09.02.2026

Experiment zu KI im Jura-Studium: Wie schreibt sich eine Hausarbeit mit KI? Studierende gesucht!

Studentin am Computer
© Oliver DietzeProfessor Borges und sein Team suchen 100 Jura-Studierende aus dem vierten bis siebten Semester, die im Februar mithilfe von KI-Systemen eine sonst auf sechs Wochen angelegte Jura-Hausarbeit in acht Stunden zu schreiben. Für die Studierenden ist die Teilnahme eine Chance, sich intensiv mit den neuen Werkzeugen auseinanderzusetzen. Sie erhalten ein kostenloses Coaching in den neuen Arbeitsmethoden mit KI – ein Vorteil für ihr Studium.

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität des Saarlandes macht grundsätzlich keine Einschränkungen bei KI im Studium – auch nicht bei Haus- und Seminararbeiten. Es gilt jedoch das Gebot der Eigenständigkeit der Leistung und der verantwortungsvollen Nutzung. Die Fakultät will die Studierenden von Beginn an unterstützen, diese Anforderungen zu erfüllen, und zugleich die KI-Systeme erforschen. Für ein Experiment sucht der Rechtsinformatiker Georg Borges Jura-Studierende aus Deutschland.

Sie sollen in acht Stunden eine Hausarbeit mit KI schreiben: Dabei sammeln die Studierenden Erfahrung mit den KI-Werkzeugen und Borges und sein Team erforschen, wie mit KI erstellte Arbeiten fair bewertet werden können.

Künstliche Intelligenz hält Einzug in Kanzleien, Justiz, Verwaltung und Unternehmen. Die künftigen Juristinnen und Juristen werden in der Praxis selbstverständlich mit den neuen Werkzeugen umgehen müssen. Auch für viele Studierende zählen ChatGPT & Co. zum Alltag: KI hat die Studienpraxis längst erreicht. „Vor diesem Hintergrund steht das Jura-Studium vor zahlreichen Fragen: Wie setzen Studierende diese Werkzeuge sinnvoll ein und wo nicht? Wie werden Prüfungen künftig aussehen? Und: Wie können diese gerecht bewertet werden?“, erklärt Professor Georg Borges, Direktor des Instituts für Rechtsinformatik und zugleich Studiendekan an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität des Saarlandes. „Die Jura-Fakultäten müssen sich diesen Fragen stellen. Es ist keine Frage des Ob, die Wirklichkeit hat die Universitäten längst eingeholt“, betont Borges. 

Entscheidend sei, die Weichen für die Zukunft zu stellen. „Aktuell wird gar über die Abschaffung der Hausarbeiten debattiert, ein in meinen Augen unverzichtbares, zentrales Grundelement der juristischen Ausbildung. Es ist vielmehr wichtig, diese lang bewährten Grundelemente ins KI-Zeitalter zu überführen“, betont der Rechtsinformatiker, der den Einsatz der KI-Werkzeuge im Jura-Studium erforscht und dabei Studierende einbezieht. 

Aktuell plant er ein wissenschaftliches Experiment, für das er und sein Team Studierende aus allen Jura-Fakultäten deutscher Universitäten suchen. „Wir suchen 100 Jura-Studierende aus dem vierten bis siebten Semester, die hierbei mitmachen wollen. Sie sollen im Februar innerhalb von acht Stunden versuchen, mithilfe von KI-Systemen eine sonst auf sechs Wochen angelegte Jura-Hausarbeit zu verfassen“, erklärt Borges. Für die Studierenden ist die Teilnahme eine Chance, sich intensiv mit den neuen Werkzeugen auseinanderzusetzen. „Sie erhalten ein exklusives Coaching in den neuen Arbeitsmethoden mit KI – ein Vorteil für ihr Studium. Der richtige Einsatz von KI kann sehr hilfreich sein“, sagt Georg Borges. In Zukunft könnten Studierende, die die neuen Werkzeuge nicht nutzen, sogar im Nachteil sein. „KI-Tools können unterstützen, von formaler Fußnotenkontrolle über juristische Recherche, Transkription von Vorlesungen bis hin dazu, die juristische Argumentation auszufeilen“, erläutert der Jura-Professor.

