene Teil der Rezeptionsproblematik. Wenn ein Autor im 20. Jahrhundert ein Don Juan-Stück schreibt, so hat er vorher natürlich ältere Bearbeitungen des Stoffes zur Kenntnis genommen, hat zum Beispiel Molière und Mozart rezipiert. Ein anderer Autor schreibt im 20. Jahrhundert einen Sonett-Zyklus, d. h. er kennt die historischen Vorläufer (Petrarca, Shakespeare) dieser spezifischen lyrischen Gattung. Der Literaturwissenschaftler, der eine neue Erzähltheorie formulieren will, tut gut daran, andere Erzähltheorien, die bereits existieren, zur Kenntnis zu nehmen, will er sich nicht dem Spott seiner Berufskollegen aussetzen. Wenn man so will, ist Rezeption das grundlegende Phänomen, das bei allen komparatistischen Fragestellungen berücksichtigt werden muß. 

Das Wort Einfluß wird hauptsächlich in Zusammenhang mit der sogenannten Produktionsästhetik (die Betrachtung der Bedingungen und Elemente jeder literarischen Tätigkeit) benutzt und meint die Wirkung bestimmter Ereignisse auf einen Autor, der diesen Einfluß produktiv im eigenen Werk verarbeitet. So kann die Lektüre eines bestimmten Buches ihn beeinflussen, oder das Gesamtwerk eines anderen Autors, oder bedeutende ideengeschichtliche und historische Ereignisse (z. B. die Psychoanalyse, der Erste Weltkrieg, usw.). Es gibt aber auch den Einfluß einer ganzen Einzelliteratur auf eine andere (die griechische auf die römische), oder einer literarischen Bewegung auf eine andere u.ä. Diese einfache Kausalität wird heute nicht mehr ohne weiteres akzeptiert, vielmehr stellt man sich die Frage nach dem Warum. Warum wurde ein bestimmtes Buch zu einem Einfluß für einen anderen Autor, welche Rezeptionsbedingungen waren für diesen Prozeß verantwortlich? Man kann das Phänomen Rezeption in drei große Forschungsgebiete einordnen (häufig werden die Begriffe synonym gebraucht): 

 a) Rezeptionsgeschichte. Sie untersucht historisch die Aufnahme bestimmter literarischer Texte (z. B. Faust im 19. und 20. Jahrhundert; oder die Shakespeare-Rezeption im 18. Jahrhundert in Deutschland), also die Wirkung von Literatur auf die Leserschaft oder andere Autoren (Wirkungsästhetik). 

 b) Rezeptionsforschung. Sie betreibt empirische Leserforschung und ist deshalb auf aktuelle Daten angewiesen (es ist verständlicherweise sehr problematisch, Leserforschung des 18. Jahrhunderts zu betreiben). Hier stößt die Literaturwissenschaft an ihre Grenzen, da Leserforschung häufig eher Aufgabe der Soziologie oder der Psychologie ist, weil der Leser - nicht die Literatur - im Zentrum der Untersuchung steht. 

 c) Rezeptionsästhetik. Allgemein formuliert, beschäftigt sie sich mit der Wechselwirkung Lektüre/Verarbeitung der Lektüre bzw. mit der Kommunikationssituation Autor-Text-Leser. In der Literaturwissenschaft kam es Ende der 60er Jahre zu einem Paradigmenwechsel, als die werkimmanente Textanalyse und die traditionelle Einflußforschung durch die Rezeptionsästhetik in den Hintergrund gedrängt wurden. Der Leser und auch der Autor als Leser wurden als unverzichtbarer Bestandteil literarischer Prozesse 'entdeckt' und die Mechanismen genauer untersucht, die sich bei der Lektüre abspielen und die auf die Lektüre folgen (v.a. in den 70er und frühen 80er Jahren). 

