03.06.2026

Fahrzeug mit Hightech-Diagnostik wird als Modellprojekt Pflegeheime im Saarland versorgen

Person vor medizinischen Untersuchungsgeräten© Iris Maurer/UdS
Silvia Rauen, Leitende Ärztin der Mobilen Geriatrie Unit, erläutert die Technik im Behandlungsraum des LKWs.

Ein LKW vollgepackt mit Hightech-Diagnostik soll künftig Pflegeheime im Saarland anfahren, um deren erkrankten Bewohnern medizinische Untersuchungen vor Ort zu ermöglichen und ihnen Klinikaufenthalte zu ersparen. Für dieses bundesweit einmalige Modellprojekt haben die Universität des Saarlandes, das Universitätsklinikum und mehrere Partner über acht Millionen Euro Fördergelder vom Gemeinsamen Bundesausschuss bewilligt bekommen. Das neue Fahrzeug wurde nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Saarland gibt es derzeit 160 Pflegeheime, darin leben mehr als 14 000 Menschen, die häufig dement oder in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind. Wenn diese betagten Personen gesundheitliche Probleme bekommen, werden sie meist nur zur Diagnostik für mehrere Tage ins Krankenhaus eingewiesen. Der Transport und die ungewohnte Umgebung belasten diese risikogefährdete Patientengruppe sehr. Um ihnen dies zu ersparen und die Notaufnahmen der Kliniken zu entlasten, hat Klaus Faßbender, langjähriger Medizinprofessor an der Universität des Saarlandes, ein umfangreiches Konzept für die mobile Diagnostik von Pflegeheimbewohnern erarbeitet. Dieses Konzept hat bereits vor vier Jahren den Gemeinsamen Bundesausschuss überzeugt: Das höchste Gremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen beauftragte den Medizinprofessor damit, im Rahmen eines innovativen medizinischen Versorgungsmodells ein passendes Fahrzeug mit technischer Diagnostik zu entwickeln und es an saarländischen Pflegeheimen testweise einzusetzen. 

Neues Fahrzeug entspricht dem Standard einer klinischen Notaufnahme

Das DIKOM-Fahrzeug wurde dafür mit einem Computertomographen, einem Röntgen- und Ultraschallgerät, einem EEG- und EKG-Gerät sowie einem Labor ausgestattet, was dem Standard einer klinischen Notaufnahme entspricht. Der LKW umfasst einen barrierefrei zugänglichen Behandlungsraum und eine hochwertige Ausstattung für die digitale Vernetzung und telemedizinische Kommu­nikation. Anspruchsvoll ist auch die energetische Versorgung, für die ein besonders leistungsfähiges Batte­riesystem entwickelt wurde, das den ganztägigen Betrieb aller diagnostischen Geräte garantiert und die telemedizinische Vernetzun­g erst möglich macht. Die Batterien werden jeweils über Nacht aufgeladen, um die mobile geriatrische Einheit tagsüber voll einsatzbereit zu halten. An der technischen Entwicklung und Umsetzung war die Homburger Firma „A6 JUNG“ maßgeblich beteiligt, die Expertise für Spezialanfertigungen im Fahrzeugbau hat. 

Die „Mobile Geriatrie Unit“ (MGU) wird bei ihren Untersuchungseinsätzen von Fachärzten sowie von medizinisch-technischen Radiologie- und Rettungsassistenten begleitet. Die in dem Spezialfahrzeug erhobenen Daten werden über eine geschützte mobile Übertragung direkt an Spezialisten für Radiologie, Innere Medizin und Geriatrie sowie Neurologie und Orthopädie übermittelt. „Diese Experten werten die Befunde aus und stellen sie zeitnah den überweisenden Hausärzten und den Pflegeteams in den Heimen zur Verfügung, damit diese ihre Patienten in vertrauter Umgebung weiter versorgen können. Auf diese Weise werden die Haus- und Fachärzte vor Ort gestärkt und die Krankenhäuser entlastet. Auch die Beiträge der Versicherten werden wirtschaftlicher eingesetzt“, erklärt Professor Klaus Faßbender.

