Der Journalismuspreis Informatik wurde 2006 erstmalig ausgelobt und ist mit insgesamt 16.000 Euro dotiert. Die Preisgelder der Hauptpreise in den drei jeweils mit 5.000 Euro dotierten Kategorien „Text“, „Audio“, und „Video und Multimedia“ stiftet das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie. Zudem stiftet das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in diesem Jahr erneut einen mit 1.000 Euro dotierten Sonderpreis. Ziel des Journalismuspreises Informatik ist, qualitativ hochwertige Berichterstattung über Fachkreise hinaus zu Themen der Informatik zu fördern.
Schirmherr Jürgen Barke, saarländischer Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie sagt: „Mit dem Journalismuspreis Informatik zeichnen wir herausragende, kritische Berichterstattung über digitale Themen aus und stärken zugleich das Vertrauen in komplexe Technologien. Journalistinnen und Journalisten machen Chancen und Risiken der Informatik verständlich, fördern die digitale Bildung und ermöglichen es den Bürgerinnen und Bürgern, sich fundiert eine eigene Meinung zu bilden – ein zentraler Beitrag zur gesellschaftlichen Verantwortung im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.“
Insgesamt bewertete die Jury in diesem Jahr 84 Beiträge. Die Jury des Journalismuspreises Informatik bilden Peter Bylda, langjähriger Redakteur der Saarbrücker Zeitung und nun freier Journalist, Peter Hergersberg, Chefredakteur des Wissenschaftsmagazins MaxPlanckForschung, Isabel Münch, Fellow der Gesellschaft für Informatik, Dr. Wolfgang Pohl, Geschäftsführer der Bundesweiten Informatikwettbewerbe, Florian Possinger vom Saarländischen Rundfunk, Vera Sikes, Fachbereichsleiterin im Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik und Leiterin des BSI-Standorts Saarbrücken, Dr. Christel Weins, Naturwissenschaftlerin und Mitgründerin des Journalismuspreises, der freie Technik- und Wissenschaftsjournalist Peter Welchering und Prof. em. Dr. Dr. h.c. Reinhard Wilhelm, Informatik-Professor der Universität des Saarlandes und langjähriger Leiter des Leibniz-Zentrums für Informatik Schloss Dagstuhl.
Die prämierten Beiträge des Journalismuspreises Informatik 2025 im Einzelnen:
Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis in der Kategorie „Text“ geht an Greta Friedrich für den Beitrag „Koste es, was es wolle: Big-Tech-Unternehmen verschwenden mit ihren Investitionen Ressourcen“, erschienen am 10. September 2025 im Magazin „c’t - Magazin für Computertechnik“ und bei heise online. Der Beitrag ist abrufbar unter: https://www.heise.de/ratgeber/Wie-Big-Tech-Unternehmen-Umwelt-und-Mensch-gefaehrden-10508672.html
Begründung der Jury: In ihrem Beitrag zeigt Greta Friedrich die verheerenden Folgen des KI-Booms für Umwelt und Menschen auf. Anhand zahlreicher Beispiele und Studien beschreibt sie, wie namhafte Tech-Konzerne in ihrer „Gigantomanie“ rücksichtslos Ressourcen verbrauchen, um im Rennen um die KI-Marktführerschaft vorne zu sein. Es wird von überlasteten Stromnetzen und (wieder) in Betrieb genommenen Atomkraftwerken berichtet, die Rechenzentren mit Energie versorgen. Auch von der Wasserknappheit in den Regionen rund um diese Zentren wird berichtet, weil große Mengen für die Kühlung von KI-Beschleunigern abgegriffen werden. Es geht zudem um die psychischen Belastungen der Menschen, die an der Feinjustierung von Sprachmodellen arbeiten. Der Artikel bietet einen Überblick über den Status quo und macht eindringlich deutlich, dass jede Nutzung von KI hinterfragt werden sollte. Er nimmt die Tech-Konzerne in die Pflicht und sensibilisiert zugleich die Nutzer. Ein herausragender Beitrag zu einem gesellschaftlich brisanten und hochrelevanten Thema.
Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis in der Kategorie „Audio“ geht an Sarah Kriesche für den Beitrag „Wie Algorithmen unser Leben formen“, der am 8. Mai 2025 als vierter Teil einer Radiokolleg-Reihe zum Thema Algorithmen im Sender „Ö1“ des Österreichischen Rundfunks (ORF) veröffentlicht wurde. Der Beitrag ist online abrufbar unter: https://oe1.orf.at/programm/20250508/794317/Wie-Algorithmen-unser-Leben-formen-4
Begründung der Jury: In einer zunehmend von Algorithmen geprägten Gesellschaft geht Sarah Kriesche der Frage nach, welche Entscheidungen Maschinen treffen können und welche dem Menschen vorbehalten bleiben sollten. Ein eindrückliches Beispiel aus den Niederlanden, bei dem ein KI-System Menschen über Jahre hinweg fälschlicherweise Sozialbetrug unterstellte, schafft gleich zu Beginn ein starkes Problembewusstsein. Danach beleuchtet der Beitrag verschiedene Facetten der von Algorithmen geprägten Gesellschaft: Er erklärt die Grundlagen des Machine Learning, thematisiert die problematische Anthropomorphisierung von KI, also die Zuschreibung menschlicher Eigenschaften und Emotionen, und greift zugleich zentrale Fragen nach Verantwortung, Macht und Transparenz auf. Dabei geht es auch um den Aspekt, wie sich die Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger im Umgang mit solchen Systemen stärken lässt. Aufgelockert durch prägnante O-Töne und musikalische Einspieler entsteht ein kurzweiliges Hörerlebnis, wobei dennoch vielfältige Aspekte behandelt werden. Die Jury hebt besonders die Sorgfalt und Korrektheit hervor, mit der diese Vielzahl an Themen aufgearbeitet wurde.
Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis in der Kategorie „Video & Multimedia geht an Julian Schmidli, Pascal Albisser, Keto Schumacher und Marina Kunz für den Beitrag „Der toxische Sog der Manosphere“, online erschienen am 4. Dezember 2025 im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Der Beitrag ist abrufbar unter: https://www.srf.ch/news/schweiz/radikalisierung-auf-tiktok-der-toxische-sog-der-manosphere
Begründung der Jury: Der visuell aufwändig gestaltete Online-Beitrag von Julian Schmidli, Pascal Albisser, Keto Schumacher und Marina Kunz zeigt eindrücklich, wie schnell Jugendliche auf TikTok in der sogenannten „Manosphere“ landen können – einer Social-Media-Subkultur, die von toxischer Männlichkeit, Frauenfeindlichkeit und Selbsthass geprägt ist. Der Artikel verdeutlicht: Bereits nach durchschnittlich fünf Minuten Scrollen stieß das Team mit seinen präparierten Test-Accounts auf erste toxische Inhalte aus diesem Umfeld. Eine brandgefährliche Entwicklung mit messbaren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit junger Männer, wie die Autoren anhand einer Studie belegen. Der Beitrag beleuchtet verschiedene Facetten des Problems und entwickelt durch seine multimediale Aufmachung mit anschaulichen Grafiken, eingebundenen Videos und Illustrationen selbst eine regelrechte Sogwirkung, der man sich bis zum Ende kaum entziehen kann. Gerade im Kontext aktueller Debatten über mögliche Social-Media-Verbote für Jugendliche ein hoch relevanter und aufschlussreicher Beitrag.
Der mit 1.000 Euro dotierte Sonderpreis des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) prämiert den Artikel „So klappt’s mit der KI“ von David Krenz, veröffentlicht am 12. September 2025 in „GEOlino“, dem Wissensmagazin für Kinder.
Begründung der Jury: David Krenz widmet sich im Kindermagazin GEOlino der anspruchsvollen Aufgabe, einer jungen Leserschaft komplexe Themen aus der Informatik verständlich näherzubringen. In klarer, altersgerechter Sprache und unterstützt durch anschauliche visuelle Elemente erklärt er die Funktionsweise von KI-Systemen, zeigt praktische Anwendungsfelder auf und thematisiert zugleich deren Risiken. Sorgfältig ausgewählte Experten helfen dabei, das Gelesene einzuordnen, während Erfahrungsberichte junger KI-Nutzerinnen und -Nutzer zusätzliche Nähe zur Lebenswelt der Kinder schaffen. Die Jury hebt insbesondere hervor, wie wichtig es ist, Kinder frühzeitig an neue Technologien heranzuführen und sie für einen reflektierten, mündigen Umgang zu sensibilisieren. Dies gelingt David Krenz mit einer dreiteiligen Serie zum Thema KI und insbesondere dem prämierten ersten Teil in herausragender Weise.
Hintergrund Saarland Informatics Campus
1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und rund 2800 Studierende aus mehr als 81 Nationen machen den Saarland Informatics Campus (SIC) zu einem der führenden Standorte für Informatik in Deutschland und Europa. Vier weltweit angesehene Forschungsinstitute, nämlich das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Max-Planck-Institut für Informatik, das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme, das Zentrum für Bioinformatik sowie die Universität des Saarlandes mit drei vernetzten Fachbereichen und 24 Studiengänge decken das gesamte Themenspektrum der Informatik ab. https://saarland-informatics-campus.de/
Redaktion:
Philipp Zapf-Schramm
Max-Planck-Institut für Informatik
Tel: +49 681 9325 5409
E-Mail: pzs(at)mpi-inf.mpg.de
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