Die Rezeptionsästhetik ist in den letzten Jahren wieder etwas in den Hintergrund getreten und von der Intertextualitätsdebatte abgelöst worden, d.h. zum einen von der konkreten Umsetzung von Rezeption in Produktion, zum anderen von der Frage nach den unbewußten Elementen (z. B. die Übernahme kultureller Werte und Moralvorstellungen) bei der produktiven Rezeption, von der Frage nach Text als komplexem Phänomen, als offenem System an sich. Allgemein gesagt ist Intertextualität die Beziehung zwischen Texten, wobei man die Einzeltextreferenz (Integration eines Textes in einen anderen, z. B. durch Zitat, Anspielung, als Parodie, Pastiche, Travestie usw.) von der Systemreferenz (Beziehung zwischen einem Text und allgemeinen Textsystemen, z.B. bestimmten literarischen Gattungen) unterscheidet. Problematisch wird die Analyse von Intertextualität dann, wenn Autoren zwar intertextuell arbeiten, jedoch keine Kennzeichnung (durch Anführungszeichen oder Kursivschrift oder Namensnennung) vornehmen. Hier ist der Komparatist stark auf seine eigenen Kenntnisse bzw. andere Hilfsmittel (Sekundärliteratur) angewiesen. Andererseits besteht natürlich die Möglichkeit, daß ein Autor unbewußt intertextuelle Bezüge herstellt, die durch die Lektürekenntnisse des Lesers zum Vorschein kommen. In diesem Fall verlagert sich die Intertextualitätsforschung von der Autor-Text-Beziehung zur Text-Leser-Beziehung. Das Problem Intertextualität gehört zu den interessantesten und wichtigsten Forschungsgegenständen der Komparatistik, da es den Textbegriff erweitert hat und größeren Aufschluß darüber gibt, was einen literarischen Text in seinem Wesen ausmacht, wodurch er zu einer spezifischen künstlerischen Tätigkeit des Menschen wird. 

Gattungsfragen

Bereits das Wort Gattung ist in der Literaturwissenschaft nicht unproblematisch, meint es doch die vier großen Genres Epik (heute eher: Erzählliteratur), Dramatik, Lyrik (nicht jedes Gedicht ist lyrisch!) und Gebrauchstexte (Sachliteratur, didaktische Texte, Gebrauchsanleitungen usw.) und die Untergattungen zu diesen Genres (Roman, Erzählung, Novelle, Tragödie, Komödie, Sonett, Ballade usw.). Die beiden wichtigsten Forschungsrichtungen sind die Gattungsgeschichte und die Gattungstheorie. Die Gattungsgeschichte verfolgt diachron und synchron die Entwicklung einzelner Gattungen in ihrer Geschichtlichkeit (z.B. die Geschichte des Romans). Dabei setzt sie unterschiedliche Schwerpunkte, z.B. die Unterteilung des Romans nach thematischen Aspekten (historischer Roman, Bildungsroman, Bewußtseinsroman, Stadtroman usw.). Eine klare Abgrenzung zu den formalen Kriterien einer Gattung ist dabei nicht immer möglich, weswegen inhaltliche Aspekte durchaus mit der Formgeschichte verbunden werden können. Im Gegensatz dazu ist die Gattungstheorie eher an ahistorischen Phänomenen interessiert. Sie versucht die in allen Epochen gültigen Konstanten einer Gattung aufzuzeigen, ist an sogenannten Universalien oder Invarianten interessiert. Eine weitere Möglichkeit, die Gattungsproblematik zu betrachten liegt in der Analyse der Gattungsrezeption, d.h. man fragt, ob bestimmte Gattungen in einer bestimmten Epoche stärker zur Kenntnis genommen werden als andere, ob bestimmte Gattungen eine Epoche dominieren oder prägend für sie sind. Auch die Haltung des Autors zu Gattungsvorbildern und -konventionen im Hinblick auf sein eigenes Schaffen ist Gegenstand dieses komparatistischen Arbeitsbereiches. 

