15.09.2026

Jola Pospech wurde zur Professorin für Organische Chemie an der Universität des Saarlandes ernannt

Porträtfoto© Tobias Pleban
Jola Pospech ist neue Professorin für Organische Chemie an der Universität des Saarlandes.

Licht eröffnet neue Wege, chemische Moleküle effizient und ressourcenschonend herzustellen. Noch sind die zugrundeliegenden Prozesse nicht vollständig verstanden – eine wichtige Hürde für die industrielle Anwendung. Die Chemikerin Jola Pospech erforscht, wie sich diese Möglichkeiten der lichtgetriebenen Katalyse gezielt für die Wirkstoffsynthese nutzen lassen. Sie will dafür die grundlegenden Mechanismen im Detail verstehen. Jola Pospech wurde jetzt zur Professorin für Organische Chemie ernannt.

Das Zusammenspiel von Licht und Katalysatoren spielt in der Natur eine wesentliche Rolle, etwa bei der Photosynthese. Doch auch im Labor wird Licht zunehmend zum Treiber chemischer Prozesse. Anders als bei der klassischen, durch Wärme angetriebenen Synthese lassen sich mit Licht Reaktionen und Reaktivitäten erschließen, die auf thermischem Weg nicht oder nur schwer zugänglich sind. Entsprechend groß ist das Interesse der chemischen Industrie: Viele Unternehmen haben eigene Forschungs- und Entwicklungsbereiche aufgebaut, um diese neuen Prinzipien für die Herstellung von Molekülen nutzbar zu machen. Bis zur zuverlässigen und effizienten Anwendung im industriellen Maßstab ist es jedoch noch ein weiter Weg. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die zugrundeliegenden Reaktionsmechanismen bislang nicht vollständig verstanden sind und sich Neben- und Abbaureaktionen noch schwer abschätzen lassen.

Genau hier setzt die Forschung von Jola Pospech an. An der Universität des Saarlandes will die Chemikerin untersuchen, wie Photokatalysatoren mit Licht und den beteiligten Molekülen wechselwirken – und wie sich diese Prozesse Schritt für Schritt bis zur Bildung des gewünschten Moleküls verfolgen und verstehen lassen. Auf dieser Grundlage sollen auch neue Strategien entwickelt werden, mit denen sich photokatalytische Reaktionen gezielt und effizient optimieren lassen.

Um die komplexen Prozesse umfassend zu verstehen, setzt Jola Pospech auf eine enge Zusammenarbeit über die Grenzen einzelner Fachgebiete hinweg. Methoden der Spektroskopie und der theoretischen Chemie spielen dabei ebenso eine Rolle wie Digitalisierung und Automatisierung. Ihr Forschungsansatz eröffnet damit zahlreiche Anknüpfungspunkte innerhalb der Universität des Saarlandes und stärkt den interdisziplinären Austausch in der Naturwissenschaft und Technik.

Die Forschungsschwerpunkte von Jola Pospech bereichern das wissenschaftliche Umfeld der Universität des Saarlandes daher in mehrfacher Hinsicht. Besonders eng sind die Verbindungen zum Graduiertenkolleg „Regelung kovalenter Bindungen in Molekülen und Materialien“, an dem mehrere Forschungsgruppen der Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät beteiligt sind und das noch bis 2030 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Julia Pospech wird ihren Dienst an der Universität des Saarlandes am 1. Oktober 2026 antreten.

Kurz-Lebenslauf von Jola Pospech

Jola Pospech ist seit 2022 Forschungsgruppenleiterin am Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT) in Rostock, wo sie von 2017 bis 2022 zunächst eine Nachwuchsgruppe auf dem Gebiet der katalytischen Funktionalisierung organischer Moleküle etablierte. Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin hat an der Georg-August Universität Göttingen Chemie studiert und nach Auslandsaufenthalten an der Universität Stockholm (Schweden) und der ETH Zürich (Schweiz) an der Universität Rostock im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit am LIKAT promoviert. Anschließend forschte sie zwei Jahre lang an der University of Illinois at Urbana-Champaign (USA) unter anderem an der Entwicklung licht-getriebener Wirkstoff- und Naturstofftotalsynthesen.