Ines Heisig

Ines Heisig

„Kinder, die unter Steinen aufwachsen“. Die Kinderdarstellung der Neuen Sachlichkeit im Kontext der Großstadt der Weimarer Republik

 

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie die Maler der Neuen Sachlichkeit in den 1920er Jahren Urbanisierung unter Betonung der kindlichen Entwicklung wahrnahmen und welche Wertungen sie diesbezüglich vornahmen. Diametral zum romantischen Menschenbild führte ihre neusachlich veristische Schilderung von Kindern im urbanen Raum zu einer verstörenden Entzauberung der Kindheitsdarstellung. Dieser Wandel im Seh- und Darstellungsverhalten wurde einerseits von der prekären Nachkriegszeit und den sozial fragwürdigen Umständen in den Städten ausgelöst. Andererseits beruht dieser Wandel auf der neu entstandenen Psychoanalyse, welche der Kindheitsentwicklung erstmals eine große Bedeutung im Hinblick auf die Persönlichkeitsbildung beimaß. Für die Analyse wurden exemplarisch neusachliche Kinderdarstellungen ikonografischen Gruppen zugeordnet, in denen sie unter sozial-historischen Aspekten untersucht werden.

Das Motiv der Kindheit ist innerhalb der Malerei der Neuen Sachlichkeit von ganz wesentlicher Bedeutung. Kinder sind stets die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, und deshalb hängt ihr Leben außerordentlich von den sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen ab, die durch die Erwachsenen geschaffen werden. Die Künstler der Neuen Sachlichkeit stellten diese Abhängigkeit mittels urbaner Szenen dar, in denen die Kinder keinen Platz zu einer ihnen gemäßen Entfaltung fanden. Sie drückten Solidarität mit ihren Motiven aus, indem sie Kinder in anklagender und oftmals empathischer Weise innerhalb eines urbanen und proletarisch geprägten Milieus zeigten.

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