Literaturtheorie

Eng mit der Gattungstheorie verbunden ist die Literaturtheorie, die als Oberbegriff für alle systematischen Versuche, zu allgemeingültigen und typologischen Aussagen zu gelangen, gelten kann. Sie ist eng mit der philosophischen Disziplin der Ästhetik verwandt. Obwohl es sicherlich nicht ganz so einfach ist, kann man die Literaturwissenschaft in zwei große Gebiete einteilen: in die Literaturgeschichte und die Literaturtheorie, wobei jedes Gebiet dem anderen zuarbeitet. Die Literaturgeschichte betrachtet Literatur in ihrer historischen Gebundenheit an außerliterarische Phänomene (soziokulturell, politisch, ökonomisch, philosophisch usw.). Die Literaturtheorie hat sich zur Aufgabe gesetzt, das Wesen der Literatur zu ergründen und versucht, mit Hilfe komplexer methodischer Arbeitstechniken, Literatur als spezifische kreative Eigenschaft des Menschen zu definieren. Dabei betrachtet sie alle Faktoren, die konstituierend für ein literarisches Werk sind, z.B. die Produzentenebene (Autor), die Textebene und die Rezipientenebene (Leserschaft). Psychologische, ästhetische, soziologische und andere Phänomene spielen hier also eine bestimmende Rolle. 

 Die moderne Literaturtheorie ist keine Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts. Vielmehr steht sie in einer über zweitausendjährigen Tradition dichtungstheoretischer Überlegungen. Als erste Dichtungstheorie gilt Aristoteles Poetik (=Dichtungstheorie), die bis ins 18. Jahrhundert einflußreich ist. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Poetiken Regelbücher, in der rhetorischen Tradition stehende Anleitungen zum richtigen Dichten. Erst mit der Entstehung des Geniegedankens im 18. Jahrhundert und dem idealistischen Gedankengut der Romantiker wird Dichtung nicht mehr als an klare Regeln (normative Poetik) gebundene Tätigkeit, sondern als individuelle Leistung gesehen. Das hat zur Folge, daß später Dichtung dahingehend analysiert wird, wie sie effektiv aussieht und was sie leistet, nicht ob sie sich an vorgebene Normen und Konventionen hält. 

In der modernen Literaturtheorie (der aktuelle Begriff für Poetik oder Poetologie) gibt es deshalb keine Aussagen, die allgemeingültig wären, sondern nur an der tatsächlichen Literaturproduktion orientierte Aussagen. Eine Literaturtheorie ist nur so lange allgemeingültig, bis ein literarischer Text auftaucht, der nicht mehr ins Schema paßt. Dann muß die Theorie den neuen Gegebenheiten angepaßt werden. Allerdings versucht die Literaturtheorie dennoch zu Aussagen zu kommen, die auf alle Texte zutreffen, also ahistorische Konstanten aufzuzeigen. So hat zum Beispiel der Strukturalismus versucht, Erzähltexte so zu analysieren, daß sich Kriterien finden lassen, die für alle Erzähltexte gelten (Ein Erzähler erzählt ein Geschehen, wobei der Erzähler und das Erzählte zusammen die Grundstruktur aller Erzähltexte ausmachen). Andere Erzähltheorien sehen andere Elemente als typisch für Erzähltexte an (Perspektive, Erzählsituation usw.). 

