07 October 2026

Promotionspreise am 8. Oktober: Ausgezeichnet geforscht!

Eulen-Statuetten© Jörg Pütz/UdS
Die Universitätsgesellschaft zeichnet jedes Jahr herausragende Doktorarbeiten aus. Auch in diesem Jahr wird der Promotionspreis wieder in der Aula verliehen. Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten eine solche Eulen-Statuette und ein Preisgeld.

Was hilft gegen den weltweiten Bewegungsmangel? Gibt es ein Grundrecht auf Umweltschutz? Wie verhalten sich Risse im Mikrokosmos? Insgesamt vierzehn herausragende Doktorarbeiten zeichnet die Universitätsgesellschaft des Saarlandes am Donnerstag, dem 8. Oktober, um 18 Uhr in der Aula auf dem Saarbrücker Campus mit Promotionspreisen aus.

Über 2.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen derzeit auf dem Saarbrücker und Homburger Campus an ihrer Doktorarbeit. 14 Forscherinnen und Forscher, die ihre Promotion an der Universität des Saarlandes abgeschlossen haben, zeichnet die Universitätsgesellschaft für ihre herausragenden Leistungen aus – darunter Viktoria Egele, Demian Haddad und Jutta Luksch.

 

Mehr Bewegung beginnt im Kopf – Kleine Ziele, Erfolge feiern und "Ich schaff das"-Selbstzuspruch

Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO aus dem Jahr 2024 herrscht weltweit Bewegungsmangel. Fast ein Drittel der Erwachsenen, rund 1,8 Milliarden Menschen, bewegen sich zu wenig. Die Folgen sind massiv. „Die fehlende Bewegung hat gesundheitliche und psychische Auswirkungen, das reicht von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Typ-2-Diabetes bis hin zu Depressionen. Die Kosten für die Gesundheitssysteme gehen in die Milliarden“, sagt Viktoria Egele. Die Gesellschaft, die Politik, aber auch jeder Einzelne sei gefragt, Verantwortung zu übernehmen. Mit ihrer Doktorarbeit bei Bildungswissenschaftler Professor Robin Stark will die promovierte Psychologin gegensteuern. „Mein Ziel ist, zu untersuchen, wie man dieses Bewegungsverhalten erklären und verändern kann“, sagt Viktoria Egele, die erforschte, warum es manchen gelingt, sich zu motivieren, während andere Vorsätze immer wieder aufschieben. Mit ihrer Doktorarbeit, für die sie jetzt ausgezeichnet wird, liefert sie wichtige Grundlagen, um wirksame Maßnahmen gegen Bewegungsmangel zu entwickeln.

Um das Bewegungsverhalten zu erklären, wird häufig die Sozial-Kognitive Theorie des Psychologen Albert Bandura ins Feld geführt. Diese geht davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken: soziale Faktoren, wie der Wohnort oder die Sicherheit von Straßen, sowie persönliche Überzeugungen, wie die sogenannte Selbstwirksamkeit, die Erwartung an die Folgen eines Verhaltens und die Zielsetzung. Bislang fehlte ein Modelltest, der dieses Zusammenspiel anhand echter Daten überprüft. 

Diesen Modelltest hat Viktoria Egele jetzt in ihrer Forschung geliefert: Sie konnte Banduras Theorie erstmals mit Praxisdaten im deutschsprachigen Raum belegen. Hierzu entwickelte sie einen Fragebogen, um Selbstwirksamkeit, Erwartungen, persönliche Ziele und soziale Rahmenbedingungen gemeinsam zu erfassen. In fünf Studien konnte sie die theoretischen Zusammenhänge der Sozial-Kognitiven Theorie bestätigen. 

„Eine entscheidende Rolle spielt die Selbstwirksamkeit, also der Glaube an die eigene Fähigkeit, etwas erfolgreich umsetzen zu können: die subjektive Überzeugung, ich kann, wenn ich will“, sagt Egele. Hierzu legte sie in einem zweiten Teil der Dissertation nach: Bisher wurde häufig angenommen, dass bestimmte Einflussfaktoren wichtiger sind als andere. Ihre Analysen zeigen jedoch ein differenzierteres Bild: Vor allem eigene Erfolgserlebnisse, aber auch positive und negative Gefühle sowie die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren zeigen großen Einfluss darauf, ob Menschen sich zutrauen, körperlich aktiv zu sein. Auch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Menschen unterschiedliche Muster solcher Einflussfaktoren aufweisen. 

