Sophie Herrmann: Medizin

"Hier gibt es viel Menschlichkeit und familiären Zusammenhalt. In Homburg sind nicht so viele Medizin-Studierende wie an vielen anderen Universitäten, und hier zählt, dass man sich unterstützt. Im Mentoringprogramm werden die Erstsemester von Studierenden aus höheren Semestern begleitet. Generell wird man in Homburg total viel eingebunden. Im medizinischen Grundstudium, auch „Vorklinik“ genannt, hatte ich Probleme im Fach Biochemie und fiel bei der Klausur durch. Daraufhin erhielt ich das Angebot, bei der Praktikumsbetreuung in der Biochemie mitzuhelfen. Das motivierte mich so sehr, dass sie die nächste Klausur spielend bestand – und anschließend das Praktikum jahrelang mitbetreute. Das Anatomie-Semester war psychisch ziemlich belastend. Es gab jede Menge Stoff in extrem kurzer Zeit sowie viele mündliche Prüfungen. Zu jeder Lerneinheit gibt es eine mündliche Prüfung, die sogenannten Testate am Körperspender. Ein Testat findet immer kurz vor Weihnachten statt, und der anschließende, von der Fachschaft organisierte Glühwein-Umtrunk wird als Belohnung von allen sehr geschätzt. Eine spezielle Lehrveranstaltung im vorklinischen Abschnitt hat mich durchs ganze Studium getragen: die Anamnese-Gruppen. Die Studierenden lernen, in Kontakt mit dem Patienten zu treten und systematisch seinen gesundheitlichen Zustand zu erfragen. Als Supervisor greift Dr. Johannes Jäger (Leiter des Zentrums Allgemeinmedizin) ein, wenn man ihn darum bittet. Der freiwillige Kurs sei ein studentisches Wahlfach und wird vollkommen von Studierenden geleitet. Für die Abschlussprüfung werden Schauspieler als Patienten eingesetzt, damit die Prüfung standardisiert und fair abläuft. Mir fallen spontan auch die Blockkurse vor Semesterbeginn ein: Beispielsweise der zweiwöchige Kurs in der Augenheilkunde, bei dem wir morgens Vorlesung hatten und nachmittags praktische Kurse – ein gutes Konzept, bei dem man sich prima auf ein Thema konzentrieren konnte. In sehr guter Erinnerung habe ich auch den Untersuchungskurs in der Neurologie mit Dr. Mathias Fousse – einem unglaublich engagierten Oberarzt. Im Blockpraktikums-Semester ist man jeweils für ein bis zwei Wochen in jeder Abteilung im Krankenhaus, geht mit zu Untersuchungen und auch mal in den OP. Auch im „Skills Lab“ wird während dieser Zeit geübt: An den modernen Puppen dort haben wir beispielsweise das Reanimieren eines Patienten trainiert – eine extrem wichtige Übung, um Routine zu bekommen.
In meiner Promotion befasse ich mich mit Lehrforschung: Im Medizin-Studium sind Multiple-Choice-Fragen Standard, doch mit der Realität hat das nicht so viel zu tun. Um die kommunikativen und praktischen Fähigkeiten von Studierenden besser bewerten zu können, teste ich ein neues Prüfungsverfahren namens OSCE (Objective Structured Clinical Examination), bei dem Studierende, unter anderem im Fach Allgemeinmedizin, kleine praktische Übungen an verschiedenen Stationen absolvieren müssen. Die Atmosphäre ist dort toll, und es gibt eine Mega-Betreuung durch Professor Fabian Dupont. Wir Studierende werden immer gefragt, was wir im Kurs ändern würden – das wird dann auch irgendwie möglich gemacht. Mich interessiert besonders die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Deshalb möchte ich zunächst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie starten. In der Allgemeinmedizin verstehen wir medizinische Versorgung sehr breit. Besonders wichtig ist mir die Kommunikation mit Menschen auf Augenhöhe."
Sophie Herrmann ist 28 Jahre alt, gebürtige Kölnerin und hat bereits eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege-Assistentin gemacht. Im Wintersemester 2019/20 begann sie mit dem Medizinstudium. In den vergangenen drei Jahren hat sie die Anamnese-Gruppen in Homburg geleitet. Seit 2025 ist sie wissenschaftliche Hilfskraft im Zentrum Allgemeinmedizin, seit Mai 2026 im Praktischen Jahr. Wenn alles nach Plan läuft, wird Sophie 2027 ihr drittes Staatsexamen ablegen und anschließend ihre Facharztausbildung beginnen.
Zentrale Studienberatung
Campus Saarbrücken
Campus Center, Geb. A4 4, EG
Tel.: 0681 302-3513
studienberatung(at)uni-saarland.de
Zentrale Studienberatung

Akkreditierte Studiengänge
Als eine der ersten Hochschulen bundesweit hat die Universität des Saarlandes das Verfahren der Systemakkreditierung erfolgreich durchlaufen. Seit 2012 trägt sie das Siegel des Akkreditierungsrats.
Qualitätsmanagement