Die Entwicklung der WUSCHEL-App wurde im Rahmen eines langjährigen Forschungsprojekts, an dem Professor Stefanie Haberzettl von der Universität des Saarlandes beteiligt war, von der Daimler und Benz Stiftung mit 1,3 Millionen Euro gefördert.
Wuschel, ein etwas tollpatschiger Hund, erlebt in der App eine rund 25-minütige Abenteuergeschichte, bei der das Kind ihn begleitet. Das Kind gibt dem hilfsbedürftigen App-Vierbeiner dabei Hinweise und Instruktionen, wie er die Schwierigkeiten, in die er gerät, lösen kann. „Auf diese Weise gelingt es, tatsächlich eine authentische Sprechsituation zu schaffen und herauszufinden, welche sprachlichen Kompetenzen das Kind hat und welche nicht“, erläutert Stefanie Haberzettl, die die App als Leiterin des Saarbrücker Projektstandorts mit entwickelt hat. Im Hintergrund analysiert ausgefeilte Technik das Gesprochene. „Die Sätze des Kindes werden weitgehend automatisiert transkribiert und durch einen computerlinguistischen Algorithmus ausgewertet, so dass ein differenziertes Sprachkompetenzprofil entsteht und ersichtlich werden kann, ob das Kind eine gezielte Sprachförderung braucht“, führt die Germanistin weiter aus.
Sie betont, dass allem Anschein nach das Spiel mit dem tollpatschigen Wuschel den Kindern mehr Spaß als traditionellere Testformate macht und eher introvertierte Kinder oder Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, die oft unsicher sind, gut zum Sprechen animieren kann. „Darüber hinaus ist die App ein Stück weit ‚gerechter’ als bisherige Testverfahren, da der Algorithmus bestimmte Abweichungen von der sprachlichen Norm, die Kindern mit Deutsch als Zweitsprache oder dem saarländischen Dialekt als Erstsprache oft passieren, nicht berücksichtigt“, führt Stefanie Haberzettl aus. Sie nennt ein Beispiel: „Die korrekte Markierung des Plurals oder die richtige Wahl zwischen Dativ und Akkusativ ist von einem Vorschulkind mit wenigen Jahren Kontaktzeit zur Zweitsprache Deutsch gar nicht zu erwarten und für eine erfolgreiche Verständigung auch zweitrangig. Mit der WUSCHEL-App können wir solche Phänomene der sprachlichen Oberfläche ausblenden und stattdessen herausfinden, in welchem Maße ein Kind auch erst begrenzt zur Verfügung stehende sprachliche Mittel geschickt einsetzen und erfolgreich kommunizieren kann“, nennt die Wissenschaftlerin einen weiteren großen Vorteil der App.
Seinen Startpunkt fand das mit 1,3 Millionen Euro geförderte Projekt „Sprachstandsermittlung bei Kindern mit Migrationshintergrund“ bereits im Jahr 2014 im Rahmen der Förderlinie „Ladenburger Kolleg“ der Daimler und Benz Stiftung. Das interdisziplinäre Forscherteam hat in den Folgejahren gezeigt, dass man die Sprachstandsdiagnose valide, objektiv und fair gestalten kann und auf dieser Grundlage die WUSCHEL-App entwickelt. In den letzten Jahren wurde sie von Prof. Haberzettl auch schon als Instrument in der wissenschaftlichen Begleitung der saarländischen Sprachkitas eingesetzt. Mit dem spielerischen Verfahren sollen in den kommenden Monaten im Rahmen der Modellphase des Programms „Startklar Deutsch – alle Chancen für alle Kinder“ rund 2.000 Vorschulkinder getestet werden.
Weitere Informationen über die App: https://wuschel-app.de
Kontakt:
Prof. Dr. Stefanie Haberzettl
Tel.: (0681) 302-2937/-3559