Viktoria Egeles Erkenntnisse können künftig dabei helfen, Bewegungsprogramme stärker auf einzelne Personen zuzuschneiden, statt allen dieselben Empfehlungen zu geben. Und sie kann wissenschaftlich fundiert dazu beitragen, dass mehr Leute in Bewegung kommen – mit einem Tipp für alle: „Wer sich mehr bewegen will, sollte die Selbstwirksamkeit und eigenen Erfolgserfahrungen steigern: Kleine, individuell passende Ziele angehen, zum Beispiel statt der 10.000 Schritte mit 3.000 beginnen, die Erfolge jeweils feiern und: morgens vor dem Spiegel sagen: ‚Ich schaff das! Ich schaffe auch 5.000‘ – und sich dann steigern.“ Viktoria Egele arbeitet an Robin Starks Lehrstuhl jetzt an einer neuen Studie, um ihre Forschungsergebnisse auch auf internationaler Ebene zu belegen.

 

Ein Grundrecht auf Umweltschutz im Grundgesetz?

Trockenheit, Hitze, Waldbrände, Starkregen, Flutkatastrophen… Die Folgen des Klimawandels zeigen sich immer deutlicher. Vor diesem Hintergrund wird die Forderung nach einem eigenständigen Grundrecht auf Umweltschutz laut. Gibt es im Grundgesetz ein solches Grundrecht? Inwiefern lässt sich aus den bestehenden Verfassungsnormen ein Umweltgrundrecht ableiten? Kann ein solches Grundrecht entwickelt werden und wenn ja, wie? Diesen Fragen ging der Saarbrücker Rechtswissenschaftler Demian Haddad in seiner Doktorarbeit bei Jura-Professorin Annette Guckelberger nach. Er prüfte zahlreiche Verfassungsbestimmungen auf ihren ökologischen Gehalt und analysierte insbesondere die Rolle von Artikel 20a des Grundgesetzes.

„Die Verfassung kann durchaus sehr ökologisch interpretiert werden. Der Umweltschutz als solcher ist jedoch dem Grunde nach einzig in Artikel 20a unseres Grundgesetzes verankert, der den Staat verpflichtet, auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen. Hierbei handelt es sich allerdings um eine rein objektive Staatszielbestimmung und nicht um ein unmittelbar einklagbares individuelles Grundrecht“, erklärt Demian Haddad. Ein originäres Grundrecht würde dagegen dem Einzelnen ein subjektives Abwehr- und Leistungsrecht geben. Mit seinem viel beachteten Klimabeschluss habe das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2021 das Grundgesetz in ökologischer Hinsicht jedoch spürbar aufgeladen.

„Artikel 20a wird man für die Zukunft sogar als Umweltgrundrecht ansehen können, wenn zuvor auf Völkerrechtsebene ein rechtsverbindliches Menschenrecht auf Umweltschutz etabliert wird. Der Wortlaut der Verfassungsbestimmung müsste dann aber neu gefasst werden“, sagt der Jurist, der bei seiner Forschungsarbeit aktuelle Entwicklungen im internationalen und europäischen Menschenrechtsschutz, die globale Klimaschutzdebatte sowie rechtsvergleichende Perspektiven betrachtete. Demian Haddad untersuchte auch, wie eine ausdrückliche Verankerung eines Umweltgrundrechts im Grundgesetz gelingen könnte.

Mit seiner Doktorarbeit, die jetzt mit dem Promotionspreis ausgezeichnet wird, liefert er einen wesentlichen Beitrag zu den aktuellen Debatten über den Klimaschutz, die Menschenrechte und unsere Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen.

 

Jutta Luksch erforschte, wie Risse im Mikrokosmos wachsen

Ob Smartphone, Haushaltsgerät oder Industriemaschine: Kommen Dinge in die Jahre, ermüdet bekanntermaßen ihr Material. Risse sind dann sogar mit bloßem Auge zu erkennen. „Ermüdungsrisse begrenzen die Lebensdauer von Bauteilen stark“, sagt die Materialforscherin Jutta Luksch. Schon lange bevor es sichtbar wird, entstehen Mikroschäden. Tief im Inneren der Werkstoffe geschieht weit mehr, als an der Oberfläche zu erahnen ist. „In den uns geläufigen Größenordnungen ist bereits gut erforscht, wie solche Ermüdungsrisse wachsen. Hier gibt es etablierte Methoden, um die entsprechenden Kennwerte in den Bauteilen zu überprüfen“, sagt Jutta Luksch. 

