Fortbildung für Lehrkräfte in Integrationskursen

Fortbildung für Lehrkräfte in Integrationskursen


2006: 

Vortrag
14.09.06 "Schlüsselkompetenz Sprache " (im Rahmen des Projekts /Sima/); "Spracherwerbsprozesse in Erst- und Zweitsprache (Referentin: Dr. Elisabeth Venohr)


2005:

Workshop
„Anregungen zur methodischen Gestaltung von Orientierungskursen
im Rahmen des Zuwanderungsgesetzes
Donnerstag, 9. Februar, 9 – 15.30 Uhr
Rathaus St. Johann, Schulungszentrum, Raum 135
Saarbrücken
Programm als PDF 


Das Zuwanderungs- und Integrationsbüro (ZIB) in Saarbrücken

Ein Netzwerk für die Integration (Artikel aus AiD (4/06))
Saarbrücken als Vorreiter in Sachen Sprachkurse 

Ein Freitagmittag in der Moschee der Islamischen Gemeinde Saarland e.V. in Saarbrücken. Das Freitagsgebet wurde gerade eben beendet. Doch für die Gläubigen geht das Programm an diesem Tag noch weiter. Das Zuwanderungs- und Integrationsbüro, kurz ZIB, der saarländischen Landeshauptstadt, ist gemeinsam mit Vertretern anderer Behörden zu Gast, um über die mit der Umsetzung des Zuwanderungsgesetzes verbundenen Änderungen, insbesondere über die Integrationskurse, zu informieren. 

Kein Einzelfall, sondern fester Bestandteil eines erfolgreichen Konzepts zur Umsetzung des Zuwanderungsgesetzes. Mit diesem ist das ZIB deutlich fortschrittlicher als manch andere Kommune in der Bundesrepublik. „Andernorts bekommen die Neueinwanderer höchstens einen Laufzettel mit den Adressen der Anbieter in die Hand gedrückt und das war’s“, sagt Wolfgang Barth, Fachbereichsleiter Migration beim Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt und ergänzt: „Mit diesem Konzept sind Neueinwanderer in den meisten Fällen überfordert. Der Markt soll es bekanntlich richten. Wenn ich aber keine Kriterien für meine Markterkundung habe, überfordert mich das.“ 

Interkulturelle Öffnung des Amtes 

Damit das in der Landeshauptstadt nicht passiert, wurde vor zwei Jahren das ZIB als, wie dessen Leiterin Veronika Kabis sagt, „Stabsstelle für die Verankerung von Integrationsansätzen und für die interkulturelle Öffnung der Verwaltung“ eröffnet. „Indem der Gesetzgeber den Ausländerbehörden erstmals eine Rolle im Integrationsprozess zugewiesen hat, ist eine derartige Verzahnung der Integrationsarbeit mit den Aufgaben der Ausländerbehörde notwendig geworden“, kommentiert Kabis. Seit dieser Zeit wurden Grundlagen und Vernetzungsstrukturen geschaffen, die sich nun auch und vor allem bei den neuen Aufgaben aus dem Zuwanderungsgesetz als hilfreich erwiesen haben. 

In diesem Netzwerk arbeiten unter anderem das ZIB, die Ausländerbehörde, die Regionalkoordinatoren des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Rekos), Sprachkursträger, Migrationsdienste, Organisationen von Migranten zusammen. „Dass ein solches Netzwerk sinnvoll ist, ergibt sich allein schon aus den mitunter konkurrierenden Interessen der Akteure und daraus, dass man nicht generell davon ausgehen kann, dass diese Akteure untereinander in Kontakt stehen“, erklärt Veronika Kabis. 

Gemeinsam treten die einzelnen Akteure vor Ort auf. Beispielsweise bei der Infoveranstaltung in der Moschee. Anstatt Betroffene ins Rathaus einzuladen, kamen Vertreter des Netzwerkes zur Islamischen Gemeinde. Mit Erfolg: Im Anschluss an das Freitagsgebet nahmen rund 200 vorwiegend arabische Migranten an der Veranstaltung teil. Dies zeigt, dass das Interesse an Information durchaus gegeben ist. Man muss den Zugang zu ihnen nur über die richtigen Wege und an den richtigen Orten finden. 

