Masern-Ausbrüche in Zukunft immer häufiger?

B. Gärtner & T. Meyer

Einer schnellen Ausrottung der Masern kommt eine große Bedeutung zu, da diese Erkrankung schwerwiegend ist und viele Todesopfer fordert sowie bleibende Schäden verursachen kann. Dieses Ziel ist allerdings nur erreichbar, wenn die Immunität in der Gesamtbevölkerung sehr hoch ist. Jene Immunität, die nach Wildmasern (also der „echten“ Masernerkrankung) besteht, ist qualitativ besser als die Immunität nach Impfung. Denn auch nach einer korrekt durchgeführten Impfung ist es – im Gegensatz zur Situation nach einer Wildmaserninfektion - in wenigen Fällen möglich, trotzdem mit Wildmasern infiziert zu werden. Natürlich sind nur sehr wenige Menschen trotz Impfung empfänglich, diese geringe Zahl kann aber ausreichend sein, um Infektionsketten weiter bestehen zu lassen. Da das Masernvirus nur Menschen infizieren kann, ist der Erreger für sein Überleben auf diese Infektionsketten angewiesen. Es müssen „aus Sicht des Virus“ immer empfängliche Menschen in ausreichender Zahl vorhanden sein, damit es fortexistieren kann. Dies sind natürlich vor allem die Ungeimpften (und noch nicht Erkrankten), aber zunehmend auch die wenigen Geimpften, die trotz Impfung empfänglich bleiben.

Bei guter Herdimmunität (genügend Immune um eine infizierte Person herum) wären die Masern auszurotten. Dazu ist es wichtig, eine möglichst hohe Gesamt-Immunität in der Bevölkerung herzustellen, damit die Infektionsketten abbrechen. Dies muss schnell geschehen, weil sonst die wenigen Geimpften, die empfänglich bleiben, ausreichen, um die Infektionsketten weiter aufrecht zu erhalten. Die abnehmende Zahl der früher an Wildmasern Erkrankten schwächt quasi die Gesamtimmunität, wenn dies nicht durch eine noch höhere Zahl an Impfungen kompensiert wird.

Aktuelle Meldungen

Influenza-Ausbruch in Australien:
In mehreren Bundesstaaten, u. a. New South Wales und Western Australia werden für die Jahreszeit ungewöhnlich viele Influenza-Fälle gemeldet. Besonders betroffen ist Queensland, hier sind bereits im November und Dezember 2018 etwa 3.500 Menschen erkrankt, in den Vergleichszeiträumen der letzten 5 Jahre waren es durchschnittlich nur etwa 1.200. Seit Anfang des Jahres 2019 wurden 2.600 Infektionen bestätigt, 2018 waren es zu dieser Zeit 881. Sportler sollten Impfschutz beachten. Weitere Informationen unter Grippe (Virusgrippe, saisonale Influenza).

Grippesaison in Deutschland in vollem Gange:
Die Grippesaison verläuft jährlich etwa von Dezember bis April. Die Grippesaison 2018/19 hat in der zweiten Januarwoche begonnen. Bislang wurden rund 60.000 laborchemisch bestätigte Fälle beim Robert Koch-Institut registriert. Besonders betroffen ist Ostdeutschland. Insgesamt scheint die Grippeaktivität jedoch deutlich geringer als im Vorjahr, als rund 320.000 Infektionen laborchemisch bestätigt werden konnten. Die meisten Infektionen in dieser Saison werden durch Influenza A ausgelöst. Impfschutz und persönliche Hygiene beachten. Weitere Informationen unter Grippe (Virusgrippe, saisonale Influenza).

Masernausbruch in der Wintersportregion Auvergne-Rhône-Alpes (Frankreich):
Seit Ende Januar 2019 wurden aus dem Wintersportort Val Thorens (Region Auvergne-Rhône-Alpes) 25 Erkrankungen gemeldet. Betroffen sind ungeimpfte junge Erwachsene, die dort während der Skisaison arbeiten. Auch zwei dänische Touristen sind nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub erkrankt. Seit November 2017 sind die Fallzahlen landesweit stark gestiegen. 2018 sind 2.727 Menschen erkrankt und 3 verstorben. Besonders betroffen war die Region Nouvelle-Aquitaine mit Bordeaux und Poitiers. Unbedingt Impfschutz beachten. Weitere Informationen unter Masern.

Masernausbrüche in Jerusalem und Tel Aviv (Israel):
Ende 2018 begann ein Masernausbruch, bei dem bisher über 3.100 Erkrankungen gemeldet wurden. Im gesamten Vorjahr (2017) waren es nur 34. Die meisten Infektionen stammen aus Gemeinden ultra-orthodoxer Juden in Jerusalem, aber auch Tel Aviv ist betroffen. Impfkampagnen wurden gestartet. Unbedingt Impfschutz beachten. Weitere Informationen unter Masern.