Ganz anders aber sieht es aus, je kleiner Bauteile werden. „Die Prüfmethodik im mikroskopischen Bereich ist noch lange nicht so weit entwickelt. Mit der zunehmenden Miniaturisierung von Bauteilen brauchen wir dringend Prüfmethoden für die Mikrometerebene, um zu verstehen, wie sich in diesem Maßstab Materialien unter Belastung verhalten“, erklärt die Materialwissenschaftlerin. Die bekannten Kennwerte aus großen Größenordnungen einfach zu übertragen, funktioniert nicht immer. Im Kleinen gelten teils andere Gesetze. Was also passiert bei Rissen in der Mikrowelt, in Bereichen kleiner als eine Haaresbreite? Dieser Frage ging Jutta Luksch in Ihrer Doktorarbeit bei Professor Christian Motz auf den Grund. Sie untersuchte, wie sich Risse in miniaturisierten Bauteilen ausbreiten und welche physikalischen Phänomene dabei eine Rolle spielen. Und sie erforschte, inwieweit die klassischen Prüfmethoden des Ermüdungsrisswachstums auf die Mikrowelt übertragbar sind.

Dabei arbeitete die Forscherin mit Mikroproben, Bälkchen aus nanokristallinem Nickel von nur etwa 20 Mikrometern – deutlich dünner als ein menschliches Haar. Sie verbog die Mini-Bälkchen, schaute mit dem Rasterelektronenmikroskop den Rissen live beim Wachsen zu und entwickelte eine Methodik, um zu prüfen, wie sich Ermüdungsrisse dabei auf der Mikro- und Mesoskala verhalten. „Der Größeneffekt ‚kleiner ist stärker‘ gilt hier eingeschränkt. Kleinere Proben reagieren deutlich empfindlicher auf Belastungsänderungen. Zudem streuten die Ergebnisse stärker: Das Verhalten der Risse wurde mit abnehmender Größe weniger vorhersehbar“, erläutert Jutta Luksch.

Außerdem nahm sie unter anderem Schichtsysteme aus feinkristallinem und grobkristallinem Nickel unter die „Lupe“, die unterschiedliche Härte aufweisen. Sie wandte hier die von ihr entwickelten Prüfmethoden an, beobachtete, welchen Einfluss die Schichten auf senkrecht zulaufende Risse hatten: ob sie diese stoppen oder zur Schwachstelle machen. „Diese Ergebnisse sind etwa für Mikro-Schweißnähte relevant“, sagt die Forscherin, die an der Universität des Saarlandes jetzt eine Nachwuchsgruppe für nachhaltige Materialien im Transformationsprojekt CircularSaar leitet, bei dem sich alles um Kreislaufwirtschaft dreht. 

 

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Promotionspreises 2026 (ihre Doktorväter und Doktormütter in Klammern) und ihre Forschungsthemen:

Fakultät für Empirische Humanwissenschaften und Wirtschaftswissenschaft

  • Dr. Peter Pfeiffer (Prof. Dr. Peter Loos)

„Business Process Representation Learning“

  • Dr. Viktoria Sophie Egele (Prof. Dr. Robin Stark)

„The Foundation of Physical Activity Behavior: A Social Cognitive Theory Lens on Assessment, Predictive Power, Theoretical Validity, and the Sources of Self-Efficacy“

 

Medizinische Fakultät

  • Dr. Nadia Alawar (Prof. Dr. Ute Becherer)

„The journey of murine CD8-positive T lymphocytes-derived exosomes from the cell via the organelles to the target“

  • Dr. Philipp Markwirth (Prof. Dr. Michael Böhm)

„Renale Denervation reduziert die myokardiale Expression von Pattern Recognition Receptors sowie die Plasma-Konzentration des Urämietoxins Indoxylsulfat und hemmt die Entstehung einer linksventrikulären Hypertrophie in einem Rattenmodell der chronischen Nierenerkrankung“


Fakultät für Mathematik und Informatik

  • Dr. Niklas Oliver Metzger (Prof. Dr. Bernd Finkbeiner)

„Algorithms for Reasoning about Information Flow and Knowledge in Distributed Systems“

  • Dr. Marcel Adrian Scherer (Prof. Dr. Michael Hartz)

