01.06.2026

Tagung: Wie kommen KI-Werkzeuge im Geschichts-Studium sinnvoll zum Einsatz?

Beide Dozentinnen im Seminar© Oliver Dietze
KI trifft Geschichte – Professorin Cristina Andenna (links) und die promovierte Historikerin Miriam Weiss (rechts) erforschen mit Studierenden im experimentellen Lehr-Projekt KI-Duett, wie KI-Sprachmodelle zu guten Ergebnissen und Ideen führen.

Wie verändern digitale Werkzeuge wie ChatGPT & Co. Studium und Lehre in den Geschichtswissenschaften? Wie können Studierende und Lehrende die Vorteile der neuen Technologien nutzen – und wie die Nachteile vermeiden? Diesen Fragen gehen vom 10. bis 12. Juni Fachleute aus Geschichts- und Bildungswissenschaften gemeinsam mit Studierenden auf den Grund. Zur Tagung laden die Projekte KI-Duett (Universität des Saarlandes) und Digilehr (TU Chemnitz) auf den Saarbrücker Campus ein.

Beide Projekte und die Tagung werden von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert. 
Interessierte sind zum Eröffnungsvortrag eingeladen. Eine digitale Teilnahme ist möglich. 
Die Medien sind herzlich eingeladen.

KI-Assistenten wie ChatGPT sind für Studierende, die mit Internet und Smartphones aufgewachsen sind, selbstverständlicher Teil des Alltags – und damit auch ihres Studiums. „Wichtig ist ein sinnvoller Einsatz der neuen Werkzeuge“, betont die Historikerin Cristina Andenna von der Universität des Saarlandes. „Die neuen Technologien bringen in Studium und Wissenschaft große Vorteile mit sich. Sie bergen aber für Studierende auch Risiken, und zwar dann, wenn sie diese auf falsche Weise einsetzen“, sagt die Professorin für Geschichte des Mittelalters. „Uns ist es wichtig, fundierte Hilfestellung und Anleitung zu geben, damit Studierende lernen, mit diesen neuen Instrumenten selbstverantwortlich umzugehen, sie gewinnbringend einzusetzen sowie den kritischen Blick zu bewahren und ihre Grenzen zu erkennen", erklärt Cristina Andenna.

Um konkrete Erkenntnisse zu gewinnen, wie ein sinnvoller Einsatz aussieht und wie nicht, hat Andenna gemeinsam mit der Historikerin Miriam Weiss an der Universität des Saarlandes das Projekt KI-Duett ins Leben gerufen. „Es handelt sich um ein experimentelles Lehr-Projekt“, erklärt Miriam Weiss. „Im Selbstversuch erproben und erforschen wir in einem Seminar gemeinsam mit Studierenden, wo und wie KI-Sprachmodelle im Studium zu guten Ergebnissen und Ideen führen, wo Grenzen liegen und wo der Einsatz wissenschaftlich gefährlich wird“, sagt die promovierte Historikerin. Ziel ist, Bewusstsein für die Problematik und das Handwerkszeug zu vermitteln, um die Technologie kreativ einzusetzen. Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert das Projekt KI-Duett im Rahmen des „Freiraum“-Förderprogramms – ebenso wie das Projekt Digilehr an der TU Chemnitz: Der Mittelalterhistoriker Professor Martin Clauss untersucht dort gemeinsam mit den Historikern Christoph Pretzer und Avi Friederich, wie digitale Tools sinnvoll in der Hochschullehre eingesetzt werden. Beide Projekte arbeiten zusammen mit Studierenden und entwickeln neue Lehr-Lern-Formate. Sie sind in der Geschichtswissenschaft angesiedelt, ihre Erkenntnisse aber sollen über die Fachgrenze hinaus genutzt werden können. 

