Return to Sport

Aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Daten ist eine Entscheidung über die Rückkehr zum Sport nach einer Infektion (ggf. differenziert nach Training und Wettkampf) in der Regel individuell in einer gemeinsamen Absprache zwischen dem Sportler, dem betreuenden Arzt und dem Trainer zu treffen. Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Kriterien als eine Art Entscheidungshilfe für eine optimale Wahl des "return to sport"-Zeitpunktes zu verstehen.


Absolute Kontraindikationen für die Sportausübung:

•    Fieber (> 38° C) oder Körpertemperatur 0,5 bis 1° C höher als gewöhnlich

•    Ruhe-Puls > 10/min höher als normal

•    Gliederschmerzen bzw. generalisierte Symptome (Krankheitsgefühl, "grippal", "matschig") im Rahmen einer akuten Infektion

•    Lymphadenopathie


Notwendige Untersuchungen vor einer „Return to sports“

•    Symptomanamnese

•    Körperliche Untersuchung

•    Inflammationsparameter (v. a. Differentialblutbild und CRP; ggf. Leberenzyme und weitere Parameter) zur Objektivierung des klinischen Eindrucks; sind aussagekräftiger, wenn sie "im Verlauf" bestimmt werden: Abnahme auch zu Infektbeginn und als Monitoring

Abklärung kardialer Mitbeteiligung/Myokarditis:
(Einsatz nach Grad des klinischen Verdachts)

•    Ruhe-EKG (einfachstes Screening)
•    Belastungs-EKG (eher gegen Ende der Infektion zum Überprüfen belastungsinduzierter Rhythmusstörungen)
•    Echokardiographie (bei entsprechenden Veränderungen unter der Infektion, zwingend nach Peri-/Myokarditis)
•    Kardio-MRT (insb. "delayed enhancement")
•    Myokardbiopsie
•    Langzeit-EKG unter Einschluss typischer sportlicher Aktivität (zum optimalen Erfassen auch der sportlerspezifischen Trainingsrealitäten)


Generelle Voraussetzungen für eine „Return to sports“

•    Keine Symptome der Generalisierung

•    Normalisierung bzw. signifikanter Rückgang der Inflammationsparameter

•    Keine Organbefunde (z. B. EKG-Veränderungen)

•    Dosierbare Trainingsreize in den ersten Tagen

•    Sportartspezifisches Training nach 2 - 3 Tagen

•    Insbesondere bei Profisportlern engmaschige Kontrolldiagnostik (auch nach Wiedereinstieg ins Training)


„Return to sport“ bei Infektionen der oberen Atemwege ohne Allgemeinsymptome:

Bei Erkältungserscheinungen (Rhinorrhö, Halsschmerzen oder Husten) ohne Allgemeinsymptome bzw. mit unauffälligen Blutwerten gibt es keine Evidenz für schädliche Auswirkungen von (moderater) körperlicher Aktivität. Allerdings herrscht Konsens unter Experten, dass Vorsicht geboten ist, da eine Organgefährdung (z. B. Myokarditis) auch unter diesen Umständen nie gänzlich auszuschließen ist. Daher sind in der Regel geringe bis moderat-intensive körperliche Belastungen über 15 bis 30 Minuten täglich im aeroben Bereich möglich. Man sollte gut dosierbare Belastungsformen wählen und Wettkämpfe, Wettkampfsimulationen bzw. Spielformen mit Wettkampfcharakter meiden. Wenn keine Symptomverschlechterung eintritt, sind eine Fortsetzung und schrittweise Steigerung erlaubt. Nach 2 bis 3 Tagen Symptomfreiheit kann die Rückkehr zum uneingeschränkten Training erfolgen.  


„Return to sports“ bei Infektionen der oberen Atemwege mit Allgemeinsymptomen:

Sobald Beschwerden „unterhalb des Genicks“ wie Fieber, Myalgien, Arthralgien oder Tachykardien als begleitende Allgemeinsymptome auftreten, ist eine Sportpause angezeigt. Dies gilt explizit für eine akute Bronchitis, Influenza oder Pneumonie, aber auch für eine Sinusitis, die mit Allgemeinsymptomen einhergeht: kein Sport während der akuten Erkrankungsphase. Nach komplettem Sistieren der Symptome und bei normwertigen (oder stark abfallenden) Infektparametern ist eine Rückkehr zum Sport möglich, beginnend mit 2 bis 3 Tagen aeroben Trainings. Insbesondere bei einer Influenza empfiehlt sich eine dosierte, langsame Belastungssteigerung über 1 bis 2 Wochen.