16.09.2026

Wie KI juristische Arbeit erleichtert – Institut für Rechtsinformatik stellt neue KI-Werkzeuge vor

Portraitfoto von Professor Georg Borges© Iris Maurer
Professor Georg Borges, geschäftsführender Direktor des Instituts für Rechtsinformatik an der Universität des Saarlandes.

KI kann Juristinnen und Juristen mehr Zeit für ihre eigentliche juristische Arbeit verschaffen: Auf dem EDV-Gerichtstag vom 23. bis 25. September auf dem Saarbrücker Campus stellt das Institut für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes KI-Werkzeuge für Forschung, Lehre und Studium vor. Bis zu 70 bis 80 Prozent des Aufwandes für sonst zeitraubende Tätigkeiten wie Nachweissuche könne die KI abnehmen, schätzt Professor Georg Borges.

Der Rechtsinformatiker und sein Team haben Werkzeuge für konkrete Anwendungsfälle entwickelt, die sie in der kostenlosen und frei verfügbaren Toolbox „Legal work with AI“ samt Anleitungen bündeln – von der Gedankenskizze über Recherche bis zur Überprüfung von Texten.

In der juristischen Arbeit gibt es zahlreiche Tätigkeiten, die eine Menge Zeit kosten. Etwa die Suche nach Nachweisen. „Die Recherche macht bei rechtswissenschaftlichen Texten traditionell einen erheblichen Teil der Arbeitszeit aus“, erklärt Professor Georg Borges, geschäftsführender Direktor des Instituts für Rechtsinformatik. Borges und sein Team haben hierfür eine automatisierte Nachweissuche entwickelt. „Nach unseren Erfahrungen kann diese 70 bis 80 Prozent der Arbeitszeit einsparen. Mit den neuesten KI-Modellen konnten wir hier einen echten Durchbruch erzielen“, sagt der Rechtsinformatiker und führt beispielhaft an: „200 Einzelnachweise für meinen jüngsten Aufsatz konnte ich in einer Stunde automatisch einfügen, drei Tage hat deren Überprüfung gedauert.“

Ein Dutzend solcher Anwendungen enthält die Saarbrücker Jura-Toolbox derzeit für die Erstellung rechtswissenschaftlicher Texte für Forschung und Studium. „Für künftige Juristinnen und Juristen ist die professionelle Nutzung von KI-Werkzeugen eine zentrale Schlüsselqualifikation“, sagt Borges. Die Toolbox erleichtere ihre Anwendung.

„Die Werkzeuge, die wir entwickelt haben, setzen bei Aufgaben an, die den juristischen Arbeitsalltag prägen. Beim wissenschaftlichen Schreiben unterstützt KI beispielsweise dabei, Gedanken zu ordnen, Gliederungen zu verbessern und Textentwürfe auszuarbeiten. Als kritischer Gesprächspartner kann sie zudem helfen, Argumente zu hinterfragen und mögliche Schwächen einer juristischen Begründung zu erkennen“, erklärt der Rechtsinformatiker.

Sinnvolle Werkzeuge enthält die Toolbox auch für den Bereich Studium und Lehre: „Hier reichen die Anwendungsfälle von digitalen Karteikarten bis zur Verschriftlichung von Vorlesungen und Interviews. Auch die Erstellung von Besprechungsfolien aus juristischen Musterlösungen und die Kürzung ausführlicher Foliensätze gehören dazu“, sagt Georg Borges. Besonders interessant sei auch hier die KI-gestützte Nachweissuche. „Wer einen Aufsatz, eine Dissertation oder eine Hausarbeit schreibt, benötigt Quellen, die einzelne Aussagen belegen. Gerade bei speziellen Fragestellungen kann die Suche nach einer geeigneten Passage aufwändig sein“, sagt Borges. KI solle hier nicht lediglich Literatur zum gleichen Thema vorschlagen, sondern konkrete Fundstellen erschließen. Auch Hinweise auf Gegenauffassungen seien wertvoll, um die eigene Argumentation kritisch zu überprüfen.

„Die KI-Dienste lassen sich mit eigenen Fachliteratursammlungen verbinden. Forscherinnen und Forscher können so auf Materialien aufbauen, die sie ohnehin für ihre Arbeit zusammengetragen haben“, erklärt der Jurist. Darin liege die Chance, zeitintensive Sucharbeit erheblich zu erleichtern und mehr Raum für die inhaltliche Auseinandersetzung zu schaffen. Weitere KI-Werkzeuge haben Borges und sein Team für die Analyse formaler Textfehler, die Nachweiskontrolle und die Prüfung von Literaturverzeichnissen auf möglicherweise erfundene Quellen entwickelt.

Wichtig bei allem, betont Borges, sei, dass der Mensch auch hier immer Herr des Verfahrens bleiben und seine Rolle in diesem Sinne verstehen müsse: „Die Verantwortung beim KI-Einsatz bleibt immer beim Menschen: Es muss immer fachlich überprüft werden, ob zum Beispiel ein Nachweis belastbar ist und die Originalquelle eine Aussage tatsächlich trägt“, sagt Georg Borges.

Die kostenlose und frei verfügbare Toolbox wird am Stand des Instituts für Rechtsinformatik während des EDV-Gerichtstags vom 23. bis 25. September 2026 im Gebäude B4 1 an der Universität des Saarlandes interaktiv vorgestellt.

Die Pressemitteilung zum EDV-Gerichtstag selbst, finden Sie unter folgendem Weblinkhttps://www.uni-saarland.de/aktuell/edvgt-2026-50529.html

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Instituts für Rechtsinformatik: 
https://www.rechtsinformatik.saarland

Die Pressemitteilung zum EDV-Gerichtstag selbst, finden Sie unter folgendem Weblink: https://www.uni-saarland.de/aktuell/edvgt-2026-50529.html

Über das Institut für Rechtsinformatik

Das Institut für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes zählt zu den führenden deutschen Forschungseinrichtungen auf seinem Gebiet. Es forscht und lehrt zu den rechtlichen und technischen Fragen der digitalen Welt. Themen sind unter anderem IT-Sicherheit, Datenschutz, elektronische Gerichtsverfahren, digitale Verwaltung, intelligente Energiesysteme sowie Fragen rund um autonome Systeme. Darüber hinaus engagiert sich das Institut in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Dazu gehören besondere Studienangebote, Zertifikatsprogramme und ein Masterstudiengang im Bereich Informationstechnologie und Recht.

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Georg Borges, Institut für Rechtsinformatik, Universität des Saarlandes 
Tel.: +49 (0)681 302-3105 ; E-Mail: georg.borges(at)uni-saarland.de

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