25.08.2026

Satellitenbilder und Online-Bewertung: Datenprojekt SOUNDS zeigt, was darin für das Saarland steckt

Portrait von Daniela Braun und Ingmar Weber© Universität des Saarlandes/Thorsten Mohr
Daniela Braun, Politikwissenschaft-Professorin und Ingmar Weber, Alexander-von-Humboldt-Professor für Künstliche Intelligenz, leiten das Societal Observatory Using Novel Data Sources (SOUNDS).

Am 2. September führt das Datenprojekt SOUNDS im Innovation Center der Universität des Saarlandes (Geb. A2 1) vor, was sich aus Satellitenbildern oder Bewertungen auf Google Maps über das Leben im Land herauslesen lässt. Solche Auswertungen können auch im Saarland bei Entscheidungen helfen. Die Landesregierung fördert SOUNDS aus seinem Transformationsfonds. Wirtschaft, Verwaltung und Verbände sind eingeladen, kostenlos bei der Kick-off-Veranstaltung dabei zu sein und eigene Themen einzubringen.

Wenn im Saarland eine geschädigte Waldfläche neu bepflanzt wird, dauert es Jahre, bis sich zeigt, ob die jungen Bäume anwachsen. Auf Satellitenbildern ist das bisher erst zu erkennen, wenn sich ein Kronendach bildet, oft nach fünf Jahren. Angela Nyangate John hat ein Verfahren entwickelt, das die Aufforstung schon rund ein Jahr nach der Pflanzung erkennt. In einem Testgebiet in Kenia fand es 94 Prozent der Stellen, auf denen später Wald wuchs, während ein gängiges Verfahren nur 47 Prozent erkannte. Weltweit sollen bis 2030 mehrere hundert Millionen Hektar Wald nachwachsen. Ob das gelingt, wäre damit viel früher zu prüfen. Praxispartner aus der saarländischen Forstverwaltung sind bei der Veranstaltung am 2. September angemeldet und diskutieren mit.

Spuren, die im Alltag ohnehin entstehen, ersetzen zunehmend Umfragen, Zählungen und Begehungen. Satellitenbilder zeigen, wie stark ein Standort besucht wird, auch wenn einzelne Autos auf den Aufnahmen nicht zu sehen sind. Theophilus Aidoo und Till Koebe lesen das an Parkplätzen ab. Schranken und Kassenautomaten liefern solche Zahlen für einzelne Parkplätze, Satellitenbilder für alle in einer Region gleichzeitig. Ein Einzelhändler erkennt daran, wie belebt eine Lage jenseits der eigenen Tür ist, eine Stadt, wo Parkplätze fehlen und wo sie leer stehen.

In Google-Bewertungen von Schwimmbädern steht, wie Badegäste über Begegnungen mit anderen Gästen schreiben. Ethel Mensah hat 1,2 Millionen davon ausgewertet. In rund 40 Prozent der Rezensionen geht es um solche Begegnungen, in etwa zwei Prozent davon werden die Beteiligten über Herkunft, Ethnie, Kultur oder Religion beschrieben und dieser Anteil steigt. Ob es Zusammenhänge mit der politischen und sozialen Lage vor Ort gibt, ist Teil der laufenden Untersuchung.

Diese Beispiele stehen für über ein Dutzend Projekte, aus denen Anwendungen für Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung im Saarland entstehen können.

Kick-off-Veranstaltung von SOUNDS am 2. September

Die Kick-off-Veranstaltung am 2. September beginnt um 9:30 Uhr und hat zwei Schwerpunkte, vormittags die Forschung und ihre Methoden, nachmittags die Anwendung in der Praxis. Melanie Revilla vom Institut Barcelona d'Estudis Internacionals berichtet, was sechs Jahre Forschung mit Bild-, Sprach- und Nutzungsdaten über die Verlässlichkeit solcher Quellen gezeigt haben. Danach stellen die Forscherinnen und Forscher ihre Projekte vor und diskutieren die Ergebnisse an ihren wissenschaftlichen Postern. In kurzen Gesprächsrunden suchen beide Seiten anschließend nach gemeinsamen Themen.

Am Nachmittag zeigt Christina Elmer, die an der TU Dortmund die erste deutsche Professur für Datenjournalismus innehat, wie Redaktionen Datenlücken mit Datenspenden, Ersatzgrößen und eigenen Messungen schließen. Danach teilen sich die Gäste auf drei Workshops auf. Mit East Side Fab, dem Innovationsnetzwerk im Saarland, entwickeln Fachleute aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft mit den Forschern gemeinsame Fragen und erste Projekte. In zwei Workshops mit Triathlon, dem Gründungs- und Innovationszentrum der Universität, geht es um Ausgründungen, also um einen Karriereweg, der bei Nachwuchsforscherinnen – und forschern  selten mitgedacht wird. Universitätspräsident Ludger Santen, Oberbürgermeister Uwe Conradt und Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker sprechen die Grußworte.

Anmeldung unter: https://www.uni-saarland.de/forschen/sounds/kick-off-veranstaltung.html

Hintergrund: Das Transformations-Projekt SOUNDS

Das Societal Observatory Using Novel Data Sources (SOUNDS) ist an der Universität des Saarlandes angesiedelt. Geleitet wird es von Daniela Braun, Professorin für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Europäische Integration und Internationale Beziehungen, und Ingmar Weber, Alexander-von-Humboldt-Professor für Künstliche Intelligenz mit dem Forschungsgebiet Societal Computing. SOUNDS geht von gesellschaftlich relevanten Fragen aus und beantwortet sie mit Methoden der Informatik und neuartigen Datenquellen, darunter Satellitenbilder, Beiträge in sozialen Medien, Suchanfragen, Bewertungen und Kartendienste. Die Ergebnisse sollen Entscheidungen unterstützen, öffentliche Beteiligung fördern und die Demokratie widerstandsfähiger machen. 

Die Landesregierung fördert SOUNDS seit 2025 mit 29 Millionen Euro aus dem Transformationsfonds für Forschung und Wissenstransfer Saar, das Projekt läuft bis August 2032. Daraus sollen Arbeitsplätze, Kooperationen mit Unternehmen und Verwaltungen sowie Ausgründungen aus der Forschung entstehen.

Weitere Informationen: www.uni-saarland.de/sounds

Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind zum Kick-off eingeladen und sollten sich auch über folgendem Link anmelden. Interviewtermine mit den Forscherinnen und Forschern sowie Bildmaterial vermittelt das Projektteam: projekt-sounds(at)uni-saarland.de