„Typical Spectra and Non-Communicative Choquet Theory“

  • Dr. Christof Tinnes (Prof. Dr. Sven Apel)

„Understanding and Supporting Software Model Evolution through Edit Operation Mining and AI-based Software Model Completion“


Naturwissenschaftlich-Technische Fakultät

  • Dr. Martin Alderete Gómez (Prof. Dr. Frank Mücklich)

„Design, characterization, and modeling of new electrical contact material systems containing carbon nanoparticles“

  • Dr. Franziska Fries (Prof. Dr. Rolf Müller)

„Mechanistic Characterization of Synthetic and Natural Antibiotics Targeting Multidrug-Resistant Pathogens“

  • Dr. Jutta Luksch (Prof. Dr. Christian Motz)

„Einfluss des mechanischen Kontrastes sowie Größeneffekte auf das Ermüdungsrisswachstum von Ni- und Ni/Cu-Mikroproben“

  • Dr. Anna-Lena Thömmes (Prof. Dr. David Scheschkewitz)

„Introducing low-coordinate molecular germanium into polymeric materials“

 

Philosophische Fakultät

  • Dr. Elsie Cohen (Prof. Dr. Markus Messling)

„Penseurs de l'exil. Enquête sur les migrations forcées d’intellectuels vers la France et l’Allemagne au XXIᵉ siècle“

  • Dr. Sarah Minor (Prof. Dr. Wolfgang Behringer)

„Ein Land der Freiheit? Kameralismus, Werbenetzwerke und die deutsche Migration ins Russländische Reich zwischen 1763 und 1825“

 

Rechtswissenschaftliche Fakultät

  • Dr. Demian Haddad (Prof. Dr. Annette Guckelberger)

“Ein eigenständiges Grundrecht auf Umweltschutz im Grundgesetz? – Eine Analyse unter Berücksichtigung aktueller Entwicklungen im internationalen, europäischen und verfassungsrechtlichen Menschenrechtsschutzsystem”


Bei der Preisverleihung am 8. Oktober geben die Preisträgerinnen und Preisträger ab 18 Uhr in der Aula auf dem Saarbrücker Campus (A3 3) einen unterhaltsamen Einblick in ihre ausgezeichnete Forschung. In seiner Festrede erläutert der Geschäftsführer der Universitätsgesellschaft, Professor Frank Mücklich, die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft: „Circular Economy – klingt gut, aber was bedeutet das konkret?“. 

Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten wie jedes Jahr eine Eulen-Statuette und ein Preisgeld. Die Preisgelder finanziert die Universitätsgesellschaft mit ihren Stifterinnen und Stiftern. 
Die Veranstaltung wird von der Universitätsgesellschaft in Kooperation mit dem Early Career Office der Universität ausgerichtet. 

Kontakt zu Preisträgern und Ansprechpartnerin bei Fragen:
Anna-Maria Braun: E-Mail: academic-career(at)uni-saarland.de

Hintergrund

Die Auszeichnung trägt seit diesem Jahr den Titel „Promotionspreis der Universität des Saarlandes“. Die Universitätsgesellschaft hat den Namen des bisherigen „Dr. Eduard-Martin-Preises“ geändert. Auf Basis des Gutachtens einer Expertengruppe hatte der Senat der Universität am 24. Juni 2026 dem früheren Präsidenten der Freunde-Vereinigung der Universität, Dr. Eduard Martin, und weiteren Persönlichkeiten aufgrund ihrer NS-Vergangenheit die Ehrensenatorenwürde symbolisch-deklaratorisch aberkannt. 

Die Universitätsgesellschaft des Saarlandes bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Studierende mit Ehemaligen (Alumni) und Förderern in intensiven Kontakt. Sie fördert das akademische Leben im Saarland und unterstützt vor allem Studierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen. 
https://www.unigesellschaft-saarland.de

Das Early Career Office vernetzt Promovierende der Universität des Saarlandes und bietet für ihre überfachliche Qualifizierung ein vielfältiges Weiterqualifizierungs- und Förderprogramm. 
https://www.uni-saarland.de/forschen/early-career.html

 

Pressefotos zum Download: 
Hier finden Sie nach nach der Veranstaltung auch Pressefotos von der Preisverleihung.

Die Pressefotos können Sie mit Namensnennung des Fotografen als Fotonachweis honorarfrei in Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung und der Berichterstattung über die Universität des Saarlandes verwenden.