Deutliche Masern- und Rötelnzunahme in Japan:
Seit Jahresbeginn 2019 wurden landesweit bereits ca. 200 Masernerkrankungen gemeldet. Es ist die höchste Zahl im Vergleichszeitraum seit 10 Jahren. Besonders betroffen sind die Präfekturen Mie und Osaka auf der Insel Honshu. Weitere Informationen unter Masern. Zudem sind 2018 etwa 3.000 Menschen an Röteln erkrankt, im gesamten Vorjahr 2017 waren es nur 70. Besonders betroffen sind die Stadt Tokio und die Präfekturen Chiba, Kanagawa, Aichi, Ibaraki und Saitama auf der Insel Honshu. Die meisten Patienten sind Männer zwischen 30 und 50 Jahren. Die Behörden haben die Bevölkerung zur Impfung aufgerufen und eine Impfkampagne für Männer der betroffenen Altersgruppe initiiert. Vor einer Reise sollte immer auch der Standardimpfschutz überprüft und ggf. aufgefrischt werden.

Masern-Epidemie auf den Philippinen:
Seit Anfang 2019 wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörden im Großraum Manila (National Capital Region) mehr als 2.930 Infektionen und 52 Todesfälle gemeldet. Auch in den anderen Landesteilen steigen die Fallzahlen an. Landesweit wurden 2019 bereits ca. 12.740 Erkrankungen und 203 Todesfälle registriert. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es etwa 2.790 Infektionen und 25 Todesfälle. 2018 sind insgesamt landesweit ca. 21.810 Menschen erkrankt, etwa fünfmal so viele wie im Vorjahr. Es gibt Vermutungen, dass die Zunahme der Masernfälle auf einer gesteigerten Impfskepsis basiert. Nach einer Impfkampagne 2016 und 2017 gegen Dengue hatte es mehrere Todesfälle gegeben. Impfkampagnen wurden nun gegen Masern gestartet. Impfschutz beachten. Weitere Informationen unter Masern.

Deutliche Zunahme des Dengue-Fiebers in Malaysia:
Seit Mitte September 2018 steigen die wöchentlichen Fallzahlen deutlich an. Seit Anfang des Jahres 2019 wurden bereits ca. 25.000 Erkrankungen und 40 Todesfälle gemeldet. Mehr als die Hälfte aller Fälle stammt weiterhin aus Selangor (Westküste der malaysischen Halbinsel). In der Provinz Penang im Nordwesten der malaysischen Halbinsel haben sich die Fallzahlen im Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum etwa verdreifacht. 2018 wurden landesweit mindestens 80.615 Erkrankungen und 147 Todesfälle registriert. 2017 wurden ca. 82.840 Infektionen verzeichnet, es gab 171 Todesfälle. Eine mangelhafte Abfallwirtschaft könnte eine Ursache für die hohen Fallzahlen sein. Die Arbovirose ist wie in ganz SO-Asien auch in Malaysia endemisch, vor allem auf der Halbinsel. Da es hier keine terminierten Regenzeiten gibt, ist ständig mit einem Übertragungsrisiko zu rechnen, das nach stärkeren Regenperioden regional ansteigt. Schutz vor den vorwiegend tagaktiven Überträgermücken beachten. Weitere Informationen unter Dengue-Fieber.

Zunahme des Dengue-Fiebers auf Jamaika:
Presseberichten zufolge wurden im Januar 2019 bereits über 500 Verdachtsfälle registriert. Besonders betroffen ist die Küstenstadt Portmore (SO). Offiziell wurden 2018 landesweit insgesamt 1.166 Erkrankungen und 8 Todesfälle gemeldet. Damit sind die Fallzahlen 2018 im Vergleich zum Vorjahr (2017: 215 Infektionen) bereits stark gestiegen. Auch die Zahl der hämorrhagischen Verläufe ist von 38 auf 70 Fälle gestiegen. 2018 sind dabei 19 Menschen verstorben, 2017 waren es 6. Die meisten Erkrankungen wurden in der Region Kingston and St Andrew Corporation verzeichnet. Auf der Insel zirkuliert Dengue Typ 3. Schutz vor den überwiegend tagaktiven Überträgermücken beachten. Weitere Informationen unter Dengue-Fieber.

Gelbfiebergefahr in Nigeria:
Seit September 2017 wurden bis Ende Dezember 2018 landesweit über 4.000 Verdachtsfälle und rund 50 Todesfälle gemeldet. Die Behörden haben Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet, eine Impfkampagne hat begonnen. Eine Impfung ist für alle Reisenden empfohlen. Weitere Informationen unter Gelbfieber.

Erneut ansteigende Fallzahlen beim bislang größten Lassa-Ausbruch in Nigeria:
Im ersten Quartal 2018 wurde der bisher größte Ausbruch Nigerias verzeichnet. Die Zahl der Neuinfektionen lag dann zwischen April und etwa Mitte November leicht über dem Vorjahresniveau und steigt seitdem wieder an. 2018 wurden insgesamt 3.498 Verdachtsfälle verzeichnet, 633 Infektionen und 171 Todesfälle wurden bestätigt. Seit Anfang 2019 wurden schon über 1.100 Verdachtsfälle gemeldet, 355 davon wurden bestätigt. 75 Menschen sind verstorben. Die Fallzahlen sind bereits höher als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres. Die Mehrzahl der Erkrankungen stammt aus den Bundesstaaten Edo und Ondo. Lassa ist in Nigeria endemisch und verbreitet sich v. a. über Nager. Die Übertragung erfolgt durch die Ausscheidungen von Mäusen auf anschließend vom Menschen verzehrte Lebensmittel. Die Viren können aber auch über Tröpfcheninfektion, Wundinfektion oder durch Sekrete direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Für Reisende besteht nur ein geringes Infektionsrisiko.

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