Ein Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf der Multiplen Sklerose (MS), insbesondere auf den Mechanismen, die bei den fortschreitenden Formen der Erkrankung zu einer Schädigung von Nervenzellen und Gewebe führen. Dabei untersucht sie das Zusammenspiel von Immunzellen, Gliazellen und neuronalen Strukturen sowie die molekularen Signalwege, die Neuroinflammation und Neurodegeneration miteinander verbinden. Sie entwickelt und validiert außerdem Biomarker, mit denen Krankheitsaktivität, Gewebeschädigung und das Fortschreiten der Krankheit besser erfasst werden können. Hierzu untersucht Gilli unter anderem Biomarker im Blut und in im Hirnwasser und verbindet klinische Proben mit modernen molekularbiologischen und so genannten multi-omischen Verfahren. Ziel ist es, die biologischen Mechanismen der Erkrankung besser zu verstehen und neue Möglichkeiten für eine frühere Diagnose, eine präzisere Prognose und die Entwicklung gezielter Therapien zu schaffen.
In den vergangenen Jahren hat Gilli ihre Forschung zunehmend auf die Mechanismen der Neurodegeneration bei fortschreitender Multiplen Sklerose ausgerichtet. In aktuellen Arbeiten untersucht ihr Team, ob eine gezielte Hemmung bestimmter Signalwege die chronische Neuroinflammation reduzieren und neurologische Funktionen erhalten kann. Darüber hinaus beschäftigt sich die Wissenschaftlerin mit der Rolle von B-Zellen und anderen Komponenten der adaptiven und angeborenen Immunantwort im zentralen Nervensystem. Ein weiterer Teil ihrer Forschung widmet sich den Wechselwirkungen zwischen Infektionen und Neuroinflammation. Hierzu nutzt sie sowohl klinische Proben von Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose als auch experimentelle Modelle, um die langfristigen Veränderungen der Immunantwort im zentralen Nervensystem zu untersuchen.
An der Universität des Saarlandes möchte Francesca Gilli ihre Forschung an der Schnittstelle von Neuroimmunologie, Neurologie und Infektionsimmunologie weiter ausbauen. Dabei soll insbesondere die Zusammenarbeit innerhalb der Medizinischen Fakultät sowie mit den naturwissenschaftlichen Forschungsbereichen der Universität intensiviert werden. Geplant sind unter anderem gemeinsame Forschungsprojekte mit der Neurologie, der Immunologie und der Transplantations- und Infektionsmedizin sowie die Nutzung moderner Technologien für die Analyse von Biomarkern und molekularen Veränderungen bei neurologischen Erkrankungen.
Ein wichtiges Ziel der neuen Professur ist es, die Forschung von der molekularen Grundlagenforschung bis hin zu klinisch relevanten Fragestellungen zu verbinden. Dabei sollen Patientenkohorten und Biobanken mit experimentellen Modellen und modernen Omics-Technologien kombiniert werden. Auf diese Weise sollen neue Erkenntnisse über die Mechanismen der Neuroinflammation gewonnen und möglichst direkt in neue diagnostische und therapeutische Ansätze überführt werden. Auch in der Lehre möchte sich Francesca Gilli an der Medizinischen Fakultät in Homburg engagieren. Während ihrer Tätigkeit an der Geisel School of Medicine at Dartmouth war sie unter anderem in der Ausbildung von Medizinstudierenden sowie in der Lehre für Studierende der Neurowissenschaften und biomedizinischen Fächer tätig. Darüber hinaus engagierte sie sich über mehrere Jahre als Co-Direktorin des Graduate Program in Integrative Neuroscience in Dartmouth in der Betreuung von Doktorandinnen und Doktoranden sowie der wissenschaftlichen Ausbildung des akademischen Nachwuchses.
In Homburg möchte sie insbesondere die Neuroimmunologie stärker in der medizinischen Ausbildung verankern und moderne, interdisziplinäre Lehrkonzepte entwickeln. Ein Schwerpunkt soll dabei auf der Verbindung von Grundlagenwissenschaft und klinischer Neurologie liegen. Ziel ist es, Studierenden ein Verständnis dafür zu vermitteln, wie Erkenntnisse über immunologische Prozesse des Nervensystems zur Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren beitragen können. Die Wissenschaftlerin, wird zum 1. Oktober 2026 ihre Professur an der Medizinischen Fakultät des Campus Homburg antreten.
Kurzbiografie
Francesca Gilli wuchs in Italien auf, durch ihre deutsche Mutter ist sie zweisprachig. Sie studierte Biotechnologie an der Universität Turin und promovierte dort im Fach Humanbiologie mit Schwerpunkt Neurobiologie und Neuroimmunologie. Anschließend forschte sie an der Universität Turin und an der Universität Basel auf dem Gebiet der Neuroimmunologie. 2011 absolvierte sie zudem eine Weiterbildung in Clinical Chemistry and Laboratory Medicine an der Universität Turin. Im selben Jahr wurde sie mit dem Rita-Levi-Montalcini-Preis der Fondazione Italiana Sclerosi Multipla (FISM) für ihre wissenschaftliche Arbeit zur Multiplen Sklerose ausgezeichnet. 2013 wechselte Gilli an die Dartmouth Medical School in den USA. zuletzt war sie dort Associate Professor of Neurology.