In dem kostenfreien Coaching, das er den teilnehmenden Studierenden anbietet, lernen diese, wie sie Künstliche Intelligenz bei Hausarbeiten sinnvoll einsetzen können. „In dieser Phase des Studiums bestehen oft Unsicherheiten etwa bei Struktur, Argumentation, Recherche und Zeitmanagement. Studierende, die teilnehmen, arbeiten praxisnah an einer realistischen Übungshausarbeit und lernen Schritt für Schritt, wie KI-Tools sie beim wissenschaftlichen Arbeiten unterstützen können“, erläutert Borges. Anschließend wird die Hausarbeit besprochen und korrigiert. „Wir gehen davon aus, dass die Studierenden durch das Coaching ihre Leistung später in der ‚richtigen‘ Hausarbeit signifikant verbessern können“, sagt Borges. „Das Coaching soll helfen, typische Fehler bei der Nutzung von KI-Systemen zu vermeiden. Außerdem wollen wir nochmals gezielt auf zentrale methodische Aspekte hinweisen."

Im vergangenen Jahr hatte der Rechtsinformatiker im Rahmen des von ihm geleiteten „Juristischen KI-Projekts Saarbrücken“ gemeinsam mit Studierenden solche Anwendungsfälle für KI-Werkzeuge wie ChatGPT in der rechtswissenschaftlichen Arbeit erprobt, um zu ermitteln, wo diese nützlich sind und wofür sie sich nicht eignen. Sie ließen hierzu die KI-Tools unter anderem anhand von Skripten Lern- und Übungshilfen erstellen, für juristische Arbeiten nach passenden Nachweisen und Quellen suchen oder ganze Aufgabenstellungen lösen und überprüften anschließend das Ergebnis.

Gemeinsam mit seinen Fachkollegen, den Saarbrücker Professoren Dimitrios Linardatos und Christoph Sorge, bietet Borges auch Lehrveranstaltungen an, in denen die Studierenden lernen, wie sie generative KI-Systeme im Jura-Studium mit Gewinn nutzen können und welche Fehler sie vermeiden sollten. „Die Studierenden lernen, wie rechtswissenschaftliches Arbeiten und Recherchieren mit KI-Tools funktionieren und wie man zum Beispiel Gliederungen verbessert oder Gedankenskizzen erstellt“, sagt Borges.

 

Jura-Studierende, die am aktuellen Experiment teilnehmen wollen, können sich per E-Mail anmelden: ls.borges(at)uni-saarland.de

Das Angebot ist kostenlos.

Information zu Terminen und Coaching: https://www.rechtsinformatik.saarland

Weitere Informationen:

https://www.jura.uni-saarland.de/juristisches-ki-projekt-saarbruecken/

https://www.uni-saarland.de/lehrstuhl/borges.html

 

Hintergrund

Das Institut für Rechtsinformatik ist Teil der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität des Saarlandes. Vier Lehrstühle der Universität des Saarlandes und ein Lehrstuhl der Universität Luxemburg arbeiten hier zusammen. Mit Forschungsschwerpunkten wie Legal Tech, IT-Recht, IT-Sicherheit, Datenschutz und Rechtsinformatik deckt das Institut in rechtlicher, technischer wie auch internationaler Perspektive ein weites Feld an der Schnittstelle von Informationstechnologie und Recht ab. 
 

Spezialisiertes Studium in IT-Recht und Rechtsinformatik in Saarbrücken

Studierende der Universität des Saarlandes können sich schon früh im Studium auf IT-Recht und Rechtsinformatik spezialisieren. Das Institut für Rechtsinformatik bietet einige der wenigen bundesweit anerkannten Abschlüsse auf diesem Rechtsgebiet an: Die Studierenden können wählen zwischen einem vollständigen LL.M-Programm mit den Schwerpunkten IT-Recht und Rechtsinformatik, das auf aktuelle Themen, insbesondere Datenschutz, Künstliche Intelligenz und Datenrecht fokussiert ist, oder einem Zertifikatsstudiengang, den sie bereits während des Studiums absolvieren können. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, IT-Recht und Rechtsinformatik als spezielles zweisemestriges Wahlfach im Rahmen des rechtswissenschaftlichen Studiums zu studieren. Schließlich bietet das Institut jedes Jahr eine internationale und interdisziplinäre Summer School „IT-Recht und Rechtsinformatik“ an.


Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Georg Borges: 0681/302-3105; E-Mail: ls.borges(at)uni-saarland.de

Pressefotos zum Download: 
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