Gemeinsam laden die Projekte KI-Duett und Digilehr vom 10. bis 12. Juni ein zu einer Tagung unter dem Motto „Neue Werkzeuge – neue Wege“. 26 Expertinnen und Experten aus Geschichts- und Bildungswissenschaften, die sich mit dem Einsatz digitaler Werkzeuge in Lehre und Studium beschäftigen, sowie zahlreiche Studierende, die an diesen Projekten mitarbeiten, stellen Forschungsergebnisse rund um digitale Werkzeuge und innovative Ideen für die geschichtswissenschaftliche Hochschullehre vor. Dabei geht es unter anderem darum, wie neue technische Möglichkeiten die Lehre ergänzen können: neben KI‑basierten Chatbots zum Beispiel durch neue interaktive Lehr- und Lernformate wie mit KI erstellte Erklärvideos, Audioformate oder VR- oder AR-Brillen, die digitale Inhalte in die reale Welt einblenden und so etwa historische Objekte in digitalen Sammlungen neu zugänglich machen oder die Nutzer komplett in frühere Zeiten versetzen können.

Die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer diskutieren über neu auftretende Herausforderungen und die sich wandelnde Rolle der Dozentinnen und Dozenten wie auch über die Grenzen der digitalen Werkzeuge in der Lehre. Wie Lernprozesse funktionieren, und welche Rolle Technik dabei aus der Perspektive der Bildungswissenschaften spielen kann, wird ebenso Teil des Austauschs sein wie rechtliche Aspekte des KI-Einsatzes.

Studierende tragen einen wesentlichen Teil zur Tagung bei. „Die studentische Sicht ist gerade auf diesem Gebiet für uns Lehrende sehr aufschlussreich“, betont Professorin Cristina Andenna. „Wollen wir für die junge Zielgruppe gute Lehre machen, die die Studierenden auf ihrem technischen Stand erreicht, müssen wir sie als Expertinnen und Experten einbeziehen und ihnen Raum geben, Lehre mitzugestalten“, erklärt sie. Mehrere Vorträge halten Dozentinnen, Dozenten und Studierende gemeinsam. Am Donnerstagnachmittag wird es einen eigenen Workshop von Studierenden der deutschlandweit agierenden Digital Change Makern für Dozentinnen und Dozenten zu Erwartungen und Möglichkeiten hinsichtlich KI in der Hochschullehre geben. 

Außerdem findet eine große Posterausstellung von Studierenden statt, die während der Tagung Fragen zu ihren Ergebnissen beantworten. „Rund 30 Studentinnen und Studenten stellen kreative Lehrformate vor, die sie mit Künstlicher Intelligenz entwickelt haben wie zum Beispiel eine Zeitung zu den Inhalten einer Lehrveranstaltung oder einen Escape-Room mit Lerninhalten“, sagt Miriam Weiss. „Die digitalen Werkzeuge eignen sich besonders gut, um Studierende wie auch Lehrende zu motivieren und die Lehre mit neuen Ideen zu bereichern. Dies ist auch ein zentrales erstes Ergebnis unseres Projekts KI-Duett, das noch bis 2027 läuft“, sagt die Historikerin. 

Die Konferenz startet am Mittwochabend, 10. Juni, um 18 Uhr, mit einem öffentlichen Vortrag im Innovation Center (A2 1) auf dem Saarbrücker Campus: Die Leiterin des Bildungscampus Saarland, Anika Limburg, promovierte Germanistin und Expertin für KI-Einsatz in der Lehre, wirft einen Blick auf den Stand der KI in der Hochschullehre und zieht „eine Zwischenbilanz mit offenen Enden“. Am 11. und 12. Juni findet die Tagung in den Räumen des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI, Campus D3 2) statt.

Interessierte können auch digital teilnehmen. 
Anmeldung bitte an: gico00001(at)stud.uni-saarland.de

Programm der Tagung: https://www.uni-saarland.de/lehrstuhl/andenna/ki-in-forschung-und-lehre/veranstaltungen

Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert die Tagung, die in Kooperation mit dem DFKI stattfindet.

Fragen beantworten:

Prof. Dr. Cristina Andenna, Universität des Saarlandes, Professur für Geschichte des Mittelalters: Tel.: 0681/302-3312, E-Mail: cristina.andenna(at)uni-saarland.de

Dr. Miriam Weiss: Tel.: +49 681 302-2373, E-Mail: miriam.weiss(at)uni-saarland.de

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