07.10.2022

Digitale Neurotechnologien bringen Universitätsmedizin, Informatik und Saarwirtschaft zusammen

© Rüdiger Koop/UKS

Das Zentrum für Digitale Neurotechnologien Saar stellt am 14. Oktober gleich drei neue Forschungsprojekte vor. Diese werden mit insgesamt rund fünf Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Saarindustrie sowie den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und das Saarland gefördert. Sie werden die Universitätsmedizin, Informatikforschung und die Saarwirtschaft eng vernetzen.

Das interdisziplinäre Zentrum wurde zu Jahresbeginn auf dem Campus der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes in Homburg eingerichtet. Die Präsentation der Forschungsprojekte findet am Freitag, 14. Oktober von 10 bis 12 Uhr im neuen Hörsaalgebäude (Geb. 35) auf dem Campus Homburg statt.  Medienvertreter sind herzlich willkommen. Neben zahlreichen Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft wird sich Jürgen Barke, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie über die neuen Projekte informieren.

Bei dem Projekt „Multi-Immerse“ geht es darum, schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen im Universitätsklinikum des Saarlandes virtuelle Besuche ihrer Angehörigen zu ermöglichen. Dabei geht es nicht um reine Videogespräche, sondern um eine möglichst realitätsnahe Abbildung eines Besuchs am Krankenbett. Die Patienten sollen über neue Technologien ihre Eltern und Geschwister sehen, hören und fühlen können. Dies gelingt durch sogenannte immersive Technologien, mit denen beide Personengruppe in eine virtuelle Welt eintauchen und räumlich getrennt dennoch intensive Nähe spüren können. An diesem Projekt wirken Forscherinnen und Forscher der Medizin und Informatik der Universität des Saarlandes, des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) sowie des Zentrums für Mechatronik und Automatisierungstechnik (ZeMA) mit.

Auch bei dem zweiten Projekt „Digital Scrubs“ werden Medizin und Informatik eng miteinander verknüpft, zudem kommen mehrere Firmen aus dem Saarland und Berlin ins Spiel. Schauplatz des Forschungsprojekts ist der mit viel Hightech ausgestattete Operationssaal, der den Hand in Hand arbeitenden Operationsteams viel Aufmerksamkeit abverlangt. Auch hier sollen neue Technologien dabei helfen, dass alle Sinne der beteiligten Personen angesprochen werden und sie über Sprache, Gestensteuerung und haptisches Feedback, also etwa Sensoren in der Kleidung, untereinander und mit den Instrumenten im OP-Saal kommunizieren können. Dabei soll auch Künstliche Intelligenz eingesetzt werden, um individuell auf die kognitive und emotionale Verfassung des Ärzteteams, etwa die jeweilige Aufmerksamkeitsspanne, einzugehen. Hierbei wirken neben Medizinprofessoren der Universität und einer htw-Professorin am ZeMa die St. Ingberter Firma abat+ GmbH, die Paragon Semvox GmbH in Kirkel sowie das nexus Institut für Kooperationsmanagement GmbH in Berlin mit.

Das dritte Projekt namens „Kinesymbiosis“ widmet sich einer Thematik, die schon länger im Saarland durch das Projektteam erforscht wird, für die aber weiterhin nach praktikableren Lösungen gesucht wird. Es geht dabei um das Automobil, das durch die zunehmende Automatisierung nicht mehr nur Transportmittel ist, sondern stark vernetzter Arbeits- und Lebensraum geworden ist. Viele Nutzer haben jedoch das Problem, dass ihnen übel wird, wenn sie beim Autofahren am Bildschirm arbeiten, Videos anschauen oder sich entgegen der Fahrtrichtung mit den Mitfahrern unterhalten wollen. Diese Kinetose oder Reisekrankheit werden dadurch verursacht, dass die visuellen Informationen nicht mit den erlebten Bewegungen des Fahrzeugs übereinstimmen.

Ein internationales Forscherteam aus Neurotechnologen, Informatikern, Psychologen und Ärzten sowie Fahrzeug– und Mobilitätsforschern untersucht bereits seit zwei Jahren, wie diese Reaktionen des Nervensystems messtechnisch erfasst werden können. Bisher war dies nur durch den direkten Kontakt mit der menschlichen Haut möglich. Die Forscher wollen nun versuchen, dies über berührungslose Sensorik abzudecken. An dem Projekt beteiligt sind neben den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität und htw saar die Unternehmen ZF AG, Paragon SemVox GmbH sowie Traffic Technology Services Europe GmbH.

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Dr. Daniel J. Strauss
Zentrum für Digitale Neurotechnologien Saar
Tel.: (06841) 1624090
E-Mail: daniel.strauss(at)uni-saarland.de