Wissenschaftliche Begleitung der Einsätze an Pflegeheimen

Die Einsätze des neuen Hightech-Lasters an saarländischen Pflegeheimen werden wissenschaftlich begleitet, um den medizinischen und ökonomischen Nutzen als Basis für eine zukünftige Übernahme in die Regelversorgung zu evaluieren. Unterstützt wird das Modellprojekt mit dem Namen „DIKOM - Diagnostik und Konsil im Pflegeheim mittels Mobiler Geriatrie Unit“ durch die Saarländische Pflegegesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung, alle im Saarland tätigen Kranken- und Pflegekassen, die saarländischen Diagnostikexperten von Xcare, des Caritasklinikums Lebach sowie verschiedener Institute des Universitätsklinikums. 

Projektträger ist die Universität des Saarlandes. Der gesamte innovative Versorgungsprozess wird vom Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (ISO) sowie dem Berliner Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) wissenschaftlich begleitet. Insgesamt haben Professor Klaus Faßbender und sein Team für die Projektlaufzeit von insgesamt drei Jahren zwölf Konsortial- und 33 Kooperationspartner zur Mitwirkung gewonnen. In der im September startenden aktiven Modellphase erhalten zunächst rund 4 000 Heimbewohner aus etwa 50 Pflegeheimen eine „mobile Diagnostik“ in ihrer vertrauten Umgebung.

Hightech-Diagnostik wir zu den betagten Menschen gebracht

Universitätspräsident Ludger Santen sagt anlässlich der Präsentation der mobilen geriatrischen Einheit: „Das DIKOM-Fahrzeug ist ein Musterbeispiel für den Wissenstransfer an der Universität. An der Medizinischen Fakultät entstand die geniale Idee, die Hightech-Diagnostik zu den betagten Menschen zu bringen, um diesen damit belastende Krankenhausaufenthalte zu ersparen. Mit viel Engagement und Erfindergeist sowie der Unterstützung zahlreicher Partner aus der Medizin und Medizintechnik sowie der Sozial- und Gesundheitswirtschaft wurde diese Idee nun buchstäblich auf die Straße gebracht. In der Pilotphase werden saarländische Pflegeheime davon profitieren. Wir hoffen sehr, dass dieses Modellprojekt Bund, Länder und Krankenkassen begeistert, damit das mobile und zugleich hochkarätige Angebot nach erfolgreichem Modellverlauf flächendeckend zum Standard wird.“ 

Jakob von Weizsäcker, Minister der Finanzen und für Wissenschaft des Saarlandes, betont: „Deutschland und das Saarland altern. Für sich genommen ist es ausgesprochen erfreulich, dass unsere Lebenserwartung hoch ist. Damit gehen allerdings neue Anforderungen an unser Gesundheitswesen einher. Um diese besser zu erfüllen, benötigen wir Innovationen. Deshalb begrüße ich die Indienststellung des DIKOM-Fahrzeugs. Damit soll erprobt werden, wie die medizinische Versorgung, einschließlich moderner Diagnostik, zu älteren und pflegebedürftigen Menschen kommen kann. Wir schließen damit im Saarland eine große Versorgungslücke. Die Universität des Saarlandes und das Universitätsklinikum leisten gemeinsam mit ihren Partnern hier echte Pionierarbeit. Ich wünsche dieser neuen Versorgungsform viel Erfolg!“

Staatssekretär David Lindemann, Chef der Staatskanzlei sowie Vorsitzender des Aufsichtsrates des Universitätsklinikums des Saarlandes, ergänzt: „„Mit dem DIKOM-Fahrzeug gehen wir neue Wege in der Gesundheitsversorgung. Denn Wege werden im Alter beschwerlicher. Wenn Experten mit Hightech-Ausstattung die Diagnostik bei den Menschen durchführen, dann profitieren nicht nur die Patienten. Auch Pflegeheime und Krankenhäuser werden durch das innovative Fahrzeug entlastet. Das ist Innovation aus dem Saarland für das Saarland: Eine starke Idee aus Forschung und Gesundheitswesen wurde mit der Expertise eines Homburger Unternehmens Realität. Gemeinsam zeigen wir, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen. So geht Zusammenhalt, so geht Saarland.“

Weitere Informationen: https://www.medizin-daheim.de

Fragen beantwortet und Kontakte vermittelt der Kommunikationsbeauftragte des DIKOM-Modells: Armin Lang, Lang Consult GmbH in Saarbrücken 
Mobil 0171 5202676, Mail: mail(at)langcon.de