Die literarische Übersetzung

Beschäftigung mit Literatur meint Beschäftigung mit Sprache, denn literarische Texte sind Sprachkunstwerke. Bedeutet eine gründliche und analytische Lektüre bereits eine intensive Auseinandersetzung mit den sprachlichen Besonderheiten eines Textes, so gilt dies in besonderem Maße für Übersetzungen. Wenn wir Flauberts Madame Bovary in der deutschen Übersetzung lesen, so haben wir es mit einem deutschen Text, nicht mit dem Original zu tun. Bei der Lektüre verbinden wir mit den Worten nicht nur die inhaltlichen Aspekte des Romans, sondern auch bestimmte Konnotationen, die durch unsere Zugehörigkeit zum deutschen Kulturkreis bedingt sind. Ein Engländer, der das Original liest, deutet bestimmte Worte vielleicht ganz anders, als wir das mit ihrer Übersetzung tun. Das heißt: jede Übersetzung ist Vermittlung eines literarischen Inhaltes, aber gleichzeitig auch eine kulturelle Verschiebung. Deshalb spricht man bei literarischen Übersetzungen häufig auch von produktiver, nicht von reproduzierender Rezeption, denn es findet nicht nur eine einfache Übertragung in eine andere Sprache statt, sondern ein komplizierter interkultureller Vorgang, bei dem der Übersetzer darüber hinaus selber ästhetische Fähigkeiten besitzen muß, um den poetischen Qualitäten des Originals einigermaßen gerecht zu werden. Ein Übersetzer ist also Vermittler und selbst kreativer Autor. Man unterscheidet vor allem zwei Arten der Übersetzung: die produktionsorientierte und die rezeptionsorientierte Übersetzung. Bei der produktionsorientierten Übersetzung liegt der Schwerpunkt auf der Ausgangssprache und dem Autor, d. h. der Übersetzer strebt eine große Nähe zum Original an, indem er sprachliche Besonderheiten übernimmt und imitiert, also die Ausdrucksebene betont (wörtliche Übersetzung). Seit der Romantik hat diese Art der Übersetzung ständig an Bedeutung gewonnen. Für den Leser bedeutet eine produktionsorientierte Übersetzung zunächst oft Irritation und Unverständnis, da im übersetzten Text das sprachlich und kulturell Fremde durchscheint. Anders sieht es bei der rezeptionsorientierten Übersetzung aus, wo die Zielsprache und der Leser im Mittelpunkt stehen. Hier wird die Inhaltsebene betont und die sprachlichen Eigenheiten des Originals werden der jeweiligen Zielsprache angepaßt, was in der Regel zu einer größeren Lesbarkeit führt, jedoch dem Original allzu oft nicht gerecht wird. In diesem Zusammenhang spricht man auch von freier Übersetzung, Umdichtung (sehr häufig bei Lyrik) oder gar Paraphrase. 

Aus dem bisher Gesagten wird deutlich, dass es eine ideale Übersetzung nicht geben kann: viele Worte lassen sich nicht wörtlich übersetzen, viele kulturelle Konnotationen gehen unweigerlich verloren oder müssen durch Hilfskonstruktionen ergänzt werden, wodurch ein völlig neuer Text entsteht. Der idealen oder kongenialen Übersetzung am nächsten käme ein Text, der ein ausgewogenes Verhältnis von Ausdrucksebene und Inhaltsebene reflektieren würde. 

Für das Studium der Komparatistik bedeutet die Beschäftigung mit literarischen Übersetzungen natürlich gute Sprachkenntnisse, ein ausgeprägtes Sprachgefühl und das Gespür für kulturelle Eigenarten, die durch Sprache transportiert werden. Auch aus diesem Grund empfehlen sich längere Auslandsaufenthalte während des Studiums. 

Interkulturelle Hermeneutik

Die Imagologie oder interkulturelle Hermeneutik gehört zu den diffizilsten Forschungsbereichen der Komparatistik, da das "Bild vom anderen Land" nicht nur Kenntnisse fremder Kulturen, Sprachen und Mentalitäten voraussetzt, sondern vor allem auch eine intensive Beschäftigung mit den Werten und Ansichten der eigenen Kultur verlangt. Der unbefangene Umgang mit der anderen Kultur ist prinzipiell ein Ding der Unmöglichkeit, da das Bild vom Anderen/Fremden immer geprägt ist durch eine Vielzahl von Faktoren, über deren Ausmaß nur vage Vorstellungen bestehen und die häufig durch die jahrhundertelange Weitergabe von Klischees bestimmt sind. Daraus ergeben sich zahlreiche Fragen: Was fällt mir bei der Betrachtung einer fremden Kultur besonders auf und was nicht? In welchem Maße entspricht die andere Kultur meinem eigenen Weltbild, und wie weit weicht sie davon ab? Betone ich deshalb das mir Vertraute oder das Unvertraute? Bemerke ich überhaupt kulturelle Eigenarten (z.B. soziale Regeln), wenn es vergleichbare in meiner eigenen Kultur nicht gibt? Ziel der interkulturellen Hermeneutik ist also nicht nur das bessere Fremdverständnis, sondern auch eine Selbstanalyse durch Fremdanalyse. Nationale Stereotypen erkenne ich erst durch den Vergleich mit der anderen Kultur. Interessant ist dabei die Frage, wie solche Stereotypen entstehen, welche Rahmenbedingungen dafür verantwortlich sind. Gerade literarische Texte haben natürlich dazu beigetragen, andere Kulturen dem heimischen Publikum nahezubringen und ein Bild zu entwerfen, das häufig überhaupt nicht den Realitäten entspricht, da die eigene Perspektive absolut gesetzt wurde. In der Textanalyse sind mehrere Aspekte von besonderer Bedeutung: die andere Kultur als stofflicher Bestandteil (als Thema oder Motiv); als textueller Bestandteil (Intertextualität, z.B. Zitate in fremden Sprachen); als sprachliche Komponente (z.B. in der literarischen Übersetzung). Die ständig zunehmende Internationalisierung und Globalisierung sozialer Kontakte läßt erahnen, in welchem Maße die interkulturelle Hermeneutik (nicht nur als komparatistische Disziplin, sondern in fast allen Sozial- und Geisteswissenschaften) zukünftig noch an Bedeutung gewinnen wird. 

