04 February 2026

Emmy-Noether-Programm: Philosophin will den Genderbegriff grundsätzlich durchleuchten

Porträtfoto
© Thorsten Mohr/UdSDie Philosophin Viktoria Knoll von der Universität des Saarlandes leitet eine Emmy-Noether-Gruppe zum Genderbegriff.

Frau, Mann, non-binär? Gender, das soziale Geschlecht, bestimmt viele Aspekte unseres Lebens: vom Namen, den wir bei der Geburt erhalten, der Kleidung, die wir tragen, bis zur Ausbildung, die wir absolvieren. Geschlecht ist etwas zutiefst Persönliches und zugleich politisch umstritten. Da mag es überraschen, dass sich die analytische Philosophie noch wenig mit dem Begriff „Gender“ beschäftigt hat. Viktoria Knoll, Forscherin der Universität des Saarlandes, will das nun auf grundlegende Weise tun.

Sie wird dafür mit rund einer Million Euro aus dem Emmy-Noether-Programm der DFG gefördert.

„Das Geschlecht bestimmt unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft, die Art unseres Zusammenlebens. Einzelne Menschen können Schaden nehmen, wenn sie wegen ihres Geschlechts diskriminiert oder benachteiligt werden“, sagt die promovierte Philosophin Viktoria Knoll, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Philosophischen Institut der Universität des Saarlandes forscht. Nicht verwunderlich sei es daher, dass Debatten über Geschlecht heute zu den umstrittensten und politisch brisantesten Debatten gehörten. „In der Philosophie wurde diese politische Dimension von Genderdebatten in den vergangenen Jahrzehnten durchaus gesehen. Es wurden auch die sozialen und moralischen Aspekte der Geschlechterfrage diskutiert“, unterstreicht Viktoria Knoll. 

Was jedoch bisher weitgehend fehle, sei eine grundlegende, theoretische Auseinandersetzung der Philosophie mit dem Genderbegriff. „Was heißt es genau, Mann, Frau oder non-binär zu sein? Wie funktioniert unser Sprechen über Geschlecht? Wie identifizieren wir uns selbst mit unserem Geschlecht? Und wie lassen sich unsere Diskurse dazu analysieren?“, nennt die Philosophin beispielhaft für die noch unbeantworteten Forschungsfragen.

Mit der nun bewilligten Emmy-Noether-Gruppe kann sie zwei Promotionsstellen besetzen, um im Team die metaphysischen, sprachphilosophischen und methodologischen Themen anzugehen, die bei der grundlegenden Analyse von Gender helfen sollen. „Wir werden dabei zum Beispiel untersuchen, welche normativen Überlegungen bei der Beantwortung dieser Fragen eine Rolle spielen. Zudem wollen wir auf der Grundlage der reichhaltigen Ressourcen und der Geschichte der Metaphysik und Sprachphilosophie eine metaphysisch fundierte und analytisch präzise Theorie des Geschlechts entwickeln“, erklärt Viktoria Knoll.

 Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) 

Mit dem Emmy-Noether-Programm fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) herausragend qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in frühen Karrierephasen, deren Promotion maximal vier Jahre zurückliegt und die über internationale Erfahrung verfügen sowie eine Postdoc-Phase durchlaufen haben. Die Saarbrücker Philosophin Viktoria Knoll erhält jetzt rund eine Million Euro für die Gründung einer Emmy-Noether-Gruppe. Von 26 Emmy-Noether-Förderungen in der Philosophie gingen bislang nur sechs an Frauen – ein Grund mehr für Viktoria Knoll dieses Thema der feministischen Philosophie voranzutreiben.

Weitere Informationen:

Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft: https://www.dfg.de/de/foerderung/foerdermoeglichkeiten/programme/einzelfoerderung/emmy-noether 

Webseite von Viktoria Knoll: https://www.uni-saarland.de/fachrichtung/philosophie/professuren/dr-viktoria-knoll.html

Fragen beantwortet:

Dr. Viktoria Knoll
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Fachrichtung Philosophie der Universität des Saarlandes
Mail: viktoria.knoll(at)uni-saarland.de