Im ersten Teil spielt die renommierte japanische Pianistin Naoko Christ-Kato Klavierwerke von Rosy Wertheim (1888–1949), eine verfolgte jüdische Komponistin aus den Niederlanden. Wertheim, die sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten engagierte, hielt sich mehrere Jahre lang versteckt und organisierte geheime Konzerte verbotener jüdischer Komponisten. Sie überlebte den Zweiten Weltkrieg, konnte jedoch nach Kriegsende als Komponistin nie wieder richtig Fuß fassen, so dass ihr Werk heute kaum bekannt ist.
Naoko Christ-Kato, die in Tokio, Hannover und Lübeck Klavier studierte, ist Preisträgerin des Young Artist Piano Contests und des Best Players Contests in Japan sowie Stipendiatin des Deutschen Musikrats und der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für die Entdeckung und Aufführung von Werken vergessener und verfolgter jüdischer Komponistinnen und Komponisten.
Der zweite Teil des Konzertabends wird von dem in Jerusalem geborenen Musiker und Komponisten Bakr Khleifi bestritten. Bakr Khleifi ist ein palästinensischer Oud Spieler. Er studierte Kontrabass an der Buchmann-Mehta School of Music in Tel Aviv und Oud an der Universität Göteborg, wo er einen Abschluss in World Music erhielt. Mehrere Jahre lang spielte er im von Edward Said und Daniel Barenboim gegründeten West-Eastern Divan Orchestra, das aus arabischen und israelischen Musikern besteht und sich weltweit für Frieden im Nahen Osten einsetzt.
Am 29. April spielt Khleifi eigene Kompositionen und Improvisationen für die Oud, die als Vorläufer der europäischen Laute gilt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Instrument auch in den USA und in Europa etwas populärer – allerdings kennen es bis heute selbst Profimusiker oft nicht. Mit seinen Stücken stellt sich Bakr Khleifi in die lange, in der westlichen Welt bislang nur wenig anerkannte arabische Musiktradition, die er an diesem Konzertabend mit europäischen Musikstilen verbindet.
Den Übergang zwischen beiden Teilen des Konzerts bilden von Bakr Khleifi präsentierte arabische Musikstücke aus Ägypten und dem Irak von jüdisch-arabischen Komponisten, die dort als große Klassiker bekannt sind, hierzulande aber so gut wie nie gespielt werden. Ergänzt wird das Programm durch kurze Einführungen der Musiker:innen zu den aufgeführten Werken.
Hintergrund
Das Käte Hamburger Kolleg für kulturelle Praktiken der Reparation (CURE) an der Universität des Saarlandes ist ein vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördertes sozial- und kulturwissenschaftliches Forschungsinstitut. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage, wie Menschen und Gesellschaften mit Verletzungen und irreparablen Schäden umgehen. Vor dem Hintergrund von Kriegen, Genoziden, der Zerstörung von Kulturgütern und Sprachen sowie globalen Herausforderungen wie Erderhitzung und Artensterben untersuchen internationale Wissenschaftler:innen und Künstler:innen kreative Formen gesellschaftlicher Auseinandersetzung mit Verlust, historischer Schuld und globaler Verantwortung. Kulturelle Praktiken etwa in Form von Erzählungen, Musik, Theater und Ausstellungen stehen im Mittelpunkt der Forschungen, da sie individuelle und kollektive Erfahrungen zur Sprache bringen und widerstreitende Perspektiven zusammenführen können. Ziel der gemeinsamen Forschungsarbeit ist es ein umfassendes gesellschaftspolitisches Verständnis von individuellen und kollektiven Reparationsfragen in einer globalisierten Welt zu entwickeln. In diesem Zusammenhang lädt das Kolleg regelmäßig zu öffentlichen Veranstaltungen ein, um seine Themen im Dialog mit der Zivilgesellschaft zu diskutieren. Eine Übersicht aller kommenden Veranstaltungen des Kollegs finden Sie hier.