Das neue Verbundvorhaben wird im Rahmen des Horizon Europe-Programms mit rund fünf Millionen Euro gefördert.
Die meisten Menschen auf dem europäischen Kontinent leben in Städten. Sie sind von extremen Wettereignissen wie Hitzewellen und Überschwemmungen, die bedingt durch den Klimawandel weiter zunehmen werden, besonders betroffen. Die Europäische Union hat daher Nachhaltigkeitsziele definiert, die unter anderem mit Hilfe von Fördermitteln in den Städten und Kommunen umgesetzt werden sollen. „Wir wollen herausfinden, wie politische Strategien von der europäischen Ebene über die nationalen Regierungen in die Regionen und Städte getragen werden. Was kommt an, was wird wirksam umgesetzt und woran liegt es, dass manche Städte schon sehr weit sind und andere mit ähnlichen Strukturen beim Thema Nachhaltigkeit eher hinterherhinken?“, erklärt Florian Weber, Professor für Europastudien der Universität des Saarlandes, der ein Teilprojekt innerhalb eines neuen europäischen Forschungskonsortiums leitet.
Am Beispiel der vier Städte Saarlouis, Münster, Ljubljana und Koper wollen der Europawissenschaftler und sein internationales Team untersuchen, welche Vorgaben der Europäischen Union in den Kommunen besondere Beachtung finden und möglicherweise schon zu einschneidenden Veränderungen geführt haben. „Wir schauen uns dafür öffentliche Dokumente wie Nachhaltigkeitsstrategien, Klimaschutzkonzepte und Stadtratsbeschlüsse an. Außerdem werden wir mit zahlreichen Stakeholdern der Städte Interviews führen, um herauszufinden, wo sie ihre Schwerpunkte sehen. Das reicht von verkehrsberuhigten Innenstädten und gut ausgebauter Rad- und Nahverkehrsinfrastruktur über begrünte Fassaden und städtische Alleen bis hin zur Förderung der erneuerbaren Energien“, sagt Florian Weber.
Die slowenische Hauptstadt Ljubljana wurde bereits 2016 als „European Green Capital“ ausgezeichnet. Rund drei Viertel ihres Stadtgebietes besteht aus grünen, geschützten oder landwirtschaftlich genutzten Flächen, die historische Altstadt ist eine autofreie Zone und gut mit Fahrrad und Nahverkehr zu erreichen. Die Stadt hat sich außerdem schon früh einer strengen Zero-Waste-Politik verschrieben, um Abfälle zu vermeiden und eine wirksame Kreislaufwirtschaft zu verfolgen. In Saarlouis wird im Rahmen des Interreg-Projekts „LivableCities“ beispielsweise bereits bearbeitet, wie die Stadt vor extremen Wetterereignissen besser geschützt werden kann. Dazu sollen Flächen entsiegelt und diese ebenso wie Dächer und Fassaden begrünt werden: Nach dem Schwammstadt-Konzept sollen außerdem unterirdische Regenwasserspeicher angelegt werden. „Wir wollen, dass Städte in Europa voneinander lernen und noch stärker erfahren, mit welchen Maßnahmen Nachhaltigkeitsziele auf kommunaler Ebene umgesetzt werden können“, so Florian Webers Kollegin Julia Dittel.
„Beim Projektantrag konnten wir auf das europäische Hochschulnetzwerk Tranform4Europe zurückgreifen, in dem unter anderem die Universität des Saarlandes und die Universität Primorska mit Standorten in Izola und Koper schon länger zusammenarbeiten“, erläutert Julian Wendlinger aus dem Dezernat Internationale Beziehungen. Die Ausschreibung im Rahmen von Horizon Europe war hochkompetitiv, nur acht Prozent der Anträge wurden bewilligt, darunter das neue Verbundprojekt „WISE: From Widening to urban Sustainability, Innovation and Excellence“ mit einem Gesamtvolumen von 4,98 Millionen Euro und einer Laufzeit von vier Jahren. Beteiligt sind daran 16 Partner aus zwölf europäischen Ländern, darunter elf Universitäten sowie fünf öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure. Ziel ist es, die Forschungsexzellenz in den neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu stärken und die nachhaltige Entwicklung in europäischen Städten voranzutreiben.
Der Forschungsverbund umfasst verschiedene Teilprojekte, etwa zur Fernerkundung für Klimaanpassungsmaßnahmen oder zum Werkstoff Holz. Das Teilprojekt PoliSCI (Policy transfer driving sustainable and resilient cities), das die nachhaltige Stadtentwicklung vergleicht, wird von Florian Weber und Julia Dittel in Saarbrücken geleitet. An der Universität des Saarlandes sind auch Marie Darimont und Julian Wendlinger vomTransform4Europe-Projektmanagement im Dezernat Internationale Beziehungen beteiligt.
Weitere Informationen:
https://www.uni-saarland.de/lehrstuhl/weber/forschung/urbane-nachhaltigkeit-wise-polisci.html
Fragen beantworten:
Prof. Dr. Florian Weber (ab 9. September)
Europastudien | Schwerpunkte Westeuropa und Grenzräume
Tel.: 0681 302-64220
Mail: florian.weber(at)uni-saarland.de
Marie Darimont
Transform4Europe-Projektmanagerin
Tel.: 0681 302-2872
Mail: marie.darimont(at)uni-saarland.de
Julian Wendlinger
Transform4Europe-Projektmanager
Mail: julian.wendlinger(at)uni-saarland.de


