31.08.2026

Anselm Crombach ist Professor für Klinische Kinder- und Jugendlichenpsychologie und Psychotherapie

Porträtfoto© UdS/Alexander Schmidt (Konstanz)
Anselm Crombach wurde jetzt zum Professor für Klinische Kinder- und Jugendlichenpsychologie und Psychotherapie ernannt.

Misshandlung, Gewalt- und Zurückweisungserfahrungen im Kindes- und Jugendalter haben gravierende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und erhöhen das Risiko für sich selbst verstärkende Gewaltkreisläufe in Familien und Gesellschaften. Im Rahmen der Professur zielt Anselm Crombach darauf ab, Mechanismen dieser Gewaltkreisläufe sowie Folgen von Gewalterfahrungen und Gewaltausübung zu untersuchen.

Darüber hinaus entwickelt und evaluiert er Interventionsansätze zur Behandlung und Vorbeugung von Traumafolgestörungen und aggressivem Verhalten. 

Im Mittelpunkt der Arbeit von Anselm Crombach stehen die Auswirkungen von Gewalt und belastenden Lebenserfahrungen auf die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Familien. Dabei liegt ein Fokus darauf, wie traumatische Erfahrungen, Scham, soziale Ausgrenzung und familiäre Belastungen zur Weitergabe von Gewalt über Generationen hinweg beitragen. Gleichzeitig entwickeln und untersuchen er und sein Team psychotherapeutische und präventive Ansätze, um solche Gewaltkreisläufe zu durchbrechen. Denn die sozialen, gesundheitlichen und ökonomischen Folgekosten dieser Gewaltkreisläufe übersteigen die Aufwendungen für Prävention und frühzeitige Intervention um ein Vielfaches. Dem steht gegenüber, dass die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen weltweit und in Deutschland unzureichend ist. Insbesondere Kinder mit Gewalterfahrungen werden bisher nur in geringem Umfang erreicht. 

Seine Projekte führten Anselm Crombach unter anderem nach Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Südafrika und Uganda. Dort arbeiteten er und seine lokalen Kolleginnen und Kollegen mit Menschen, die Gewalt erlebt oder ausgeübt hatten. Bereits seit 2021 leitete Anselm Crombach als Juniorprofessor den Aufbau der Universitätsambulanz für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Universität des Saarlandes. Diese spielt bereits heute eine zentrale Rolle in der Ausbildung angehender Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Zukünftig soll die Universitätsambulanz als zentrale Plattform dienen, um wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Versorgung und Ausbildung zu übertragen. 

An der Universität des Saarlandes verfolgt Anselm Crombach das Ziel, einen international sichtbaren Forschungs-, Lehr- und Transferschwerpunkt zu Gewaltkreisläufen, Traumafolgestörungen und aggressivem Verhalten über Entwicklungsphasen hinweg zu etablieren. Sein Ziel ist es, Präventions- und Interventionsansätze zu entwickeln, wissenschaftlich zu überprüfen und in unterschiedlichen Versorgungssystemen anzuwenden – von der Hochschulambulanz über das deutsche Gesundheitssystem bis hin zu (Post-)Konfliktregionen. Angesichts globaler Krisenlagen, bewaffneter Konflikte, Fluchtbewegungen und klimabedingter Unsicherheiten ergibt sich daraus zugleich eine gesellschaftliche Verantwortung, international relevante und anwendungsnahe Forschung mit der Ausbildung im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie zu verbinden. Daher sollen Studierende frühzeitig und forschungsnah an die evidenzbasierte Diagnostik und Behandlung psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter herangeführt werden. 

Kurzbiographie von Anselm Crombach

Nach seinem Psychologiestudium an der Philipps-Universität Marburg wechselte Anselm Crombach 2010 an die Universität Konstanz. Dort promovierte er in der Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Klinische Neuropsychologie und etablierte im Anschluss seinen Forschungsschwerpunkt zu Auswirkungen von Gewalt auf traumabedingte Störungen und aggressives Verhalten in Konfliktregionen. Zugleich lehrte und forschte er an der Université Lumière de Bujumbura in Burundi und baute ein Forschungskonsortium mit den Nichtregierungsorganisationen vivo international e.V. und Psychologues sans Frontières Burundi auf. Darüber hinaus erlangte er die Approbation als Psychologischer Psychotherapeut und qualifizierte sich zusätzlich für die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen. In den Jahren 2020 bis 2023 koordinierte er ein Projekt zur Behandlung und Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo, in dem mehr als 8600 Traumatherapien durchgeführt wurden. Seit 2021 ist Anselm Crombach Juniorprofessor an der Universität des Saarlandes.