Neue Bereiche erschließen 

Welches sind die wichtigsten Änderungen durch das Zuwanderungsgesetz? Wer darf, wer muss an einem Integrationskurs teilnehmen? Wo finden die Angebote statt? Diese und andere Fragen wurden im Gebetsraum gemeinsam mit dem Leiter der Ausländerbehörde, Peter Aulenbacher, und den Rekos beantwortet. „Um Sprachbarrieren abzubauen, fand das Programm zweisprachig statt. Damit können auch bislang nicht zugängige Personengruppen erschlossen werden“, so Andreas Helm, Reko in der Außenstelle des Bundesamtes in Lebach. 

Und: Die Frauen wurden in die Informationsstunde einbezogen, ohne dass der Gebetsraum, wie es normalerweise im Islam üblich ist, mit einem Vorhang abgetrennt wurde. „Es wurde ganz klar deutlich, dass die unterschiedlichen Gruppen bei einem solchen Termin näher aufeinander zu kommen“, betont die Leiterin des ZIB. Auch das ist ein Ziel der partizipationsorientierten Integrationspolitik, wie sie das Bundesamt und die Landeshauptstadt verfolgen. Für die Islamische Gemeinde war dies wohl nicht die letzte Veranstaltung dieser Art. „Wichtige Erstkontakte ließen sich hier knüpfen, denen auch weitere Anschlusstermine folgen werden“, ist sich Reko Andreas Helm sicher. Alle beteiligten Akteure können sich gut vorstellen, dass sogar Integrationskurse vor Ort, also direkt in der Moschee, stattfinden können. 

Um auf diese Kurse optimal vorbereitet zu sein, gibt es in Saarbrücken einen „Arbeitskreis Integrationskurse“, der in enger Zusammenarbeit mit den Rekos durchgeführt wird. An ihm nehmen unter anderem alle für den Raum Saarbrücken zugelassenen Integrationskursträger teil. Eine aktive Rolle am Arbeitskreis spielt der Lehrstuhl „Deutsch als Fremdsprache“ an der Universität des Saarlandes. „So hat Professor Dr. Lutz Götze, der als Sachverständiger am Arbeitskreis teilnimmt, gemeinsam mit den Mitarbeitern seines Lehrstuhls eine Fortbildungsveranstaltung für Kursleiter und Verantwortliche bei den Sprachkursträgern durchgeführt“, berichtet Veronika Kabis. Eine solche Fortbildung hält sie deshalb für so wichtig, weil es unter den Kursleitern viele Quereinsteiger gibt. 

„Mit unserem Angebot wollen wir die Lücke schließen, die sich durch den hohen Bedarf an qualifizierten Lehrpersonen in den neuen Integrationskursen aufgetan hat“, ergänzt Elisabeth Venohr, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl. Zudem sollen die Kursleiter auf die verschiedenen Zielgruppen vorbereitet werden. „Das heißt also auch, dass die Zielgruppe der ungewohnten Lerner – auch Analphabeten – thematisiert werden muss“, betont sie. Außerdem werden die Lehrwerke genau unter die Lupe genommen. „In den Lehrbüchern muss die lebensweltliche Verankerung des Lernens viel stärker in den Vordergrund gerückt werden. Deshalb werden die Werke in den Workshops genau analysiert“, erläutert die wissenschaftliche Mitarbeiterin. 

Begrüßungsmappe für Neuzuwanderer 

Auf dem Erreichten will man sich allerdings nicht ausruhen. Derzeit ist eine Begrüßungsmappe, die die Landeshauptstadt allen Neuzuwanderern übereichen wird, in Planung. Neben Informationen über die Stadt und die Region sollen auch umfassende Materialien zu Integrationsangeboten – insbesondere zur Migrationserstberatung – und wichtige Anlaufstellen bereitgestellt werden. 

Transparenz, Vernetzung, Absprachen unter den relevanten Akteuren, Schnittstellenmanagement zwischen den Integrationsangeboten auf den unterschiedlichen Ebenen sowie vertrauensbildende Maßnahmen unter allen Beteiligten sind die Merkmale einer partizipationsorientierten Integrationspolitik, wie sie die Landeshauptstadt Saarbrücken versteht und die ihre Vorreiterrolle in Sachen Umsetzung des Zuwanderungsgesetz begründen. 

Das ZIB wird diese wertvolle Arbeit jedoch nicht fortführen können. Die Stadt hat einen Sonderweg in Sachen Integration eingeschlagen: Während andere Kommunen in Deutschland dazu übergegangen sind, derartige Stellen einzurichten, hat der Saarbrücker Stadtrat mit seiner neuen Mehrheit von CDU/FDP am 07. Juni neben anderen Sparmaßnahmen beschlossen, das ZIB aufzulösen... 

Autorin: Kerstin Dillmann