Intermedialität

Der Zusammenhang von Literaturverfilmung und Originaltext, Opernpartitur und Libretto oder einem Bildgedicht und dem tatsächlich existierenden Bild sind Gegenstand des komparatistischen Arbeitsbereichs Intermedialität. 

Obwohl dieses Arbeitsgebiet der Komparatistik bereits seit dem Altertum praktiziert wird und v.a. Literatur und Malerei in Beziehung zueinander gesetzt werden, herrscht große Unstimmigkeit über die methodischen Grundlagen des sogenannten intermedialen Vergleichs. Daß Literatur und Malerei sich gegenseitig ergänzen können, ist einsichtig, zumal in einzelnen Kunstrichtungen oder Strömungen wie z.B. im Dadaismus Text und Bild eng miteinander verknüpft waren. Außerdem ist unumstritten, daß bestimmte Techniken der Malerei (z.B. der Kubismus) Einfluß auf die Produktion literarischer Texte und umgekehrt genommen haben. Nach welchen Kriterien jedoch die Darstellung verwandter Themen in Literatur und Malerei verglichen werden könnten, ist immer noch die zentrale Problemlage, wenn nicht die jeweiligen Spezialisten in den einzelnen Disziplinen getrennt voneinander arbeiten sollen. Vor allem Grundfragen der Rezeption und der Psychologie ästhetischer Wahrnehmung unterschiedlicher Medien müßten systematisch geklärt werden. Ähnliches gilt für Literatur und Film, Literatur und Musik. 

Ziel der wechselseitigen Erhellung muß aus komparatistischer Sicht wohl die besondere Beziehung der Literatur zu anderen Künsten bleiben. Gleichzeitig kann die Komparatistik natürlich wichtige Grundlagen für eine allgemeine Kunsttheorie liefern, deren Aufgabe es wäre, eine Methodik mit entsprechender Begrifflichkeit zu entwickeln, die es erlaubte, zu allgemeingültigen Aussagen beim Vergleich unterschiedlicher Künste zu gelangen. Die philosophische Ästhetik (z.B. Kant und Hegel) hat dazu bereits vor zweihundert Jahren Ansätze geliefert, allerdings das Spezifische der einzelnen künstlerischen Disziplinen allzu oft vernachlässigt. Für den Literaturwissenschaftler von besonderem Interesse sind z.B. direkte Bezüge zwischen Literatur und Malerei (visuelle Poesie, Kunst als Thema der Literatur, Übernahme künstlerischer Techniken, z.B. Collage und Montage) sowie künstlerische Mischformen, bei denen verschiedene Disziplinen zusammenwirken (Oper, Kunstlied, Film). Auch die Untersuchung thematischer Ähnlichkeiten kann sich als fruchtbar erweisen (z.B. Mythologie in Text und Bild), oder das individualpsychologische Phänomen der Doppelbegabung (E.T.A. Hoffmann als Dichter und Komponist, William Blake als Dichter und Maler). Grundsätzlich muß bei jedem intermedialen Vergleich geklärt werden, welche Aspekte überhaupt miteinander verglichen werden können. Die Übertragung von Fachtermini einer Disziplin auf Gegenstände einer anderen gelingt dabei nur im seltensten Fall. Nur wenige Begriffe der allgemeinen Semiotik eignen sich wohl, um Phänomene in unterschiedlichen Künsten zu benennen. Die Bedeutung des Films als Mischform aus Bild, Ton und Text und die zukünftige Entwicklung im Multimedia-Bereich lassen eine gemeinsame Terminologie und Methodik jedoch unbedingt wünschenswert erscheinen. 

