30 September 2026

Niklas Bender wurde zum Professor für französische und italienische Literaturwissenschaft ernannt

Porträtfoto© UdS
Niklas Bender ist neuer Professor für französische und italienische Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes.

Niklas Bender ist neuer Professor für französische und italienische Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes. Er untersucht die Literaturen Frankreichs und Italiens in mehreren Epochen und interessiert sich dabei für so unterschiedliche Themen wie die Wechselwirkung von Literatur und Wissenschaft, die Funktionsweise von Komik, die Darstellung alttestamentlicher Figuren in der Literatur oder den Einfluss von Drogen auf die Literatur.

Ein Interessensschwerpunkt ist die französische Literatur des 19. Jahrhunderts, zu der Niklas Bender seit der Dissertation forscht: Er ist „dix-neuviémiste“, wie man in Frankreich sagt. Gustave Flaubert steht im Zentrum, hinzu kamen zuletzt Gérard de Nerval, Théophile Gautier und Charles Baudelaire. Die Konzentration auf einen Zeitraum erlaubt es, mit französischen Fachkollegen auf Augenhöhe zu kooperieren. Derzeit untersucht Niklas Bender die Bedeutung von Drogen, welche Schriftstellern die nötige Inspiration verschafft haben – in Vorwegnahme heutiger Vorstellungen von transhumaner Erweiterung durch Designerdrogen. 

Sein Spezialgebiet meint keine historische Verengung: Die Veröffentlichungen von Niklas Bender reichen von Ludovico Ariosto bis zu Comics von Catherine Meurisse. Ein gutes Beispiel ist das Buchprojekt, das Niklas Bender vor Kurzem zum Abschluss gebracht hat: „König Saul: Der missglückte Anfang und Europas religiöses Erbe“ ist 2025 beim Wallstein Verlag erschienen. Wem der Name Saul nur vage etwas sagt, kann beruhigt sein: Der erste König des Volkes Israel ist in Vergessenheit geraten. Dabei ist sein Schicksal – erst von Gott erwählt, dann wegen mangelndem Gehorsam verworfen – spannend: es enthält Kriege, Rivalität, eine Hexe, einen Geist sowie grausame Strafen. Das ist der Grund, warum Schriftsteller von Dante Alighieri bis André Gide Saul-Darstellungen verfasst haben – eine Steilvorlage für Literaturwissenschaftler, die niemand genutzt hatte; die „große Studie“ (laut Rezension der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) von Niklas Bender hat das geändert.

Ob Spezialisierung oder Weite, Niklas Bender sieht sich als Literatur-Vermittler. Das gilt in der Lehre, wo Überblicksvorlesungen vertiefende Seminardiskussionen vorbereiten. Es gilt aber auch über die Universität hinaus: Seit einem Vierteljahrhundert verfasst er Texte zur französischen und italienischen Gegenwartsliteratur für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, seien es Buchbesprechungen, Autorenporträts, Meldungen oder Essays. In seinem Buch „Verpasste und erfasste Möglichkeiten“ (2018) hat er die Rolle des Lesens heute untersucht. Und er freut sich, zeitgenössischen Autoren zu begegnen, sie im Rahmen von Lesungen zu moderieren und zu befragen. 

Niklas Bender hat Professuren unter anderem in Freiburg, Trier, Tübingen und Hamburg vertreten. Er folgt Romanistik-Professorin Patricia Oster-Stierle nach und tritt seine Professur zum 1. Oktober 2026 an.. 

Kurzbiografie

Niklas Bender hat Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin und an der Université Paris 8 studiert. Während seiner Promotion an diesen Universitäten im Rahmen einer „co-tutelle de thèse“, also einer deutsch-französischen Doppelbetreuung, war er Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin, Stipendiat an der École normale supérieure (rue d’Ulm, Paris) und Assistent an der Eberhard Karls-Universität Tübingen. In Tübingen hat er sich in Romanischer Philologie (Literatur), in Allgemeiner sowie in Vergleichender Literaturwissenschaft habilitiert.