24 August 2026

Professor Helmut Schmidt wird 85 Jahre alt

Portraitfoto© privat
Prof. Dr. Helmut Karl Schmidt

Am 28. August kann der ehemalige wissenschaftlich-technische Leiter und geschäftsführende Direktor des Leibniz-Instituts für Neue Materialen Prof. Dr. Helmut Karl Schmidt in Saarbrücken seinen 85. Geburtstag begehen.

1941 in Augsburg geboren, studierte er an der Technischen Universität München Chemie und Chemie-Ingenieurwesen, wurde 1973 mit der Studie „Heterogene Katalyse mit Philipps-Katalysatoren“ promoviert und trat eine Post-Doc-Stelle an der Freien Universität Berlin an. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA wechselte er 1975 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Fraunhofer-Institut für Silicat-Forschung in Würzburg (ISC), das er durch wegweisende anwendungsorientierte Neuentwicklungen prägte. 1986 wurde Helmut Schmidt zum Direktor des Instituts und zum Mitglied des Senats der Fraunhofer-Gesellschaft berufen. 1989 habilitierte er sich an der Universität Würzburg im Fachbereich Anorganische Chemie; des Weiteren folgten Gründungs-Aktivitäten und internationale Forschungsaufenthalte unter anderem am MIT (Massachusetts Institute of Technology) Cambridge, USA.

1990 nahm Schmidt den Ruf zum ordentlichen Professor an der Universität des Saarlandes an – verbunden mit der Position des geschäftsführenden Direktors und Wissenschaftlichen Leiters des „Instituts für Neue Materialien gem. GmbH“ (INM) in Saarbrücken (Gesellschafter: 51 Prozent Universität des Saarlandes, 49 Prozent Saarland, seit 1991). Explizite Aufgabe des neuen Instituts war es, neue Technologien in die Anwendung zu führen, um die Wirtschaftsstruktur des Saarlandes zu stärken. Als Pionier der chemischen Nanotechnologie für Oberflächenwerkstoffe baute der Jubilar auf der Basis dieser Technologie – insbesondere auch durch vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Materialforschungsprogramme der EU und der Industrie finanzierte Projekte – das Institut mit zuletzt 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu einer international renommierten Einrichtung aus.

Aufgrund der in kurzer Zeit erlangten überregionalen Bedeutung des Instituts und seines Konzepts zur Umsetzung von F&E-Ergebnissen wurde das Institut durch den Wissenschaftsrat schon 1993 zur Aufnahme in die Wissenschaftsgemeinschaft „Blaue Liste“ (die spätere Leibniz-Gemeinschaft) empfohlen und nach einem langen „Aufrückprozess“ 1999 in die Bund-Länder-Finanzierung aufgenommen. 2003 folgte dann die Umfirmierung in „Leibniz-Institut für Neue Materialien“. Ein Meilenstein in der Geschichte des Instituts war die Akquisition der Mittel für das Anwenderzentrum NMO (Neue Materialien für Oberflächentechnik).

Das erfolgreich umfangreiche Drittmittel akquirierende Institut pflegte vielfältige internationale Kooperationen und entwickelte zahlreiche Innovationen im Bereich der Medizin und Umwelttechnik, im Automobilbau, der Optik oder Bautechnik. So förderte das INM sowohl den Technologietransfer und den Strukturwandel als auch die Gründung von elf neuen Unternehmen. Des Weiteren mitbegründete und koordinierte das Institut zusammen mit der Universität Tübingen unter anderem das Deutsche Kompetenzzentrum für chemische Nanotechnologien (CCNanoChem).

Am Ende seiner Dienstzeit im August 2005 ehrte die „International Society of Sol-Gel Science and Technology“ Professor Schmidt mit der erstmaligen Vergabe des „Life Time Award“. Außerdem ist er unter anderem Träger des „George W. Morey Award of the Glass and Optical Materials Division of the American Ceramic Society” sowie Fellow der American Ceramic Society.

Das wissenschaftliche Œuvre des Jubilars, der zahlreichen nationalen und internationalen Fachgesellschaften angehört und rund 100 Dissertationen und Masterarbeiten betreut hat, umfasst unter anderem rund 400 Publikationen und 150 Patentfamilien. Neben dem wissenschaftlichen Werk ist gleichermaßen der technologische Umsetzungserfolg hervorzuheben. So sind aus rund 400 Projekten unter Einbindung von Industriepartnern an die 100 erfolgreiche Umsetzungen in Produkte hervorgegangen, die heute noch weiterhin am Markt sind, darunter Trennsysteme für HIV- und Hepatitis-Analyse oder unzählige Hartbeschichtungen. 

Nach seiner Saarbrücker Tätigkeit am Institut gründete und leitete Helmut Schmidt als Geschäftsführender und als Technischer Direktor bis 2011 zunächst in Zweibrücken und später in Henriville (Lothringen) die „Engineered Nano Products Germany“ und errichtete dann in Saarbrücken die HSM TechConsult GmbH. Diese ist auf Beratung, Produktentwicklung und auf Innovations-Management für neue Oberflächentechniken mit Sol-Gel und chemischen Nanotechnologie-Prozessen ausgerichtet. Hierzu steht der HSM ein nationales und internationales Partnernetzwerk für die technische Umsetzung zur Verfügung. Derzeitiger Aktivitätsschwerpunkt ist Fernost. Beispiele für technische Entwicklungen sind Oberflächen-Multi-Funktionswerkstoffe und hocheffiziente flexible Barriereschichten.

Kontakt:
Dr. Wolfgang Müller, Universitätsarchiv
wolfgang.mueller(at)uni-saarland.de und dr.wolfgang-mueller(at)t-online.de

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