In Eberbach am Neckar geboren, absolvierte er zunächst eine Bau- und Möbelschreinerlehre und erwarb an der Ingenieurschule in Rosenheim den Ing. grad. im Fach Holztechnik. Auf dem zweiten Bildungsweg holte er danach am renommierten Braunschweig-Kolleg das Abitur nach und studierte an der Universität Göttingen Mathematik und Physik sowie an der britischen University of Essex Computer Science. Dort erwarb er 1972 den „Master of science in computing“, wurde 1976 im Fach Artificial Intelligence mit einer Dissertation zur Unifikationstheorie promoviert und kehrte dann nach Deutschland zurück.
Seitdem arbeitete Jörg Siekmann zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und seit 1980 als Hochschulassistent am Institut für Informatik der Universität Karlsruhe, baute dort eine Forschungsgruppe zur Künstlichen Intelligenz (KI) auf dem Gebiet der Deduktionssysteme auf und gründete mit anderen den einflussreichen KI-Sonderforschungsbereich 314. Im Jahr 1983 wurde er auf die erste deutsche Professur für Künstliche Intelligenz an die Universität Kaiserslautern berufen und gründete dort mit einigen Kollegen das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Von internationaler Bedeutung wurde die von ihm begründete Springer-Reihe „Lecture Notes in Artificial Intelligence“ (LNAI).
Zum Sommersemester 1991 folgte Siekmann dem Ruf der Universität des Saarlandes und übernahm bis 2006 eine Doppelposition als Professor für Informatik und als Forschungsleiter am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Auf dem Saarbrücker Campus fungierte er unter anderem als Sprecher des Sonderforschungsbereichs 378 „Ressourcenadaptive kognitive Prozesse“, initiierte 1995 als Gastprofessor der JiaoTong Universität in Shanghai die Kooperation mit unserer Universität, wirkte mit seiner zweiten Ehefrau und Kollegin Erica Melis als wissenschaftlicher Direktor des „Center for e-learning Technology“ und war Senior-Professor und Koordinator für Digitale Bildung der Universität des Saarlandes.
In herausragender Weise hat der Jubilar dazu beigetragen, die „Künstliche Intelligenz“ als Forschungsfeld in Deutschland zu begründen und den organisatorischen Rahmen für dieses Fach in der „Gesellschaft für Informatik“ zu schaffen, die ihn 2002 als „Fellow“ auszeichnete und später zu den zehn einflussreichsten KI-Wissenschaftlern wählte. Insgesamt hat er wesentliche Beiträge zur KI-Forschung geleistet, umfangreiche Aufgaben in der wissenschaftlichen Gemeinschaft übernommen und auf nationaler und internationaler Ebene Forschungsgruppen, Regierungen und Industrieunternehmen beraten. Sein Œuvre umfasst rund 900 Publikationen zu seinen Forschungsfeldern Deduktionssysteme, Beweisplanen, Unifikationstheorie, e-Learning für Mathematik sowie Buddhismus und Künstliche Intelligenz.
Die Ausrichtung öffentlicher Feierlichkeiten ist dem Jubilar aus gesundheitlichen Gründen zurzeit leider nicht möglich.
Weitere Informationen:
Dr. Wolfgang Müller, Universitätsarchiv
E-Mail: wolfgang.mueller@uni-saarland.de, dr.wolfgang-mueller@t-online.de