Typen des Vergleichs

Obwohl der Begriff Komparatistik ausdrücklich den Vergleich anspricht, sollte man diesen Aspekt nicht überbewerten. In der Wissenschaft wird in allen Disziplinen mit Vergleichen gearbeitet. Er ist also nur eine grundlegende methodische Arbeitstechnik, die je nach Forschungsinteresse unterschiedlich angewandt wird. Allerdings muß man in der Komparatistik zwei Typen des Vergleichs voneinander trennen. Der genetische Vergleich basiert auf direkten oder indirekten Kontakten und Einflüssen. Es besteht ein genetischer Bezug zwischen zwei oder mehreren Vergleichsgliedern, d.h. man stellt die Frage nach den kausalen Beziehungen zwischen zwei Autoren. Wie hat Goethe André Gide beeinflußt, wie verarbeitet Joyce im Ulysses Homers Odyssee. Hierbei handelt es sich um direkte Kontakte. Von einem indirekten Kontakt läßt sich sprechen, wenn zum Beispiel ein Autor durch die Lektüre eines anderen Autors mit einem dritten Autor bekanntgemacht oder von ihm beeinflußt wird. Es findet in diesem Fall also eine Vermittlung durch eine zwischengeschobene Instanz statt. Dabei muß man unterscheiden zwischen bewußten und unbewußten indirekten Kontakten. Es kann also vorkommen, daß ein Autor eindeutig zu Schopenhauer Stellung nimmt, obwohl er dessen Schriften nur durch einen anderen Autor, nicht durch eigene Lektüre kennengelernt hat. Es ist auch möglich, von Kontakt oder Einfluß zu sprechen, wenn ein Autor nicht direkt oder indirekt von einem einzelnen Autor beeinflußt wird, sondern von einer ganzen literarischen Strömung. So ist zum Beispiel Joyce sowohl direkt beeinflußt durch Homer, Dante, Shakespeare usw. als auch Kind seiner Zeit, der Gedanken und Ideen der literarischen Moderne, also einer bestimmten historischen Epoche. Mit einem anderen Vergleichstyp hat man es zu tun, wenn man innerhalb der literarischen Moderne Autoren miteinander vergleicht. Es geht nicht mehr darum, festzustellen, wie z.B. Céline von einem spezifischen soziokulturellen Umfeld beeinflußt wurde, sondern wie verschiedene Autoren mit diesem Umfeld (auf internationaler Ebene, mit soziolinguistischen Unterschieden) in ihren literarischen Texten umgehen. Man vergleicht also Autoren, die ein gemeinsames Umfeld haben, ohne daß sie direkten oder indirekten Einfluß aufeinander hatten. In diesem Fall spricht man von einem kontrastiven bzw. typologischen Vergleich. Er basiert nicht auf Kontakten sondern auf Analogien. Bei diesem Vergleichstyp kommt es viel stärker darauf an, ähnliche literarische Erscheinungen miteinander in Beziehung zu setzen. Es ist zum Beispiel angebrachter, innerhalb einzelner Gattungen zu vergleichen (der Roman der Moderne) oder bei gattungsübergreifenden Vergleichen ähnliche literarische Inhalte zu wählen (Stadtproblematik in der Moderne). 

Abschlussarbeiten

Die Themen der seit 2010 am Lehrstuhl betreuten Abschlussarbeiten zeigen die vielfältigen Möglichkeiten und die Bandbreite eines komparatistischen Studiums auf. Von der vergleichenden Analyse zweier Primärtexte, über literaturtheoretische oder literaturgeschichtliche Untersuchungen, bis hin zu etwa thematologischen und intermedialen Aspekten sind viele Fragestellungen denkbar.

Übersichten bisher abgeschlossene Arbeiten können hier eingesehen werden: